Neonazi-Rapper in Haft – Das Netzwerk des “Mr.Bond”

In Wien sitzt ein Neonazi-Rapper in Untersuchungshaft, der mit seiner Hetze seinen Lebensunterhalt finanziert haben soll. Finanzermittlungen könnten wichtige Hinweise auf ein Netzwerk liefern, finden aber nicht statt. “Adolf war zu human, das war sein Kapitalfehler” – so lautet eine der mehr als 70 Textzeilen, mit der die Staatsanwaltschaft Wien Philip H. “nationalsozialistische Wiederbetätigung” nachweisen will; ein schwerwiegender Straftatbestand in Österreich, der mit langjährigen Haftstrafen geahndet werden kann. Schwierig dürfte das nicht sein, denn die Lyrics des österreichischen Rappers “Mr.Bond” sind eindeutig. Sie strotzen vor NS-Verherrlichung und Gewaltphantasien gegen Schwarze, Homosexuelle und Juden.Jahrelang hatte mutmaßlich Philip H. den Hass online gesät. Indem er bekannte Hits zu Faschisten-Hymnen umdichtete, erlangte der 37-Jährige in der extrem rechten Online-Community Bekannt- und Beliebtheit. So textete er Gucci Manes Lied “Supa Cocky” um zu “Supanazi”. Im Lied imaginiert sich H. als Nazi-Superheld, spinnt Mordphantasien gegen jüdische Kinder.Attentäter und Shoah gefeiertLaut Anklage der Wiener Staatsanwaltschaft, die report München vorliegt, soll er Bilder verbrannter jüdischer Babys online getauscht haben. Aus dem Lied “I Wanna Love You” von Akon & Snoop Dogg wurde bei “Mr.Bond” “I wanna gas you”. (…) Am 9. Oktober 2019, an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte der online radikalisierte Stephan B. in Halle an der Saale in eine Synagoge einzudringen. Für seinen Live-Stream vom Attentat spielte er ein Lied von “Mr. Bond.” Spätestens damit wurden die Behörden auf den österreichischen Neonazi-Rapper aufmerksam. (…) Am 9. Oktober 2019, an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, versuchte der online radikalisierte Stephan B. in Halle an der Saale in eine Synagoge einzudringen. Für seinen Live-Stream vom Attentat spielte er ein Lied von “Mr. Bond.” Spätestens damit wurden die Behörden auf den österreichischen Neonazi-Rapper aufmerksam. (…) Indes formieren sich auf Telegram Neonazis, die den Inhaftierten unterstützen wollen. Unter ihnen sind Neonazis aus ganz Europa, darunter auch User aus Österreich und Deutschland sowie zwei Aktivisten aus den USA, selbst fanatische Judenhasser: “Ich bin Nationalsozialistin im Sinne Adolf Hitlers”, schreibt Lindsey K.R. aus Massachusetts. Im vergangenen Jahr trat Lindsey K.R. beim neonazistischen “Miss Hitler”-Schönheits-Wettbewerb an, präsentierte sich online mit Hakenkreuz und Wehmachtsmütze; ein Vehikel, um Öffentlichkeit für den Inhaftierten Rapper zu schaffen, Spenden zu akquirieren. Dafür korrespondierte sie offenkundig auch mit der deutsch-kanadischen Holocaust-Leugnerin Monika Schaefer, wie es Screenshots aus einer Telegram-Gruppe belegen. Schaefer finde es “schön, dass junge Menschen”, wie Philip H. “auch den Kampf aufnehmen”.

via tagesschau: Neonazi-Rapper in Haft – Das Netzwerk des “Mr.Bond”

#Querdenker-Szene: Pläne gegen #Polizei-Maßnahmen, #AfD-Unterstützung in #Gelnhausen – #covidioten

In der Querdenker-Szene im Main-Kinzig-Kreis wird offensichtlich über Möglichkeiten diskutiert, wie man sich gegen mögliche polizeiliche Maßnahmen wehren könnte. Ein entsprechender Beitrag ist unter anderem in der Gruppe “Freiheitsboten Langenselbold” im Messengerdienst “Telegram” zu finden. Während in Langenselbold erneut über 150 Menschen vor dem Rathaus mit einer Mahnwache gegen die „Spaziergänge“ protestieren, bekam die Veranstaltung in Gelnhausen prominente Unterstützung von der AfD.
“Wie kippen wir die derzeitigen Allgemeinverfügungen der Städte und Landkreise, auf unseren Spaziergängen – alias ‘Versammlung‘ – eine FFP2-Maske tragen zu müssen?”, lautet wörtlich die Eingangsfrage einer Nachricht, die eine gewisse Annette in der Langenselbolder Telegram-Gruppe hinterlassen hat. Und ein Vorschlag wird auch gleich mitgeliefert: Wenn ein “Spaziergänger” wegen fehlender Maske zur Abgabe der Personalien aufgefordert wird, sollen alle anderen ihre Angaben freiwillig abgeben und dies von der Polizei auch lautstark einfordern. “Nach dem Motto: Alle oder keinen und wir gehen hier nicht weg… Bis 30,40, 50 ‘Personalien” aufgenommen wurden. Mal sehen, wie viele Stunden die Polizei in der Kälte stehen mag und aufschreiben, wenn alle Spaziergänger dies fordern.” Der Beitrag ist als “weitergeleitete Nachricht” gekennzeichnet und wurde demnach auch in anderen Telegram-Gruppen veröffentlicht. Die offensichtliche Aufforderung zur Konfrontation mit der Polizei verwundert umso mehr, da die “Spaziergänger” im Main-Kinzig-Kreis bislang fast unbehelligt ihres Weges ziehen dürfen. Anders als beispielsweise in Kahl am Main im nahen Bayern, wo bereits mehrere derartige Versammlungen mit großen Polizeiaufgeboten aufgelöst wurden, beschränken sich die Einsätze im Main-Kinzig-Kreis bisher meist auf rein verkehrliche Maßnahmen.

via vorsprung online: Querdenker-Szene: Pläne gegen Polizei-Maßnahmen, AfD-Unterstützung in Gelnhausen

screenshot TG

#Bundesverfassungsgericht – #Facebook muss Daten von #Hetzern an Renate #Künast geben

Die Grünenpolitikerin ist immer wieder Ziel von Beleidigungen im Netz. Nun hat sie vor dem Bundesverfassungsgericht einen Erfolg errungen, der auch die Social-Media-Konzerne unter Druck setzen dürfte. Facebook muss Daten von Nutzerinnen und Nutzern, die Renate Künast im Netz beleidigt haben, an die Grünenpolitikerin herausgeben. Das hat das Bundesverfassungsgericht in einer am Dienstag verkündeten Entscheidung festgestellt und damit die Entscheidung Berliner Zivilgerichte aufgehoben. Künast hatte in einem vorherigen Verfahren in insgesamt 22 Facebook-Kommentaren Beleidigungen gesehen und wollte von Facebook die Daten der Verfasser bekommen, damit sie gegen diese gerichtlich vorgehen kann. Dabei ging es um Äußerungen wie »Gehirn-Amputiert« und »Pädophilen-Trulla« oder andere, heftigere sexistische Beleidigungen. Zwei Berliner Gerichte sahen nur in zwölf Äußerungen strafbare Äußerungen. Das Bundesverfassungsgericht wertete nun alle 22 als beleidigend.
Das Bundesverfassungsgericht sagte zu den Berliner Entscheidungen nun, dass diese »unter Verkennung von Bedeutung und Tragweite des Persönlichkeitsrechts die verfassungsrechtlich erforderliche Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit und dem Persönlichkeitsrecht unterlassen« hätten. Empörung über Berliner Urteil Zuvor hatte das Berliner Landgericht entschieden, dass Renate Künast wüste Beschimpfungen auf Facebook hinnehmen müsse. Das Urteil hatte für Empörung gesorgt und wurde später teilweise korrigiert. Auf Facebook und Twitter kommentierten Nutzer mit »Stück Scheiße« und noch übleren Äußerungen unter einem angeblichen Zitat von Künast, welches ein Rechtsextremist wiederholt gepostet hatte. Bereits im Verfahren vor dem Berliner Landgericht ging es Künast darum, von Facebook Daten dieser Nutzer zu bekommen. Das Unternehmen wollte die personenbezogenen Daten der Facebook-Kommentatoren nicht herausgeben. Unterstützt wurde Renate Künast in allen Verfahren von der Betroffenenorganisation »Hate Aid«.

via spiegel: Bundesverfassungsgericht – Facebook muss Daten von Hetzern an Renate Künast geben

siehe auch: Hate Speech: Renate Künast mit Verfassungsklage erfolgreich. Im Kampf gegen Hasskommentare auf Facebook hat die Grünen-Politikerin Renate Künast vor dem Bundesverfassungsgericht einen wichtigen Erfolg erzielt. Im Kampf gegen wüste Beschimpfungen auf Facebook hat die Grünen-Politikerin Renate Künast vor dem Bundesverfassungsgericht einen wichtigen Erfolg erzielt. Die Karlsruher Richterinnen und Richter hoben Entscheidungen der Berliner Zivilgerichte auf, wie sie am Mittwoch mitteilten. Diese verletzten die Klägerin in ihrem Persönlichkeitsrecht. (Az. 1 BvR 1073/20); Erfolgreiche Verfassungsbeschwerde gegen fachgerichtliche Versagung der Auskunft über Bestandsdaten gegenüber einer Social Media Plattform. 1 BvR 1073/20. Mit heute veröffentlichtem Beschluss hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts Entscheidungen von Fachgerichten aufgehoben, mit denen der Beschwerdeführerin die notwendige gerichtliche Anordnung zur Auskunft über Bestandsdaten gegenüber einer Social Media Plattform versagt wurden. Die Beschwerdeführerin möchte vor den Fachgerichten erreichen, dass eine Social Media Plattform die bei ihr vorhandenen personenbezogenen Daten über mehrere Nutzer herausgibt, die auf der Plattform Kommentare über die Beschwerdeführerin getätigt haben. Die Fachgerichte stuften im Ergebnis lediglich 12 der 22 im Ausgangsverfahren gegenständlichen Kommentare als strafbare Beleidigungen ein und gestatteten die Beauskunftung über die bei der Social Media Plattform vorhandenen Bestandsdaten. Im Übrigen wurde eine Beauskunftung abgelehnt. Die Entscheidungen verletzen die Beschwerdeführerin in ihrem allgemeinen Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG, soweit sie die Anordnung hinsichtlich der zehn verbliebenen Kommentare versagt haben. Die Fachgerichte haben unter Verkennung von Bedeutung und Tragweite des Persönlichkeitsrechts die verfassungsrechtlich erforderliche Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit und dem Persönlichkeitsrecht unterlassen.

Rechte Musik auf Streaming-Plattformen – Nazi-Song ist Antifa-Experiment

Die Band „Hetzjaeger“ bedient, was die Rechtsrockszene begehrt – aber sie ist ein Fake. Als Experiment zeigt sie, wie sich rechte Musik verbreitet. Streaming-Plattformen wie Spotify, Soundcloud, Youtube oder Deezer empfehlen ihren Hö­re­r*in­nen neue Bands und Lieder – auch wenn diese aus der rechten Szene kommen. So verbreiten die Plattformen automatisch rechte Musik. Wie gut funktioniert das? Um das herauszufinden, hat der Verein Laut gegen Nazis eine scheinbar rechte Band gegründet: „Hetzjaeger“. Das Logo zeigt ein rotes HJ-Symbol, der einzige Song der Band heißt „Kameraden“. Dessen erste Strophe klingt eindeutig nach Rechtsrock: „Wenn du begreifst, dass Stück für Stück dein Land sich und dich vor dem Feind ergibt“, lautet eine Zeile, untermalt von Schlagzeug und E-Gitarre. Als Hörprobe lief die Strophe mehr als einen Monat auf verschiedenen Plattformen. Ein 30-Sekunden-Video bei Youtube zeigte dazu einen nächtlichen Wald im Nebel, den dunkle Gestalten mit Fackeln und Hundemasken durchstreifen. Teile der rechten Szene fielen auf diesen Fake herein und freuten sich schon auf mehr. Tatsächliche rechte Bands wie FLAK und der Versand Nordic Pride boten bereits Kooperationen an. Die Streaming-Plattformen selbst hingegen reagierten kaum und verbreiteten die Hörprobe. Trotz der Kürze des Songs kamen die „Hetzjaeger“ in einem Monat so auf mehr als 100.000 Views und Streams. (…) Bei Spotify beispielsweise habe der Algorithmus die Hörprobe bereits nach wenigen Tagen „in den Mix der Woche und Playlists von Testaccounts gespült“. In der zweiten Woche schaltete die Initiative aktiv Werbung. Die fiel auch Linken auf. Das Internetportal Belltower News berichtete: „Jetzt können Rechtsrock-Bands offenbar sogar Werbung buchen.“ Erst danach blockierte Spotify den Song. Auch Soundcloud entfernte die Hörprobe. Dennoch konnten die „Hetzjaeger“ ihn sofort wieder hochladen. Sechsmal ging das so. Sound­cloud gibt gegenüber der taz an, nicht alle Inhalte beim Hochladen zu prüfen. Die Musikplattform habe externe Anbieter engagiert, die im Einklang mit dem Urheberrecht problematische Inhalte erkennen. Zudem prüfe ein Team gemeldete Inhalte. Spotify reagierte auf eine taz-Anfrage nicht. Jörn Menge von Laut gegen Nazis kritisiert, dass die Streamingdienste willkürlich statt systematisch löschen. Während Spotify den Song „Kameraden“ gesperrt habe, seien andere rechte Inhalte weiterhin verfügbar. Seit Jahren gilt Musik als ein wichtiges finanzielles Standbein der Naziszene.

via taz: Rechte Musik auf Streaming-Plattformen – Nazi-Song ist Antifa-Experiment

Polizistin und Polizist im Kreis Kusel erschossen

Nach den tödlichen Schüssen auf eine Polizistin und ihren Kollegen bei Ulmet im Kreis Kusel hat die Polizei den Tatverdächtigen Andreas S. festgenommen. Wenig später nahmen die Fahnder einen weiteren Tatverdächtigen fest. Die Fahndung geht aber weiter. Am Montagnachmittag, um kurz nach 17 Uhr, konnten Spezialkräfte der Polizei im saarländischen Sulzbach einen Tatverdächtigen festnehmen. Es handelt sich um Andreas S. aus Spiesen-Elversberg, gegen den zuvor eine Öffentlichkeitsfahndung lief. Die Polizei hatte am Tatort Papiere von ihm gefunden. Andreas S. sei widerstandslos festgenommen worden. Er gilt als Haupttatverdächtiger und ist den Beamten bereits wegen Fahrerflucht bekannt. Zu den Vorwürfen schweigt er. Am Dienstag soll er einem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Kaiserslautern vorgeführt werden. (…) Nach Informationen von SWR und SR handelt es sich bei dem festgenommenen Andreas S. um einen Geschäftsmann. Er soll vor einiger Zeit Insolvenz angemeldet haben. Er soll auch nicht im Besitz eines gültigen Jagdscheins sein, wie zunächst angenommen wurde. Das teilte der Deutsche Jagdverband dem SWR auf Nachfrage mit. Andreas S. sei 2008 zum ersten und 2020 zum zweiten Mal die sogenannte waffenrechtliche Zuverlässigkeit entzogen worden. Somit habe er keine Waffen mehr besitzen dürfen. Über den anderen 32-jährigen Tatverdächtigen ist noch nichts bekannt. Zeitpunkt der Tat war nach Angaben der Polizei um 4:20 Uhr am Montagmorgen. Die 24-jährige Polizistin und ihr 24 Jahre alter Kollege wollten mit ihrem Zivilfahrzeug eine Verkehrskontrolle durchführen. Sie hatten aber ihre Uniformen an. Sie gaben nach Angaben der Polizei noch einen Funkspruch ab, dass sie totes Wild in dem kontrollierten Fahrzeug gefunden hatten.

via swr: Polizistin und Polizist im Kreis Kusel erschossen

siehe dazu auch_ “Zwei Söldner weniger” – “Querdenker” feiern tödliche Schüsse auf Polizisten. Zwei junge Polizisten wurden getötet. Die Behörden reagieren entsetzt und bitten Corona-Demonstranten um Rücksichtnahme. Doch ein Teil der Szene jubelt in sozialen Netzwerken. Zwei junge Polizisten wurden in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle erschossen. Die Polizei trauert, die Politik ist entsetzt, Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) spricht von einer Tat, die einer Hinrichtung gleiche. In manchen Telegram-Gruppen von Gegnern der Corona-Maßnahmen aber herrscht nicht Bestürzung – sondern Freude. “Zwei weniger bei den Spaziergängen”, schreibt ein Nutzer in der Telegram-Gruppe “Verstehen und Handeln”. Dazu teilt er einen Artikel zu den tödlichen Schüssen bei Kusel. “Zwei Söldner weniger”, freut sich auch ein anderer. Ein dritter fordert die Einrichtung eines Spendenkontos für den Täter. “Tja, selber Schuld”, schreibt ein weiterer Nutzer. Die Polizei habe die Aufgabe, die Bevölkerung zu schützen und nicht, gegen sie “bei Spaziergängen” vorzugehen. (…) 1.348 Mitglieder hat die Telegram-Gruppe. Sie beschäftigen sich verstärkt mit Corona-Maßnahmen, geteilt und kommentiert werden aber auch Meldungen und Fake News zu anderen Bereichen – zum Beispiel zum Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland, zum Aids-Impfstoff und zur Ukrainekrise. Der Ton in der Gruppe ist insgesamt roh, auch Aufrufe zum Mord muss man nicht lange suchen: “Kill that bitch”, kommentiert ein Nutzer unter die Meldung, dass Christiane Druml, Leiterin der österreichischen Bioethikkommission, weitere Impfpflichten in Erwägung zieht; WIDERLICH! QUERDENKER BEJUBELN DIE MORDE AN POLIZISTEN AUS KUSEL. 3.200„QUERDENKER“ BEJUBELN, DASS ZWEI BEAMTE ERSCHOSSEN WURDEN
Am frühen Montagmorgen wurden im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle zwei Polizist:innen erschossen. Per Fahndungsfoto und Vollnamen sucht die Polizei den Tatverdächtigen, den 38-jährigen Johannes Schmitt. Es habe sich um eine routinemäßige Streifenfahrt und Verkehrskontrolle gehandelt, heißt es von der Polizei. Bei den getöteten Beamt:innen handelt es sich um eine 24-Jährige und einen 29-Jährigen. Kurz bevor der Kontakt mit der Zentrale abbrach, soll totes Wild im Fahrzeug gefunden worden sein. Die Bundesinnenministerin Faeser erklärt öffentlich, die Tat erinnere an eine „Hinrichtung“. (…) Die Meldung der Morde aus Kusel wird positiv aufgenommen: Man erklärt, es gebe „2 weniger bei den Spaziergängen“. Andere, offensichtlich rechtsextrem motivierte Mitglieder, nutzen das rassistische Codewort „Neubürger“, um auf altbekannte AfD-Narrative anzuspielen, und aus Reflex „Ausländern“ die Schuld zuzuschieben. Der Tatverdächtige ist der blonde Johannes Schmitt. Das absurde: Während die eine Person spottet, dass Morde durch „Migranten“ angeblich ungerechterweise heruntergespielt werden, bejubeln die anderen Mitkommentierenden in seinem Chat die Tat. Die kognitive Dissonanz fällt niemandem auf.

https://twitter.com/KatharinaKoenig/status/1488089490480582656

„#Stäbchen schmerzhaft tief in die Nase“: #AfD-Mann sorgt sich vor #Corona-Test – kracherte Antwort wird zum Hit – #dumbasabrick #maltekaufmann #jammerlappen #covidioten #kruppstahldeutscher

Im Februar wird der Bundespräsident gewählt. Doch ein AfD-Politiker hat Sorge – vor dem vorgeschalteten Corona-Test. Eine Twitter-Replik wird zum Renner. Am 13. Februar wird der Bundespräsident gewählt* – von der Bundesversammlung*. Für das politisch in Deutschland einzigartige Gremium gelten dann natürlich Corona-Regeln. Unter anderem eine Testpflicht vor Ort. Was für unzählige Menschen in Deutschland in der Corona-Krise reine Routine ist, versetzt einen AfD-Politiker aber offenbar in Angst und Schrecken. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Malte Kaufmann will die Prozedur boykottieren, wie er am Sonntag auf Twitter mitteilte. Kaufmann sparte nicht an Klagen über das Test-Verfahren – und muss nun mit herbem Spott leben. AfD-Spott auf Twitter: Abgeordneter denkt an Wahlboykott – wegen „Stäbchen“-Sorge. „Kürzlich wollte mir im BT (Bundestag; Anm. d. Red.) jemand ein Stäbchen schmerzhaft tief i.d. Nase einführen“, beschwerte sich Kaufmann unter anderem. Lieber wolle er sich „vorbehalten, die Wahl anzufechten“, als den Test durch die Offiziellen zu erdulden, ließ er durchblicken. (…) Doch Kaufmann legte sogar nochmal nach. „Testen ja, aber keine Körperverletzung“, beschwerte er sich. „Bei den meisten Teststationen auf der Straße wird einem auch nicht das Stäbchen gefühlt bis fast ins Gehirn geschoben.“ Es gebe „humane Wege der Testung“. Der Publizist Hasnain Kazim, Sohn indisch-pakistanischer Eltern und gestählt im Bundeswehr-Dienst als Marineoffizier und Erdogan-kritischer Berichterstatter in der Türkei, stolperte über das Posting und konterte denkbar kühl – seine Replik geriet auf Twitter zum Renner und erntete hunderte Likes. Seine rhetorische Frage fiel simpel aus – und ließ sich als harter Seitenhieb auf die politische Linie der AfD deuten: „Was ist nur aus dem guten alten Kruppstahldeutschen geworden?“

via tz: „Stäbchen schmerzhaft tief in die Nase“: AfD-Mann sorgt sich vor Corona-Test – kracherte Antwort wird zum Hit

Identitäre Ideologie exmatrikulieren

Berliner Studierende protestieren gegen die Untätigkeit ihrer Universitäten bei rechten Äußerungen. Seit nunmehr zwei Jahren ist es ungewohnt still an den Berliner Universitäten. Wegen der pandemiebedingten Einschränkungen sind seit April 2020 fast alle Lehrveranstaltungen in den digitalen Raum verlegt worden. Umso erstaunter waren am Montagmorgen die wenigen Studierenden, die sich zum Campus der Freien Universität in Dahlem verirrt hatten, über die Parolen, die Unbekannte in der Nacht zuvor vor dem Eingang des Instituts für Biologie mit Sprühkreide hinterlassen hatten. Ein bei der Aktion ebenfalls aufgehängtes Transparent war bereits im Morgengrauen wieder verschwunden. Mitten in die Coronaruhe hinein startete die Landes-Asten-Konferenz (LAK), die universitätsübergreifende Vernetzung der Berliner Studierendenschaft, ihre Kampagne »Rechte Ideologie exmatrikulieren – kein Studium unter rechten Dozierenden«. Anlass für die Kampagne lieferte unter anderem der Biologiedozent Michael Grünstäudl, der an der Freien Universität im Fachbereich Biologie arbeitet. Grünstäudl soll in der Onlinelehre auf seinen Privat-Account auf der Plattform GitHub verwiesen haben, wo er neben Lernressourcen, auch eine Reihe von Links zu neofaschistischen Videos verbreitet haben soll, so der Asta der Freien Universität in einer Pressemitteilung. Unter anderem soll er dort Videos des österreichischen Sprechers der Identitären Bewegung, Martin Sellner, geteilt haben. Der bekannte Neonazi Sellner unterhielt in der Vergangenheit unter anderem Kontakte zum Attentäter von Christchurch in Neuseeland, bei dem der Rechtsterrorist im März 2019 insgesamt 51 Menschen mit Schusswaffen getötet hatte. Er hatte gezielt islamische Zentren attackiert. Dass Grünstäudl seine Position in der Lehre dafür genutzt haben soll, rechtes Gedankengut zu verbreiten, wollten sich einige Studierende nicht bieten lassen. Sie wandten sich diesbezüglich an ihren Fachbereich. Dieser habe zwar Verständnis und Betroffenheit geäußert, blieb aber untätig, so Jan Novak von der Fachschaftsinitiative Biologie. »Es hat sehr lange gedauert, bis sich das große Monstrum FU überhaupt bewegt hat«, sagt der Student.

via nd: Identitäre Ideologie exmatrikulieren