Der CDU-Mittelstand schreibt auf Instagram zur möglichen Koalition in Berlin: „,Judenfrage’ geklärt“. Grüne und Linke sprechen von Nazi-Vokabular. Sie fordern eine Stellungnahme der CDU. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Potsdam mit ihrem Vorsitzenden Jan Jacobi (Foto oben) sorgt mit einem Instagram-Post zur möglichen Berliner Koalition aus Linken, Grünen und SPD für heftige Kritik. Ein KI-generiertes Foto zeigt das mit einer Kirchturmspitze seltsam verfremdete Rote Rathaus in Berlin, flankiert von zwei Minaretten in den Farben der Palästina-Flagge. Auch Hammer und Sichel sind zu sehen. Auf dem Bild steht wörtlich: „,Judenfrage’ geklärt, jetzt wird enteignet. Damit ist die ,Brandmauer’ gefallen.“ Im Text zum Post heißt es weiter, die Brandmauer sei von SPD und Grünen eingerissen worden. In Berlin zeige sich: „Im Umgang mit Linksextremisten und Islamisten fallen die letzten Tabus.“ Damit würden sich „alle Belehrungen gegenüber der CDU“ verbieten. Hier stehe „Machtgier über Moral“. Die Kommentarfunktion für Posts ist auf der Seite der MIT abgeschaltet. (…) Potsdams Grüne kritisieren, die Bildmontage verbinde eine bedrohliche Inszenierung mit antisemitischer Sprache. Mit der Formulierung „Judenfrage geklärt“ werde der Sprachgebrauch des Nationalsozialismus aufgegriffen. (…) Bezeichnend sei zudem das Schweigen der MIT Potsdam zu einer möglichen Regierungsübernahme im Nachbarland Sachsen-Anhalt durch die als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD. „Die MIT Potsdam sollte hier das Verhältnis zur Brandmauer nach rechts klarstellen“, sagt Freundl. Den MIT-Vorsitzenden Jan Jacobi, der Mitarbeiter der Potsdamer CDU-Bundestagsabgeordneten Saskia Ludwig ist, und die MIT Potsdam fordert sie auf, den Beitrag unverzüglich zu löschen und sich öffentlich und unmissverständlich zu entschuldigen. Auch die Potsdamer CDU müsse klar dazu Stellung beziehen, so Freudl. Potsdams Linke spricht von „Hetze und Nazi-Parolen“ der MIT. „Die CDU instrumentalisiert Antisemitismus für ihre Parteipolitik. Die ,Judenfrage’ als Wortspiel, das ist Faschismus-Sprech, nichts anderes“, sagt der Linken-Co-Kreisvorsitzende Jörg Schindler. Die Co-Kreischefin Iris Burdinski fordert die CDU Potsdam auf, „sich unmissverständlich von Jan Jacobi und dieser Hetze zu distanzieren“. Schweigen führe dazu, dass „die Instrumentalisierung von Antisemitismus und antimuslimischer Hetze“ normalisiert und die Gesellschaft gespalten werde.
via tagesspiegel: „Sprache der Nationalsozialisten“: CDU-Mittelstandsvereinigung Potsdam irritiert mit einem Instagram-Post
siehe auch: Empörung nach “Judenfrage”-Post der Potsdamer Wirtschaftsunion. Ein Instagram-Post der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Potsdam hat Empörung ausgelöst. Darin steht in Anspielung auf die Sondierungen von Linke, Grünen und SPD in Berlin: “Judenfrage geklärt, jetzt wird enteignet. Damit ist die Brandmauer gefallen.” Brandenburgs Innenminister und CDU-Landeschef Jan Redmann sagte nach Angaben der dpa am Mittwoch, der Post lasse Sensibiliät vermissen, sei aber nicht antisemitisch. Deutlicher wurde dagegen die Junge Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Brandenburg (JCDA). “Gerade innerhalb der Unionsfamilie darf so etwas nicht unwidersprochen bleiben. Wir erwarten eine unverzügliche Distanzierung, eine öffentliche Entschuldigung und klare personelle Konsequenzen!”, teilte die JCDA Brandenburg mit.Linke und Grüne in Potsdam sprechen von einem Tabubruch und fordern eine öffentliche Entschuldigung. Die Vorsitzende der Jugendorganisation der SPD, Leonel Richy Andicene, sagte: “Die Mittelstandsunion Potsdam macht mit dem antisemitischen Begriff ‘Judenfrage’ die Sprache der Verfolgung und Vernichtung europäischer Jüdinnen und Juden zum Material ihrer Social-Media-Propaganda. Das ist eine widerwärtige Grenzüberschreitung.”