Matthias Helferich nannte sich einst das »freundliche Gesicht des NS«, heute sitzt er für die AfD im Bundestag. SPIEGEL-Recherchen legen nahe, dass er noch extremer tickt als bislang bekannt. Matthias Helferich hat gute Laune. Der AfD-Politiker steht vor einigen Tagen im Innenhof eines Bundestagsgebäudes und nimmt ein Video für seine Follower auf. Seine Fraktion hat gerade beschlossen, ihn in den Kultur- und Medienausschuss zu entsenden. Genau in den Ausschuss, in den Helferich wollte. Jahrelang, sagt er, habe er sich für »Remigration« eingesetzt – ein rechtsextremer Kampfbegriff für massenhafte Abschiebungen und das Verdrängen von Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland. Aber es brauche mehr, so Helferich. Nämlich »die Stärkung unseres kulturellen, unseres identitären Bewusstseins«. Kultur-, Medien- und Identitätspolitik sei dafür »der richtige Ansatzpunkt«. Ausgerechnet Helferich soll nun also in einem Ausschuss des Bundestages kontrollieren, welche kulturellen Projekte und Institutionen die Bundesregierung fördert. Er soll sich für Presse- und Kunstfreiheit einsetzen. Mitreden dürfen bei Fragen rund um »geschichtliche Lernorte von nationaler Bedeutung«, wie es der Bundestag beschreibt. Und sich um die Aufarbeitung von NS-Verbrechen kümmern. Dabei ist der 36-Jährige einer der umstrittensten Abgeordneten der AfD. Bekannt wurde Helferich, weil er sich einst in einem Chat »das freundliche Gesicht des NS« nannte. Er sagt, das sei ironisch gemeint gewesen. In der vergangenen Legislaturperiode wollte selbst die AfD-Fraktion ihn deswegen nicht in ihren Reihen haben. Doch inzwischen sind den meisten Funktionären auch solche Grenzüberschreitungen offenkundig egal. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, nennt die NS-Chatäußerung einen »alten Hut«. Vor ein paar Wochen wurde Helferich ohne Diskussion in die Fraktion aufgenommen (…) Helferich sagte in einem Video, es handele sich beim Verfassungsschutz um eine »Willkürbehörde«, die Beobachtung sei nur »ein Werkzeug«. Die AfD müsse die Behörde »gemeinsam angreifen« und sich nicht als extremistisch einordnen lassen. Doch nun ist es Helferich selbst, der seiner Partei wieder Probleme bereiten dürfte. SPIEGEL-Recherchen legen nahe, dass »das freundliche Gesicht des NS« kein Ausrutscher war, sondern dass er Vertrauten gegenüber immer wieder sein rechtsextremes Weltbild propagierte. Der SPIEGEL hat E-Mails, Fotos und Dokumente von 2014 bis 2016 aus Helferichs Zeit bei der Bonner Burschenschaft Frankonia auswerten können. Außerdem liegen Tausende Nachrichten ab August 2024 aus einer Chatgruppe vor. Darin ist ein AfD-Mitglied namens Robert H. aktiv, der Helferich dort als seinen »Arbeitgeber« bezeichnet. Zahlreiche der Nachrichten sind rassistisch und menschenverachtend. Immer wieder geht es um den Nationalsozialismus. Die Nachrichten bieten einen ungefilterten Einblick in die Art, wie in rechtsextremen Kreisen und der AfD zum Teil gedacht und gesprochen wird. (…) Im Mai 2015 etwa schreibt Helferich augenscheinlich in einer Mail an einen Verbindungsbruder über seine Bewunderung für Wolfgang Willrich. Der Maler und Publizist spielte eine zentrale Rolle bei der visuellen Propaganda der Nazis. Als überzeugter Anhänger der Diktatur schrieb er »eine kunstpolitische Kampfschrift zur Gesundung deutscher Kunst im Geiste nordischer Art«. Er war maßgeblich daran beteiligt, Künstler und deren Werke als »entartet« zu brandmarken. Willrichs Bilder gefielen ihm »sehr«, heißt es in der fraglichen Mail, sie würden »eine erlebte Realität und eine hoffnungsvolle Zukunft des nationalsozialistischen Deutschlands« widerspiegeln. Allerdings sei dies keine »ernst zu nehmende Idealvorstellung für ein zukünftiges politisches Deutschland«. Helferich war damals noch in der CDU, bevor er ein paar Monate später in die AfD wechselte. »Das Ziel ist das selbe« Den Mails zufolge stellt sich Helferich 2015 nicht direkt eine Wiederkehr des Nationalsozialismus vor. Vom »Blutkult«, wie er es nennt, hält er wenig, allerdings aus strategischen Gründen. Die extreme Rechte in Österreich, England, Frankreich oder auch Pegida in Deutschland seien nicht deshalb erfolgreich, »weil sie biologisch-wissenschaftliche Beweise ins Feld führen, sondern weil sie an die Ängste, Gefühle, das Erlebte der Wähler appellieren und diese Gefühle zu politisieren wissen«. Er bittet die anderen Burschen, die zum Teil radikaler schreiben, ihm diese Sicht auf die Dinge nicht übelzunehmen. Sie seien als »realpolitischer Weckruf« gemeint, heißt es in der Mail weiter. »Das Ziel – das Überleben unserer Kultur- und Volksgemeinschaft – ist das selbe«. An anderen Stellen zeigt Helferich augenscheinlich noch weniger Distanz zum Nationalsozialismus. In einer Mail empfiehlt er einem »Bundesbruder« etwa ein Buch zur Psychologie der Massen, »welches schon Goebbels anleitete«. Und er fragt in die Runde, wem er ein anderes seiner Bücher geliehen habe. In einer Mail, die mit »Heilchen« beginnt und mit »Matthias« unterzeichnet ist, heißt es an ein Verbindungsmitglied gerichtet: »Du hast noch meine gesamte Rassenkunde-Literatur, du jüdischer Langfinger.« In einer anderen Mail, die mit »dein Helferich« unterzeichnet ist, steht das N-Wort und dass diese Menschengruppe eine »genetische Disposition zur kriminellen Lebensweise« habe. Eine weitere Mail endet mit einem PS: Er bevorzuge die Anrede »Holocaustleugner_In«.
via spiegel: Matthias Helferich E-Mails über Rassenlehre und Gewaltfantasien belasten AfD-Abgeordneten schwer
siehe auch: Witze über brennende Heime E-Mails belasten umstrittenen AfD-Politiker Matthias Helferich. Der AfD-Abgeordnete Helferich bezeichnet sich selbst als “freundliches Gesicht des NS”, was seine Haltung schon deutlich zum Ausdruck bringt. E-Mails aus seiner Zeit als Burschenschaftler fördern einem Bericht zufolge weitere Beispiele seines Weltbilds zutage. Er selbst gibt an, sich nicht daran erinnern zu können. Mehrere E-Mails aus seinen Burschenschaftsjahren belasten den umstrittenen AfD-Abgeordneten Matthias Helferich schwer. “Spiegel”-Recherchen legen nahe, dass es kein Ausrutscher war, dass Helferich sich einst in einem Chat als “das freundliche Gesicht des NS” bezeichnete, sondern dass er Vertrauten gegenüber immer wieder sein rechtsextremes Weltbild propagierte. Es geht um E-Mails, Fotos und Dokumente aus den Jahren 2014 bis 2016, als Helferich bei der Bonner Burschenschaft Frankonia war. Der “Spiegel” hat sie ausführlich geprüft. Einigen der E-Mails, die Helferichs tatsächliche Mailadressen aufweisen, hängen Fotos von ihm an, die zum jeweiligen Inhalt der Mail passen. (…) Auch mit Gewaltfantasien hat Helferich damals offenbar kein Problem. Im November 2015 endet eine der Mails mit dem Reim: “Advent, Advent, ein Asylantenheim brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht der Helferich vor der Reichstagstür. Und wenn das Fünfte brennt, hast du die Revolution verpennt!”