CSU-Innenminister Alexander Dobrindt stellt Rekordzahlen zur politisch motivierten Kriminalität vor. Vor allem rechte Gewalt stiegt 2024 stark an. Bei der Präsentation der Zahlen zur rapide angestiegenen politischen Kriminalität machte der noch frisch gebackene Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) ein betretenes und ernstes Gesicht. Die sogenannten PMK-Zahlen sind so stark gestiegen wie nie – um rund 40 Prozent auf 84.172 Straftaten: ein Höchststand seit der Erfassung 2001. Der größte Teil davon, über die Hälfte, sind laut der Gesamtstatistik rechtsextreme Taten: ebenfalls ein Rekordwert von 42.788 (Zuwachs: 48 Prozent). Auch rechten Gewalttaten stiegen auf ein Allzeithoch von 1.270 auf 1.488 Taten. Die Entwicklung hatte sich bereits abgezeichnet – bei rechtsextremen Angriffen auf Politiker*innen, Brandanschlägen mit Todesopfern und bundesweit grassierender rassistischer Gewalt. Tatsächlich dürfte das Dunkelfeld noch größer sein: Opferberatungsstellen zählen in bisher erfassten 12 Bundesländern gar 3.452 rechte, rassistische und antisemitische Angriffe. Auch sie stellten ihre Zahlen am Dienstag vor und sprachen von einer „Untererfassung“ durch die Behörden. (…) Dobrindt ist das Gesicht der von der CSU im Fahrwasser der AfD geforderten „Migrationswende“, er stellte im Wahlkampf das individuelle Recht auf Asyl infrage und lässt nun Dienstpläne von Bundespolizist*innen und europäische Rechtsordnungen platzen, um in seiner ersten Woche sage und schreibe 32 Asylbewerber zurückzuweisen. In der Vergangenheit fabulierte er von der „Anti-Abschiebe-Industrie“, der „Klima-RAF“ und beschimpfte Grünen-Politiker als „Vorsitzende der Pädophilen-AG“. Dobrindt bewirtschaftet den Populismus strategisch, jetzt hat er die Folgen auch seines eigenen Handelns auf dem Tisch. Ob er die AfD mitverantwortlich mache für die gestiegenen rechten Straftaten? Seine Antwort: „Alle die, die bei dieser Polarisierung eine Rolle spielen, sind ein Teilelement dieser Entwicklung.“ Trotz der rechten Bedrohungen wollte Dobrindt nichts vom AfD-Verbot wissen und stattdessen bei seinem Rezept im Umgang mit Rechtsextremismus bleiben: „Parteien an den Rändern“ solle man mit guter Politik „wegregieren“ und nicht versuchen, sie juristisch zu verbieten, forderte Dobrindt. (…) Vor allem die Linke kritisierte Dobrindt für seinen laschen Umgang mit rechten Straftaten. Die Linken-Abgeordnete Clara Bünger sagte: „Statt die Gefahr klar zu benennen, verharmlost Innenminister Dobrindt sie. Er spricht von politischen Rändern und will eine nebulöse politische Mitte stärken.“ Fakt sei, dass die meisten Taten rechts motiviert und Rassismus das häufigste Tatmotiv seien. „Wir haben kein Problem mit Rändern, wir haben ein Problem mit der extremen Rechten, die genau den Rassismus gewalttätig vertritt, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt“, sagte Bünger. Sie forderte ein Schutzkonzept für Betroffene und ein Demokratiefördergesetz: „Wer rechte Gewalt wirklich bekämpfen will, muss in Demokratiearbeit investieren und darf nicht aus Angst vor rechten Stimmen deren Rhetorik übernehmen.“ Auch die Grüne Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge sprach von einem „alarmierenden Anstieg rechtsextremer Straftaten“. Neben Polizeiarbeit brauche es eine starke Zivilgesellschaft, echte Prävention und ein Demokratiefördergesetz, forderte Dröge
via taz: Politisch motivierte Kriminalität Rechtsextremes Werk und Dobrindts Beitrag