Schöne Lügen: Wie KI-Frauen im großen Stil Meinungsmache für die AfD betreiben

Social Media ist voll mit Profilen angeblicher Frauen, die für die AfD werben und Geld mit Nackt-Inhalten machen. Erst der genaue Blick zeigt: Da ist KI im Spiel. Wie die Maschinerie der künstlichen Stimmungsmache funktioniert, zeigt eine GADMO-Recherche von CORRECTIV.Faktencheck. (…) Zola ist 20 Jahre alt, Single, Krankenschwester und vor zehn Jahren aus dem Senegal nach Deutschland gekommen. Nun wählt sie die AfD und schimpft gegen den Islam, Impfungen und Transpersonen. Aber: Vieles spricht dafür, dass es Zola gar nicht gibt. Zola ist nur eine von vielen angeblichen Frauen, die in Sozialen Netzwerken mit viel nackter Haut für die AfD oder rechte bis rechtsextreme Positionen werben – und für ihre eigenen Inhalte auf kostenpflichtigen Plattformen für Erotik-Inhalte. CORRECTIV.Faktencheck fand in einer Recherche für das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) rund 190 Profile von 22 angeblichen Frauen, die auf Tiktok, Instagram, Facebook und Threads Millionen erreichen. Was viele Nutzer nicht erkennen: Einige der Bilder und Videos sind mit Künstlicher Intelligenz bearbeitet, wenn nicht sogar komplett KI-generiert, aber größtenteils nicht als solche gekennzeichnet. Die Verantwortlichen hinter den KI-Personas nutzen damit Taktiken, die auf Social-Media-Plattformen eigentlich verboten sind. In dieser Recherche zeigen wir, wie damit eine Meinungsmaschine aufgebaut wird, nach welchem Schema die Inhalte funktionieren und welche Auswirkungen das auf die politische Debatte haben kann.  KI-Inhalte, Erotik-Plattformen und die AfD: Wie das „System Zola“ funktioniert Zola ist ein besonders erfolgreiches Beispiel für die Masche. Da ist vermeintlich eine junge Frau, die mal vor dem Spiegel posiert, mal knallharte rechte Sprüche oder Wahlaufrufe für die AfD teilt, dazwischen explizit sexualisierte Inhalte. Sie wird als Influencerin präsentiert, die AfD-Chefin Alice Weidel und den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke getroffen und Bundeskanzler Friedrich Merz zur Schau gestellt haben will. Auf Nachfrage schreibt zumindest das Büro von Merz, die Fotos mit ihm seien nicht echt, die AfD-Büros antworten nicht.

via correctiv: Schöne Lügen: Wie KI-Frauen im großen Stil Meinungsmache für die AfD betreiben

NSU-Morde und Rechtsextremismus – Neues Portal informiert über rechtsextreme Gewalt in Deutschland

Die Mordserie der Neonazi-Terrorgruppe NSU ist vielen noch im Bewusstsein. Andere Taten sind es hingegen kaum. Ein neues Online-Angebot bietet einen Überblick über rechtsextreme Gewalt.          Link kopiert Ein neues Online-Portal informiert über rechtsextreme Gewalt wie die NSU-Morde in Deutschland. Unter www.themenportal-rechtegewalt.de können Interessierte zu einschlägigen Gewalttaten seit 1945 recherchieren. Geplant ist ein weiterer Ausbau des digitalen Angebots, wie das Bundesarchiv am Montag mitteilte. Es zählt zusammen mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur zu den Trägern des Projekts. “Das Portal ‘Rechte Gewalt’ leistet einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Aufarbeitung in Deutschland sowie zur Sensibilisierung mit Blick auf fremdenfeindliche und rechtsextremistische Entwicklungen in der Gegenwart”, sagte der Präsident des Bundesarchivs, Michael Hollmann.

via stuttgarter nachrichten; NSU-Morde und Rechtsextremismus Neues Portal informiert über rechtsextreme Gewalt in Deutschland

https://www.archivportal-d.de/themenportale/rechte-gewalt

Angriff via Signal – Abgeordnete fallen auf digitalen Enkeltrick herein – #medienkompetenz

Abgeordnete aus dem Bundestag erhielten Phishing-Nachrichten, hinter denen die Bundesregierung Russland sieht. Auch Grüne und Linke sind betroffen. Vom Enkeltrick haben die meisten Menschen schon mal gehört, trotzdem funktioniert er, und Gauner erbeuten so jährlich Millionen. Ähnlich sieht es bei dieser digitalen Variante des Enkeltricks aus, also Phishing-Angriffen auf hochrangige Politikerinnen: Obwohl die Behörden seit Monaten vor Angriffen über die Messenger-App Signal warnen, sind offenbar zahlreiche Po­li­ti­ke­rin­nen in die Falle getappt, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Familienministerin Karin Prien (beide CDU) und Bauministerin Verena Hubertz (SPD). (…) Laut Spiegel gehen Sicherheitsbehörden von mehr als 300 Betroffenen aus. Unklar ist, ob diese Menschen lediglich eine Phishing-Nachricht bekommen haben oder ob sie auf die Masche hereingefallen und ihre Konten tatsächlich kompromittiert sind. SPD, Linke und Grüne sprachen demnach lediglich von „einigen wenigen Fällen“. (…) Deutsche und ausländische Sicherheitsdienste warnen seit Monaten vor der Phishing-Welle. Generalbundesanwalt Jens Rommel hatte bereits im Februar Ermittlungen eingeleitet. Darin geht es um den Anfangsverdacht der Spionage. Zu dieser Zeit hatten auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erstmals öffentlich vor den Angriffen gewarnt. Später veröffentlichten sie einen weiteren Sicherheitshinweis mit konkreten Handlungsanweisungen. Bei dem Angriff wurde keine Sicherheitslücke ausgenutzt, Signal ist ein sehr sicherer Messenger. Stattdessen setzten die An­grei­fe­rin­nen bei Phishing auf die Schwachstelle Mensch: Um Zugriff auf Adressbücher und Daten zu erhalten, verschicken die An­grei­fe­rin­nen getarnt als „Signal Support“ eine Nachricht mit der Aufforderung, eine PIN einzugeben beziehungsweise Links oder einen QR-Code anzusteuern. Wird dem Folge geleistet, können die An­grei­fe­r*in­nen nicht nur vorhandene Chats mitlesen, sondern sich auch unter falscher Identität in internen Chat-Gruppen bewegen.

via taz: Angriff via Signal Abgeordnete fallen auf digitalen Enkeltrick herein

Warning over ‘dangerous’ Irish branch of neo-Nazi group

New report claims extremist groups are operating under the guise of fitness clubs. Concerns have emerged over an Irish offshoot of the neo-Nazi “Active Club” network, which has been identified as being among several “increasingly dangerous” extremist/far-right groupings in Ireland. The Global Project Against Hate and Extremism (GPAHE) Ireland report, which has just been published, has identified 13 groupings in Ireland that it classifies as far right. The project tracks emerging trends, and analyses the ongoing risks posed by far-right mobilisation here. Its report profiles Comhaltas na nGaedheal (or “fellowship of the Gaels”), the Irish chapter of the network. The so-called Active Club movement is a decentralised, international network of far-right, neo-Nazi and white-supremacist groups that use combat sports such as mixed martial arts, and fitness programmes to recruit members and train them for potential violence. These groups often operate under the guise of fitness clubs, but they are designed to radicalise individuals and prepare them for what they view as an impending “race war”.

via independent: Warning over ‘dangerous’ Irish branch of neo-Nazi group

“RICHTIG DUMME LEUTE” – MAGA-Ikone Emily Hart ist KI-Müll eines Medizinstudenten aus Indien

Hauptsache Anti-Woke, gegen Abtreibungen und für Waffen: Ein junger Mann nahm tausende Dollar mit seiner Kreation ein und stellte die Trump-Bubble, aber auch deren Gegner bloß. Sie sieht ein bisschen aus wie Jennifer Lawrence, arbeitet aber als Krankenschwester. Sie ist blond und hat blaugrüne Augen. Die junge Frau posiert auch gerne in Bikinis mit der USA-Flagge. Emily Hart heißt sie. Aus ihrem Weltbild macht sie kein Geheminis: “Wenn du einen Grund suchst, mir nicht mehr zu folgen: Jesus ist König, Abtreibung ist Mord, und alle illegalen Einwanderer müssen abgeschoben werden”. Schnell wurde Emily zu einer Ikone der Make-America-Great-Again-Bewegung der Riege um Präsident Donald Trump. Doch nichts davon ist echt. Emily ist KI-generiert, ein Student aus Indien hat sie benutzt, um extrem konservative Männer abzuzocken. Sein Urteil: “Das sind richtig dumme Leute”. Die Geschichte geht so: Eigentlich sollte Sam gerade für seine Approbation als orthopädischer Chirurg lernen. Doch der 22-jährige Medizinstudent aus Nordindien hat ein Problem, das viele junge Talente in Schwellenländern teilen: Sein Traum von einer Karriere in den USA ist teuer. Seine Eltern unterstützen ihn zwar, wo es geht, aber das Geld reicht hinten und vorne nicht, wie Wired berichtet.(…) Sam sagt, er habe Gemini einige mögliche Ideen vorgelegt, um seine KI-generierten Frauen besser zu vermarkten. Der Chatbot fand die MAGA-Nische am vielversprechendsten. Diese sei ein “Cheat-Code” für raschen Erfolg. Außerdem, so Gemini: “Das konservative Publikum (insbesondere ältere Männer in den USA) verfügt oft über ein höheres verfügbares Einkommen und ist loyaler.” Also erschuf Sam im Jänner dieses Jahres Emily Hart und legte einen Instagram-Account (@emily_hart.nurse, mittlerweile gesperrt) für seine Kreation an. Sam postete Fotos auf denen sie beim Eisfischen zu sehen ist, Bier trinkt und auf dem Schießstand Gewehre abfeuert. Obwohl Sam nie in den Vereinigten Staaten gelebt hat, vertiefte er sich intensiv in die MAGA-Ideologie und kopierte deren Argumente. “Jeden Tag schrieb ich etwas, das sich für das Christentum, das Recht auf Waffenbesitz, den Schutz des Lebens, gegen Abtreibung, gegen den Woke-Trend und gegen Einwanderung aussprach”. Der Schwindel schien fast schon zu offensichtlich, doch zu Sams Erstaunen, so sagt er, “explodierte” der Account förmlich. Trump-Gegner potenzierten die Reichweite Diese Strategie funktionierte perfekt als sogenannter “Rage Bait”. Während Konservative die junge Frau als seltene Mitstreiterin feierten, sorgten empörte Gegner der MAGA-Bewegung in den Kommentaren für die nötige Interaktion, die den Algorithmus von Instagram befeuerte. Manche seiner Reels erreichten so bis zu zehn Millionen Aufrufe. Innerhalb eines Monats hatte Emily Hart mehr als 10.000 Instagram-Follower, von denen viele auch ihre von KI generierten Softcore-Inhalte auf dem OnlyFans-Konkurrenten Fanvue abonnierten. Sam begann T-Shirts von Emily zu verkaufen. Die Aufschrift: PTSD: Pretty Tired of Stupid Democrats. Sam verdiente damit einige tausend Dollar im Monat, mit einem Arbeitsaufwand von 30 bis 50 Minuten pro Tag. Zum Vergleich: Das Durschnittseinkommen beträgt in Indien etwa 300 Euro im Monat. “Richtig dumme Leute” Die gleiche Logik scheint jedoch nicht für Accounts linker Influencer zu gelten, wie Sam feststellte. Das liberale Pendant zu Emily funktioniert überhaupt nicht, weil es sofort als KI-Müll enttarnt wurde. Sams These: “Die MAGA-Anhängerschaft besteht aus dummen Leuten – also wirklich superdummen Leuten. Und die fallen darauf herein.”

via standard: “RICHTIG DUMME LEUTE” MAGA-Ikone Emily Hart ist KI-Müll eines Medizinstudenten aus Indien

siehe auch: This Scammer Used an AI-Generated MAGA Girl to Grift ‘Super Dumb’ Men A med student says he’s made thousands of dollars selling photos and videos of a young conservative woman he created using generative tools. He’s not alone. (…) Emily Hart is one of a slew of AI-generated hot girl MAGA influencers inundating social media, thanks to technologically savvy young men like Sam capitalizing both on pro-Trump sentiment and Americans’ relative lack of digital literacy. The influencers are created from a specific template: they tend to be white and blonde, with jobs as emergency responders. (A lot of them are cops, firefighters, or EMTs.) They also incorporate right-wing views into all of their content, railing about immigration or the Epstein files or pronouns while posing in American flag bikinis or MAGA hats—often both. MOST POPULAR POLITICS Palantir Employees Are Starting to Wonder if They’re the Bad Guys BY MAKENA KELLY ENVIRONMENT Scientists Gave Cocaine to Salmon and You Will Absolutely Believe What Happened Next BY MARTA MUSSO DIGITAL CULTURE This Scammer Used an AI-Generated MAGA Girl to Grift ‘Super Dumb’ Men BY EJ DICKSON BUSINESS Rednote Draws a Line Between China and the World BY ZEYI YANG Valerie Wirtschafter, a fellow at the Brookings Institution studying emerging tech and democracy, says while the trend of fake profiles isn’t new, “AI has made them more believable, and there has perhaps been an amplification of it.” Though many social media platforms, including Instagram, require creators to disclose if their content is AI-generated, such guidelines are enforced only in a slapdash fashion. (Emily’s posts were not labeled as AI-generated, and Sam says he was unable to monetize her account on Instagram itself.)

Dämonisierung – AfD warnt vor “Dragqueen-Sumpf”

Die AfD kultiviert weiter das Feindbild Dragqueen – in Zusammenarbeit mit ihrem inoffiziellen publizistischen Arm “Nius”. Die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag hat am Mittwoch in einer Pressemitteilung gefordert, Kinder vor dem “Dragqueen-Sumpf” und anderer “linker Propaganda” zu “schützen”. Anlass ist die Auszeichnung des Theaters Oberhausen mit dem Theaterpreis des Bundes, obwohl das Kulturhaus angeblich auch Dragqueenkurse für Kinder anbiete. Damit bezieht sich die Fraktion auf einen Artikel des mehrfach wegen unrichtiger Berichterstattung verurteilten Rechtsaußen-Magazins “Nius”. Das Portal von Julian Reichelt hatte in einem Artikel Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) attackiert, weil der von seinem Haus vergebene Theaterpreis an Einrichtungen verliehen worden sei, die sich “links bis linksradikal” positionierten. Als Beweis wurde etwa aufgeführt, dass das Oberhausener Theater “Drag-Schminkkurse auch für Kinder” anbiete. Dabei handelte es sich um einen der vielen Kurse des Hauses im Ruhrgebiet – konkret den kostenlosen “Workshop: Drag-Make-Up” mit Dragqueen Loreley Rivers am 12. April. Die Veranstaltung richtet sich dabei allerdings nicht direkt an Kinder. Vielmehr hatte “Nius” eigenen Angaben zufolge unter falschem Namen angefragt, ob man seinen Sohn zu dem Kurs mitbringen könne. Die Antwort des Theaters: “Grundsätzlich kannst Du natürlich auch immer Deinen Sohn mitnehmen. (Es sei denn, er ist noch sehr, sehr klein, dann müsste man gucken, aber sonst spricht nichts dagegen).” “Staatliche Förderung für LGBTIQ-Projekte ist unverzüglich einzustellen” Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Bessin empörte sich kurz nach Erscheinen des Berichtes: “Nach dem Kinderporno-Skandal um die sogenannte Dragqueen Jurassica Parka ist es erschreckend, dass sich die Dragqueen-Schminkkurse eines mit Steuergeld ausgezeichneten Theaters explizit auch an Kinder richten. Offenbar hat man nichts aus dem Parka-Skandal gelernt”, so die 48-Jährige. “Für die AfD-Fraktion ist klar: Unsere Kinder müssen vor dem Dragqueen-Sumpf geschützt werden – und vor jeglicher linker Propaganda. Staatliche Förderung für LGBTIQ-Projekte ist unverzüglich einzustellen.” Die Forderung ist nicht neu: Bereits vor neun Jahren hatte Bessin als brandenburgische Landtagsabgeordnete die Streichung aller Gelder für queere Organisationen gefordert (queer.de berichtete).

via queer: Dämonisierung AfD warnt vor “Dragqueen-Sumpf”

Rechte Aktivisten im Rettungsteam für Buckelwal: Die falschen Walflüsterer – #hope #timmy

Im Team der Initiative, die den kranken Buckelwal Timmy retten will, gibt es Streit. Und es gibt Freiwillige mit einer fragwürdigen politischen Agenda. Gegen den ausdrücklichen Rat von Experten versucht eine private Initiative seit Tagen, den sterbenden Buckelwal Timmy zurück in die Nordsee zu leiten. Bislang erfolglos. Nun kommt heraus: Innerhalb des Teams ist es zu massiven Spannungen gekommen. In der Kritik steht unter anderem der Aktivist Danny Hilse. Eine aus dem Projekt ausgestiegene Tierärztin wirft ihm Inkompetenz und Selbstdarstellerei vor, bezeichnet ihn als einen von mehreren „lächerlichen Menschen in diesem Team, die da auf keinen Fall reingehören“. Optisch fällt Hilse vor allem durch seine Gesichtstätowierung auf. In einem Instagram-Video stellt er klar, dass er seit Oktober 2024 kein Mitglied des Rockerklubs Hells Angels mehr sei. Mehrfach warb Hilse für die AfD, posierte unter anderem vor einem Wahlkampfstand der Partei mit AfD-Mütze. Außerdem rief er zu Demonstrationen der Gruppe „Gemeinsam für Deutschland!“ auf und fungierte nach eigener Aussage als Organisator einer solchen Kundgebung. „Gemeinsam für Deutschland!“ gilt als Bündnis aus Querdenkern, Rechten und eindeutig Rechtsextremen. Zum inneren Kreis der Walretter gehört zudem der Aktivist Jens Schulz, der auf Facebook offen rassistische Parolen verbreitet. Im Berliner Stadtteil Gesundbrunnen wohnten „nur noch die Ölaugen“, schrieb er etwa im Juli vergangenen Jahres. Die Menschen in der Ukraine bezeichnete er als „betrügendes und bettelndes Volk“ und fragte, mit welchem Recht die deutsche Regierung „den ukrainischen Schmarotzern“ Geld gebe. Zu einer Kritik am Vorgehen Israels in Gaza schrieb Schulz: „Und dann wundern sich die Juden, dass sie überall verhasst sind!“ (…) Immer wieder verbreitete Schulz im Netz auch Werbung für die AfD, unter anderem einen Aufruf, Mitglied der Partei zu werden. Zu einer Nachricht, laut der deutsche Behörden den Abschuss von Graugänsen genehmigten, schrieb Schulz: „Wir passen uns tatsächlich unseren muslimischen Neubürgern an und werden genauso barbarisch und empathielos.“

via taz: Rechte Aktivisten im Rettungsteam für Buckelwal: Die falschen Walflüsterer

siehe auch: Nannte Kanzler Merz „Schwuchtel“ AfD-nah, pro-russisch und gehässig: Der Mann hinter der Rettung von Wal „Timmy“. Im Team der Initiative, die den Buckelwal Timmy in der Ostsee retten will, gibt es Streit. Und ausgerechnet der Hauptverantwortliche vor Ort fällt jetzt mit einer fragwürdigen politischen Agenda auf. Ganz Deutschland verfolgt das Schicksal von Wal Timmy, der vor der Insel Poel gestrandet ist. Während Experten sagen, es sei das Beste, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, setzt eine private Initiative alles daran, ihn ins offene Meer zu bringen. Ohnehin rumort es gewaltig in dem Team. Und nun gibt es schwere Vorwürfe gegen den Mann, der die Aktion initiiert und koordiniert: Er nennt Bundeskanzler Friedrich Merz eine „Schwuchtel“, den ukrainischen Präsidenten Selenskyj einen „Verbrecher“. Muslime sind für ihn „lebender Müll“. Wir haben ihn gefragt, was das soll. Die Rede ist von Jens Schulz, der von sich selbst sagt, er sei „Digital Creator“ von Beruf. Er lebt und arbeitet in Berlin. Wer sich seinen Facebook-Auftritt anschaut, gewinnt zunächst den Eindruck, dass hier einer mit besonders großem Herzen für Tiere unterwegs ist. Leute, die sich dafür aussprechen, Wölfe wieder zu jagen, nennt er „hochgradig gestört“. Er empört sich regelmäßig über Tierquälerei, hilft bei der Suche nach vermissten Hunden und unterstützt Tierschutzkampagnen. Beim Thema Tierleid zeigt dieser Mann sichtbar Empörung, oft auch Mitgefühl. Doch das ist nur die eine Seite. Denn auf demselben Facebook-Account hetzt er gegen Migranten und Muslime, verbreitet AfD-nahe sowie pro-russische Inhalte. Über ein Video mit muslimischen Männern schreibt Schulz: „Schaut Euch dieses muslimische Pack an. Wilde, denen man Klamotten gegeben hat. Lebender Müll.“ In einem anderen Beitrag wettert er über „faule Ausländer“, die hier Geld bekämen, während die Deutschen immer mehr arbeiten sollten. Über Afghanen schreibt er, Deutschland habe schon genug von diesen „Bettlern“, täglich gebe es „Morde, Vergewaltigungen und Überfälle“, und fragt dann: „Wann ist endlich damit Schluss?“ Auch die Nähe zur AfD springt ins Auge. Unter einen Beitrag zur Facebook-Gruppe „Freunde der AfD“ setzt Schulz zwei knappe Worte: „Ich auch“. Dazu kommen zahlreiche Posts, die direkt aus jenem politischen Milieu stammen könnten, in dem Deutschland ständig von Linken, Eliten, Medien und Fremden bedroht erscheint. Da ist vom „eigenen Volk“ die Rede, das verraten werde. Da wird behauptet, freie Meinungsäußerung sei faktisch abgeschafft. Zur Begründung führt er an, kritische Kommentare würden mit Hausdurchsuchungen und Anzeigen verfolgt, es gebe Berufsverbote für Lehrer, Polizisten und Soldaten, die Mitglieder der AfD sind. Noch drastischer wird es beim Blick auf Schulz’ Haltung zur Ukraine. Den ukrainischen Präsidenten nennt Schulz wiederholt einen „Verbrecher“, einen „Schmarotzer“, einen „Wicht“. Einmal schreibt er: „Ich kann wirklich nur hoffen, dass Putin bald Selenskyj diesen Verbrecher zur Strecke bringt.“ Friedrich Merz ist für Schulz ein „Berufslügner“, ein „zahnloser alter Tiger“, in einem anderen Post eine „Schwuchtel“. Zugleich zeigt Schulz offen, dass er ein Fan von Viktor Orbán ist, des langjährigen ungarischen Regierungschefs, der in Europa seit Jahren für einen autoritären, nationalkonservativen Kurs steht. Selbst vor dem Staatsoberhaupt macht Schulz nicht halt. Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier öffentlich dazu aufruft, die Demokratie zu verteidigen, unterstellt ihm Schulz, er habe „offenbar vergessen“, dass er in diesem Amt neutral sein müsse. Genau das macht das Wirken von Jens Schulz in dieser Geschichte so brisant. Er ist nicht bloß irgendein Wutbürger im Netz. Er steht in der ersten Reihe einer Initiative, die bundesweit Aufmerksamkeit bekommt und moralisch hoch aufgeladen ist. Der Wal ist längst nicht mehr nur ein gestrandeter Meeressäuger. Er wird zur Projektionsfläche für Wut auf Behörden, Misstrauen gegen Fachleute, Verachtung staatlicher Strukturen und die Sehnsucht nach der großen, beherzten Tat. Hier die mutigen Bürger mit Herz, dort der kalte Staat – diese Erzählung verfängt sofort. Schulz selbst teilt einen Satz, der dazu perfekt passt: „Wenn das Volk aufsteht, wird die Macht nervös.“