Immer wieder hatte die Sängerin Nena in den vergangenen Monaten ihre Sympathien für die „Querdenken“-Bewegung zum Ausdruck gebracht, am Wochenende sogar an einer Party der radikalen Corona-Leugner-Szene teilgenommen. Jetzt zieht ein weiterer Konzertveranstalter die Konsequenzen. Ein für Donnerstag in Bayern geplantes Konzert wurde kurzfristig abgesagt. Ein Konzert der Sängerin Nena in Oberbayern ist wegen der Diskussionen um ihre Haltung zu Corona-Regeln vom Veranstalter abgesagt worden. Das für den 19. August in Tüßling (Landkreis Altötting) geplante Konzert finde nicht statt, gab COFO Entertainment auf seiner Webseite bekannt. Zuvor war bekannt geworden, dass die Sängerin am Wochenende an einer Party der radikalen Corona-Leugner-Szene am Katzenbachsee in Baden-Württemberg teilgenommen hatte – zusammen mit zahlreichen Verschwörungsideologen, einigen „Reichsbürgern“ und Anhängern der sogenannten Qanon-Verschwörung.
Sängerin #Nena sollte eigentlich ein Konzert im Landkreis #Altötting halten – der Veranstalter hat es nun kurzfristig abgesagt. Grund seien Diskussionen um Nenas Haltung zu #Corona-Maßnahmen. https://t.co/HphHEqvbP8
Nena hat kürzlich mit Aussagen über die Corona-Hygienevorschriften auf einem Konzert für Diskussionen gesorgt. Dazu äußert sich nun Musikerkollege Heinz Rudolf Kunze – er „verurteile das aufs Allerschärfste“. Auch für Helge Schneider, der ein Strandkorbkonzert abgebrochen hat, hat er kein Verständnis und fordert mehr Dankbarkeit und Demut. Der Sänger und Songschreiber Heinz Rudolf Kunze hat seine Musikerkollegin Nena dafür kritisiert, kürzlich bei einem Konzert in Berlin das Hygienekonzept des Veranstalters bewusst missachtet zu haben. „Ich verurteile das aufs Allerschärfste“, sagt er im Podcast „Bosbach & Rach – die Wochentester“ von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Wenn Nena ihre eigenen Konzerte riskieren wolle, sei das ihre Sache. „Sie hat vermutlich Geld genug, um sich das leisten zu können. Aber durch ihr unverantwortliches und blindes Verhalten gefährdet sie nicht nur ihre eigenen Konzerte, sondern die Konzerte von uns allen“, so der Sänger. Nena hatte mit einem Auftritt im brandenburgischen Schönefeld in der Nähe des Flughafens BER Diskussionen ausgelöst. Das Open-Air-Konzert wurde vor einer möglichen Zugabe beendet – laut einem Bericht des „Tagesspiegels“ und mehrerer Videos bei Twitter hatte sich die Musikerin zuvor kritisch über die Hygienevorschriften geäußert. Nach der Kritik an Nena geht Kunze im „Wochentester“-Podcast auch auf seinen Kollegen Helge Schneider ein, der ein Strandkorbkonzert abgebrochen hatte, weil er genervt von den herumlaufenden Gastronomiemitarbeitern war. „Es ist Helges Sache, wenn er mit den Umständen nicht zufrieden ist und sie ihm nicht behagen“, meint Kunze, fügt dann aber hinzu: „Ich habe auch Autokinokonzerte gespielt, ohne mich darüber zu mokieren, dass die Leute da hinter Blech sitzen. Ich freue mich, wenn die Scheinwerfer blinken und die Scheibenwischer sich bewegen. Und wenn die Hupen gehen als Zeichen von Applaus. Das alles ist doch besser als gar nichts.“
Bei ihrem Open-Air-Konzert in Berlin ruft Nena ihre Fans dazu auf, das Hygienekonzept zu missachten. Vor der Zugabe bricht der Veranstalter den Auftritt ab. (…) Im Niemandsland hinter dem unbenutzten Terminal 5 haben die Veranstalter der Konzert-Reihe „Unter Freiem Himmel“ aus 15.000 Coca-Cola Kisten so genannte „Boxen“ in das Zuschauerareal gebaut, als Platzmarkierungen. Man ist stolz auf das Hygienekonzept, das, wie es auf der Homepage heißt, „jedem seinen eigenen kleinen VIP-Bereich, seine eigene Box und ausreichend Platz an der frischen Luft“ garantiert. (…) „Holt euch eure Freiheit zurück“, sagt Nena vor dem Song, „Nur geträumt“, ein Golden Oldie, der – wie sich zeigen wird – erste musikalische und dramatische Höhepunkt des Abends. Denn Nena bittet die Fans, nach vorne zu kommen, mit ihr zu feiern. Die Fans kommen. Das sollen sie aber nicht, die Ordner:innen schicken sie zurück in die „Boxen“, von wegen „ausreichend Platz an der frischen Luft“ – die Einhaltung des Hygienekonzepts ist Voraussetzung dafür, dass dieses, dass andere Konzerte stattfinden dürfen. Dass in einer Zeit, in der sich die Covid-Delta-Variante auch bei Freiluftveranstaltungen (siehe Sportevents) wie bekloppt ausbreitet, größtmöglicher Schutz vor Ansteckung herrscht. Sie spielt eine lange Version von “Leuchtturm” Nena fordert nichtsdestotrotz weiter alle auf, sich ihr zu nähern, die Fans kommen wieder nach vorne, dichtgedrängt. Als Konsequenz bekommt Nena Ansagen vom Veranstalter: „Mir wird hier gedroht, dass sie die Show abbrechen“, sagt sie, „weil ihr nicht in eure Boxen geht“. Die Menschen vorne buhen. „Ich überlasse es in eurer Verantwortung, ob ihr das tut oder nicht, das darf jeder frei entscheiden. Genauso wie sich jeder frei entscheiden kann, ob er sich impfen lässt oder nicht!“ Ein Teil des Publikums jubelt. Nena ist auf Krawall gebürstet. Sie unterläuft das Veranstaltungskonzept, verhält sich, als ob sie die Hygieneregeln, die sie mit der Zustimmung zu ihrem Auftritt angenommen hat, nicht beachten muss, als ob auch die Gäste nicht beachten müssen, wozu sie – ob sie es nun sinnvoll finden oder nicht – mit dem Zutritt auf das Gelände eingewilligt haben. (…) Vor der Bühne ist es wieder eng, alle feiern, umarmen sich, keine:r achtet auf die Ordner:innen, Nena feuert sie an. Es wird dunkel, das macht es noch schwerer, den Überblick zu behalten. Nena spielt „99 Luftballons“, kleine und große Ballons hüpfen über Bühne und Zuschauerraum: Der klassische Höhe- und Abschlusspunkt eines Nena-Konzerts. Eigentlich käme jetzt der Moment, an dem wir von der Bühne gehen, sagt Nena, und ihr uns wieder herausruft. Doch das passiert nicht. Denn der Veranstalter bricht das Konzert ab – wohlgemerkt nach dem regulären Set, nachdem er lange versucht hat, auf die Vernunft der Gäste zu setzen, und alle Augen zugedrückt hat
siehe auch: Nena-Konzert abgebrochen – Liebäugelei mit den Querdenkern. Bei einem Nena-Konzert bei* Berlin kam es zum Eklat: Die Sängerin ermutigte** Fans, Hygieneregeln zu ignorieren. „Tragisch“ findet der Journalist Christian Schiffer, dass Nena ihre Beliebtheit nicht besser nutzt – etwa, um für Coronaimpfungen zu werben. Ein Konzert der Popsängerin Nena ist am Sonntag nach Abschluss des Hauptprogramms beendet worden.*** (…) Den Journalisten Christian Schiffer indes überrascht Nenas Reaktion „überhaupt nicht“. Die Nerven vieler Künstler lägen derzeit blank. Zugleich werde seitens der Veranstalter viel ausprobiert, damit Konzerte stattfinden könnten. Und speziell über Nena sagt Schiffer: Die Sängerin stehe zwar „noch lange nicht da, wo Xavier Naidoo ist“, dennoch habe sie immer wieder an der Querdenkerbewegung „geborderlined“. Nena stamme aus einem Milieu mit einem gewissen Hang zur Esoterik, das offenbar sehr empfänglich für manche Ideen von Impfgegnern und Querdenkern sei. Auch die Kulturjournalistin Jenni Zylka, die das Nena-Konzert besucht hat, äußert sich ähnlich
Stück für Stück kommen Rechtsrock-Live-Events zurück aus dem Corona-Dornröschenschlaf. Für alle Metal-Anhänger von Pagan bis Satanismus, von Gewaltverherrlichung hin zu Hassmusik und bis zum National-Sozialistischen Black Metal (NSBM) bot das traditionelle Eternal Hate Fest im tschechischen Nyrsko am vergangenen Wochenende eine internationale Performance, die einmal mehr auch deutsche Fans anlockte. Auch die 18. Auflage des im Vorjahr wegen Corona abgesagten Festivals gleich hinter der deutschen Grenze kokettierte wieder mit dem programmatisch stramm rechten NSBM-Stil. Dazu passte dann der Headliner-Auftritt von „Der Tod und die Landsknechte“, ein erstmals 2019 kreiertes Projekt von Ronald Wolf Möbus (zeitweise Mitglied der in der NSBM-Szene heroisierten Band „Absurd“) und dem im Raum Zwickau umtriebigen Paul M., besser bekannt als „Bile“, aktiv bei den rechtsextremen Bands „Leichenzug“, „Blitzkrieg“, „Halgadom“ und „Camulos“. Mit zum diesjährigen Eternal Hate-Line-Up gehörten auch „Infernal War“ aus Polen, die sich früher „Infernal SS“ nannten und 2014 beim Hot Shower-Festival in Norditalien zum NSBM-Programm gehörten. Und aus Polen in Nyrsko ebenfalls am Start: „Deus Mortem“. (…) Zu den deutschen Nyrsko-Stammbesuchern zählen auch die Mitglieder der selbst ernannten Germanitas Othala Schwarzmetall-Bruderschaft (GOSB), die es seit 2014 gibt und die ganz im Stile eines Rocker-Dresscodes Kutten mit diversen Patches tragen. Die kleine GOSB-Reisegruppe hat das Eternal Hate Fest dazu genutzt, das eigene mehrtägige Jahrestreffen damit zu verknüpfen. (…) Dazu wie selbstverständlich integriert ins Reiseprogramm von GOSB: Ein Besuch auf einem Schießübungsplatz.
Die Hammerskins sind eine der ältesten und beständigsten Neonazi-Organisationen in Deutschland. Das seit über 30 Jahren bestehende Netzwerk versteht sich als eine „Bruderschaft“ und „Elite“ der Neonazi-Szene. Ihre straffe Organisation ist Teil einer international eingeschworenen Gemeinschaft, die sich «Hammerskin Nation» (HSN) nennt und von Europa in die USA bis nach Neuseeland reicht. Ihr Wirkungsbereich ist umfassend, ihre Mitglieder sind treibende Kräfte innerhalb der militanten Neonazi-Szene Die Hammerskins stehen selten im medialen Fokus. Dies liegt unter anderem daran, dass die selbsternannten „Brüder“ kein Interesse an Aufmerksamkeit haben. Im Gegenteil, ihr Verhalten ist äußerst konspirativ, die Struktur abgeschottet und klandestin. Unter öffentlicher Beobachtung zu stehen bedeutet eine mögliche Einschränkung ihrer Handlungsspielräume: Profit und Politik durch RechtsRock, Vorbereitung auf „Tag X“, Schießtraining im In- und Ausland und die Durchsetzung ihrer politischen Ziele mit all ihren Konsequenzen bis hin zu rechten Terroranschlägen. 2012 erschoss ein Hammerskin in den USA sechs Menschen, weitere wurden schwer verletzt. 2020 starb einer der Betroffenen an den Folgeschäden des Anschlags. Der Attentäter unterhielt enge Kontakte nach Deutschland. Staatliche Institutionen, die sich auf die Fahne schreiben, das „Frühwarnsystem der Demokratie“ zu sein, verharmlosen seit 30 Jahren diese Struktur. Auch, um etliche ihrer V-Leute – von denen bereits eine Handvoll aufgeflogen sind – zu schützen.
Das Neonazi-Netzwerk der “Hammerskins” prägt das Geschäft mit rechtsextremer Musik. Auch in Thüringen sind mittlerweile Musikversandunternehmen aus dem nahen Umfeld des rechtsextremen Geheimbunds ansässig. Ein Soziologe vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena spricht von “tickenden Zeitbomben”. Das internationale Neonazi-Netzwerk der “Hammerskins” nutzt Thüringen als Rückzugsraum und Geschäftsfeld. Nach MDR-Recherchen sind mittlerweile mindestens drei rechtsextreme Musikversandunternehmen aus dem nahen Umfeld des konspirativen Neonazi-Geheimbunds in Thüringen ansässig. Die drei Szenegeschäfte wurden bereits Ende 2019 von dem niedersächsischen Rechtsextremisten Nils B. mit einer Postfachadresse in Artern im Kyffhäuserkreis angemeldet. B. soll zum Vertrauenskreis der “Hammerskins” gehören und im rechtsextremen Kampfsportnetzwerk “Kampf der Nibelungen” aktiv sein. Bei einer Stör-Aktion im Eisenacher Stadtrat Anfang des Jahres war B. mit weiteren Neonazis auf der Besucher-Tribüne anwesend. Katharina König-Preuss, Landtagsabgeordnete der Partei Die Linke im Thüringer Landtag, warnte schon damals vor einer Gefahr durch den Zuzug von Neonazis aus dem Umfeld des rechtsextremen Netzwerks nach Thüringen. König-Preuss beklagt: “Feststellbar ist, dass Neonazis in Thüringen – weitgehend ungehindert – Stück für Stück ihre braune Wohlfühlzone ausweiten können. Auf den Umzug eines bekannten “Hammerskins” nach Thüringen werden auch entsprechende Aktivitäten folgen.” Der Thüringer Verfassungsschutzchef Stefan Kramer sagte dem MDR, man sehe es mit großer Sorge, “wenn insbesondere bundesweit schon aktive Persönlichkeiten aus der rechtsextremistischen Szene und hier auch aus der “Hammerskin”-Szene und aus den subkulturellen Kameradschaftskreisen dann ihre Lebensmittelpunkte nach Thüringen verlegen, teilweise auch mit Versandgeschäften, die sie mitbringen, die auch schon seit Längerem etabliert sind.”
Mit 96 Jahren starb die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano. Eine bedeutende Zeitzeugin ist verstummt – und eine Stimme der Aufklärung und Toleranz, die fehlen wird. “Wir leben ewig, es brennt die Welt”, sang die kleine, grauhaarige Frau zu ihrem 95. Geburtstag. “Wir leben ewig, in jeder Stunde, wir wollen leben und erleben, schlechte Zeiten überleben.” Ein Video von ihrem Auftritt aus dem Internet zeigt, mit wie viel Verve, mit welcher Ausstrahlung Esther Bejarano auf der Bühne stand. Sie trat regelmäßig mit den Rappern der “Microphone Mafia” aus Köln auf, bereicherte das Programm von Stars wie die Show von Konstantin Wecker 2012 auf der Parkbühne in Hamburg und machte mit ihrem Sohn Joram und ihrer Tochter Edna als Gruppe “Coincidence” Musik. Sie sang auf Deutsch, Jiddisch und Hebräisch, sie sang Lieder der Sinti und Roma, Lieder der Kommunisten, Lieder von Widerstand, Befreiung und vom Überleben. “Mir lebn eybik, mir zenen do” – “Wir leben ewig, wir sind da!” So endet das Lied, das Lejb Rosenthal 1943 im Ghetto schrieb. Esther Bejarano hebt in dem Video zum Schluss die Arme hoch, mit geballten Fäusten. Was für ein Zeichen. Was für ein Triumph über die Nationalsozialisten, Antisemiten, Menschenhasser und Völkermörder. Bejarano hat ihnen getrotzt. Bereits als Jugendliche sollte sie sterben. Die Deutschen hatten sie in ihre Vernichtungslager gesperrt. Aber sie überlebte den Holocaust. Sie lernte, zu kämpfen, widerständig zu sein, unangepasst. Das war sie bis zum Schluss. Bis zum Ende ihres Lebens trat sie für Toleranz ein. Bejarano kämpfte gegen das Vergessen, sie war eine der wichtigsten Zeitzeuginnen für die Verbrechen im sogenannten “Dritten Reich”. (…) Am 10. Juli 2021 verstummte ihre mahnende Stimme. Esther Bejarano starb in Hamburg. In den 96 Jahren, in denen sie auf dieser Welt war, wiederfuhr ihr so viel, dass die schlimmen und schönen Erfahrungen für viele Leben zu reichen scheinen. (…) Bevor sie die Häftlingskleidung ausgehändigt bekam, musste sie sich wie die anderen jungen Frauen vor SS-Männern ausziehen. Sie wurde von Häftlingen rasiert und bekam die Nummer 41948 in den linken Arm tätowiert. “Um Gottes willen”, dachte die Jugendliche damals, die erst 18 Jahre alt war, “wenn das eine Registriernummer ist, wo sind die denn alle?” Bejarano fragte sich, wo sie bloß gelandet sei. Bald schon kannte sie die Antwort: In Auschwitz sieht sie zahllose Menschen sterben, sie erlebt, wie Wachhunde der SS Häftlinge zerfleischen, wie Gefangene in Elektrozäune laufen, um dem Leid zu entkommen. In den Krematorien werden tausende Opfer des Rassenwahns verbrannt, die Asche rieselt auf das Lager hinab. Bejarano muss zunächst Steine schleppen, schwere Brocken, von einer Seite eines Feldes zur anderen. Am nächsten Tag muss ihre Kolonne die Steine wieder auf die andere Seite tragen. Immer hin und her. Arbeit für nichts, wie sie sich später erinnert. “Vernichtung durch Arbeit” nennt die SS das. (…) In Eimsbüttel betrieb sie eine kleine Boutique. 1970 bauten NPD-Anhänger vor ihrem Laden einen Informationstisch auf und verteilten ihr Propagandamaterial. Polizisten schützten die Neonazis dann vor linken Demonstranten. Als einer der Rechtsradikalen die Beamten aufforderte, die KZ-Überlebende festzunehmen, weil in Auschwitz nur Verbrecher gewesen sein, beschloss Bejarano ihr Schweigen zu brechen. “Es ist meine Rache, dass ich an die Schule gehe”, sagte sie viele Jahrzehnte später vor einer TV-Kamera, “dass ich erzähle, was damals geschah. Damit nie wieder so etwas passieren kann.” Seitdem berichtete sie über die Hölle von Auschwitz, über die Folgen von Judenhass und Rechtsextremismus. 1986 gründete Bejarano mit einigen Mitstreitern das Auschwitz-Komitee für die Bundesrepublik Deutschland, das Veranstaltungen gegen das Vergessen, Bildungsreisen zu Gedenkstätten und Vorträge organisiert. Sie mischte sich auch stets in aktuelle politische Debatten ein. So bezeichnete sie den Umgang mit den Lampedusa-Flüchtlingen in Hamburg als “Schande für die Stadt”. Sie prangerte auch die europäische Asylpolitik an. Vor allem aber besorgte sie ein Rechtsruck, den sie in der deutschen Politik und in der Gesellschaft wahrnahm. Esther Bejarano forderte die Nachgeborenen auf, sich dem rechtsradikalen Gedankengut entgegenzustemmen. Niemand dürfe schweigen, angesichts menschenhassender Rhetorik und Taten. Sie selbst hat ein halbes Jahrhundert lang die Stimme erhoben. “Wir leben ewig, wir sind da!”
siehe auch: Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano gestorben. Zum Tod Esther Bejaranos betonte in Berlin Christoph Heubner, der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees: “Auschwitz-Überlebende in aller Welt beklagen den Tod ihrer wunderbaren Freundin, Leidensgenossin und Weggefährtin, der großen Zeitzeugin Esther Bejarano, die in ihrem 97. Lebensjahr in Hamburg gestorben ist und über viele Jahre im Internationalen Auschwitz Komitee engagiert war. Esther Bejarano hatte Auschwitz als Mitglied des Mädchen-Orchesters überlebt. Das, was sie im Lager gesehen hatte, trieb sie ihr ganzes Leben immer wieder zu den Menschen hin: In ihren späteren Jahren fand sie vielfältige künstlerische Wege, von diesem Ort des Todes zu erzählen und die , die dort ermordet worden waren vor dem Vergessen zu bewahren. Esther Bejarano ist so eine der legendärsten Zeitzeuginnen von Auschwitz geworden, denen die Überlebenden von Auschwitz zutiefst dankbar sind. Ihre Gabe, Menschen für die Bewahrung der Erinnerung zu gewinnen war ebenso legendär wie ihr Zorn über die Dummheit des Rechtsextremismus und den überall hervorbrechenden Antisemitismus, der sie zutiefst verstörte. Haß jedoch war ihr nie eine Option: Sie vertraute auf das das Leben und auf ihre Mitmenschen -trotz ihres Zorns und ihrem realistischen Blicks auf die Welt. Besonders junge Menschen hat Esther Bejarano immer wieder angesprochen und die waren fasziniert und herausgefordert von dem Mut dieser kleinen großen Persönlichkeit, die auf der Bühne vor ihnen stand und sie bat, Verantwortung für sich selbst und ihre Zukunft zu übernehmen. Mit Esther Bejaranos Tod ist die Welt ein Stück dunkler geworden, obwohl uns gerade dieser eine Mensch soviel Licht geschenkt hat. Wir werden sie in diesen Tagen des anwachsenden Rechtsextremismus schmerzlich vermissen.”; Holocaust-Überlebende Esther Bejarano ist tot. Im Alter von 96 Jahren ist die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano gestorben. Die Wahl-Hamburgerin galt als wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano ist tot. Das teilte der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel, am Samstag mit. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) würdigte sie als “wichtige Stimme im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus”. “Die wundervolle Esther Bejarano überzeugte mit ihrer Lebenskraft und unglaublichen Geschichte”, schrieb Maas auf Twitter. “Ihre Stimme wird uns fehlen.” (…) Für ein Dossier hat der WDR ein langes Interview mit Esther Bejarano geführt. Hier können Sie die einzelnen Sequenzen dazu noch einmal ansehen
Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano ist im Alter von 96 Jahren in ihrer Wahlheimat Hamburg gestorben. Das bestätigte der Vorstand des Auschwitz Komitees. Sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, gegen das Vergessen des Holocaust zu arbeiten. https://t.co/INh50wjUHipic.twitter.com/qbQ4lBtO31