Debatte um Asyl und Migration : Moralischer Kontrollverlust

Union und Ampel bilden eine Antimigrations-Einheitsfront. Damit machen sie rechtsextreme Positionen anschlussfähig. (…) Die Ampel will die Leistungen für Flüchtlinge, die in andere EU-Staaten zurück sollen – anders als vielfach berichtet – nicht auf „Bett, Brot, Seife“ drücken, sondern streichen – das Gesetz dazu wird derzeit beraten. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) verspricht „massive Zurückweisungen“ an den deutschen Grenzen, durchgesetzt mit grenznahen Schnellverfahren. CDU-Chef Friedrich Merz knallte die Tür beim „Migrationsgipfel“ zu. Und sein Fraktionsgeschäftsführer Thorsten Frei bekräftigte bei Markus Lanz, „alle“ Mi­gra­tion müsse reduziert werden, nicht nur die irreguläre. Bisher hieß es, die „geordnete“ Mi­gra­tion sei im Land willkommen. Aber das war gestern. Heute gilt: Es kann nicht mehr scharf genug sein. Die AfD konnte da nur noch den Aufbau einer privatwirtschaftlichen „Abschiebeindustrie“ fordern. Dass die anderen Parteien dies aufgreifen, ist womöglich nur eine Frage der Zeit. Es ist eine mächtige Eruption des migrationsfeindlichen Grundrauschens in der deutschen Gesellschaft, das zyklen­haft an die Oberfläche tritt und erkennbar an Kraft gewinnt. Protagonisten der Pogrome der frühen 1990er bauten in den folgenden Jahrzehnten rechtsextreme Strukturen im Osten auf. 2010 gab Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ dem neurechten Bürgertum einen Wachstumsschub. Die Pegida-Mobilisierungen und später die von rechts vereinnahmten Coronaproteste ließen elitenfeindliche Milieus anschwellen. Die AfD kanalisierte und radikalisierte all dies, vor allem dank eines Ökosystems reichweitenstarker rechter Social-Media-Kanäle. So kann die AfD heute Konservative und Ampel-Parteien in eine Antimigrations-Einheitsfront drängen. Aufweichung rechtsstaatlich-moralischer Standards Deren Taktgeber im bürgerlichen Lager ist eine Union, die zunehmend Tea-Party-hafte, populistische Züge zeigt und deren bisherige rechtsstaatlich-moralische Standards aufweichen. Die Union verliert dabei aus dem Blick, dass Konservative Rechtsextreme nicht rechts schlagen können. Die Forschung hat klar belegt, dass viele Menschen heute aus Überzeugung rechtsextrem wählen und mit mehr Härte gegen Zuwanderung nicht zurückzuholen sind. Wer permanent Migration als Pro­blem benennt, macht rechtsextreme Positionen weiter anschlussfähig und vergrößert das AfD-Wählerpotenzial – wie in Frankreich, den Niederlanden oder Österreich zu sehen ist. In Dänemark, das als Vorzeigemodell harter Migrationspolitik gepriesen wird, ging die Schwächung der rechts­ex­tre­men Dänischen Volkspartei mit der Entstehung der heute größeren Rechtspartei Danmarksdemokraterne (Dänemark Demokraten) einher.

via taz: Debatte um Asyl und Migration :Moralischer Kontrollverlust

Studie zu KI-Dialogen Wie ChatGPT Verschwörungstheoretiker von ihrem Glauben abbrachte

Was hilft gegen Verschwörungsmythen? Fakten und Freundlichkeit, zeigt eine ChatGPT-Studie. Die Künstliche Intelligenz hat demnach erstaunlich überzeugend argumentiert. (…) Fachleute erforschen seit Langem, wie es gelingen kann, Verschwörungserzählungen zu entlarven. Nun legt eine Studie nahe, dass KI-Chatbots dabei helfen könnten. »Wir haben uns gefragt, ob es möglich ist, dass den Menschen einfach keine überzeugenden Beweise vorgelegt wurden, die ihre Theorien widerlegen«, sagte Letztautor David Rand von der MIT Sloan School of Management in Massachusetts. Bräuchte es einfach nur personalisierte Argumente, um Verschwörungstheoretiker von ihrer Überzeugung abzubringen? Um das zu untersuchen, hat das Team mehr als 2000 Probandinnen und Probanden getestet. Sie sollten dem Chatbot ChatGPT-4 Turbo eine Verschwörungstheorie erzählen, an die sie glaubten, und welche angeblichen Beweise in ihren Augen für die Theorie sprachen. Dabei ging es etwa um die Ermordung von John F. Kennedy, Verschwörungen im Kontext der Coronapandemie oder der US-Präsidentschaftswahl 2020. Teilweise war der Glaube an die Inhalte bei den Teilnehmenden tief verwurzelt. Anschließend unterhielten sich die Teilnehmenden mit dem Bot. Dieser hatte eine Aufgabe: Er sollte die Probanden mit persönlich auf sie zugeschnittenen Argumenten davon überzeugen, dass ihre Erzählung unwahr sei. In einer Kontrollgruppe diskutierten die Teilnehmenden mit dem Bot über ein von der Verschwörungstheorie unabhängiges Thema. Durchschnittlich dauerte eine solche Unterhaltung 8,4 Minuten. Dazu gaben die Teilnehmenden auf einer Skala von 1 bis 100 an, wie sehr sie an die vorgetragene Verschwörungserzählung glaubten. 0 zählte dabei als »definitiv falsch«, 50 als »unsicher« und 100 als »definitiv wahr«. Wirkung länger nachweisbar Das Ergebnis: Bei jenen, die mit dem Bot über die Verschwörungstheorie diskutiert hatten, sank die Zustimmung um 17 Prozentpunkte stärker als in der Kontrollgruppe. Im Gesamtdurchschnitt ging sie bei den Probanden aus der KI-Gruppe um etwa 20 Prozent zurück. Etwa jeder vierte Teilnehmer gab an, sich zu weniger als 50 Prozent sicher zu sein, dass die Erzählung wahr sei. Diese Wirkung ließ sich sogar noch zwei Monate nach dem Gespräch nachweisen, so die Forschenden

via spiegel: Studie zu KI-Dialogen Wie ChatGPT Verschwörungstheoretiker von ihrem Glauben abbrachte

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By Jernej Furman from Slovenia – Businessman using Smart Phone with ChatGPT, CC BY 2.0, Link

#SALVINI-#PROZESS – #Anklage fordert sechs Jahre #Haft

In einem Prozess um den Umgang mit Migrantinnen und Migranten auf dem Mittelmeer hat die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Haft gegen Italiens Vizeregierungsschef Matteo Salvini verlangt. Dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega wird zur Last gelegt, in seiner Zeit als Innenminister 2019 das Schiff einer spanischen Hilfsorganisation wochenlang am Einlaufen in einen Hafen gehindert zu haben. Die Anklagebehörde wertete das vor Gericht in Palermo als Freiheitsberaubung und Amtsmissbrauch. Das Urteil gegen den heutigen Verkehrsminister wird voraussichtlich im nächsten Monat verkündet. Mit ihrer Forderung blieb die Staatsanwaltschaft deutlich unter dem möglichen Höchstmaß von 15 Jahren.

via orf: SALVINI-PROZESS Anklage fordert sechs Jahre Haft

siehe auch: Fall des Rettungschiffs »Open Arms« im Jahr 2019 Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft für Italiens Vize-Regierungschef Salvini Wochenlang hinderte der damalige Innenminister ein Schiff daran, Migranten aufs Festland zu bringen. Die Staatsanwälte sehen darin erhebliche Straftaten. Regierungschefin Meloni äußert Unterstützung für ihren Vize. Die italienische Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft gegen Italiens aktuellen Vize-Ministerpräsidenten Matteo Salvini wegen dessen Umgang mit geretteten Flüchtlingen vor der italienischen Küste. Es geht um einen Vorfall aus dem Jahr 2019, als er noch das Amt des Innenministers innehatte. Salvini hinderte damals wochenlang das Schiff einer spanischen Hilfsorganisation am Anlegen, nachdem es Flüchtlinge aus Seenot gerettet hatte.

Matteo Salvini in Transport, Telecommunications and Energy Council - June 2023 (05).jpg
By European Union, Attribution, Link

‘We miss you’: TikTok sees resurrection of Hitler support, Sky News investigation finds

The videos featuring speeches by Hitler and other Nazi figures reportedly garnered high levels of engagement, sometimes receiving millions of likes from users. Adolf Hitler is the latest historical mass murderer to undergo a revival on TikTok, a Sky News investigation published on Friday found, with many of his Nazi speeches featuring as soundtracks across 72,534 videos. In November, Al Qaeda terrorist Osama Bin Laden, responsible for the September 11 attacks on New York, was commended by the short-form video hosting service’s users, as reported by The Jerusalem Post.  The videos featuring speeches by Hitler and other Nazi figures reportedly garnered high levels of engagement, sometimes receiving millions of likes from users. One such post listed in the investigation blamed Jews for the “Islamisation of Europe.” Between September 2 and 3 alone, the investigation found 50,023 posts with sound clips from Hitler and Nazi chief propagandist Joseph Goebbels.

via jpost: ‘We miss you’: TikTok sees resurrection of Hitler support, Sky News investigation finds

#Klimaaktivist gewinnt vor #Gericht : #Polizei muss Räumung selbst zahlen – #payday

Die Polizei Berlin will für das Ablösen von der Straße Geld von der Letzten Generation. Geht nicht, finden Rich­te­r*in­nen in mindestens einem Fall. Erst kleben, dann zahlen? Ein Aktivist der Klimaschutzgruppe Letzte Generation hat dagegen geklagt, dass die Polizei Berlin ihm das Ablösen von der Straße bei einer Sitzblockade mit festgeklebter Hand in Rechnung gestellt hat – und hatte Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gab ihm recht, wie der Verein Rückendeckung für eine aktive Zivilgesellschaft, der die Letzte Generation rechtlich berät, am Freitag mitteilte. Das Gericht bestätigte die Entscheidung gegenüber der taz. Das Land Berlin muss den Gebührenbescheid über 241 Euro nun zurückziehen. Bei der Letzten Generation gibt es Jubel. Denn: 1.300 solcher Gebührenbescheide gebe es insgesamt, hieß es. Die Ak­ti­vis­t*in­nen sehen sich darin bestätigt, dass die Polizei durch die Weitergabe der Kosten die Versammlungsfreiheit beschneide. Sie hoffen, dass es nicht nur bei der einen Rückzahlung bleibt. (…) Der Streit vor Gericht zieht sich schon über mehr als ein Jahr. Schon im vergangenen September entschied das Verwaltungsgericht Berlin, dass die Polizei die Gebühren zu Unrecht erhoben habe. Die legte dagegen Beschwerde ein, aber kassierte nun die finale Absage vom Oberverwaltungsgericht.

via taz: Klimaaktivist gewinnt vor Gericht :Polizei muss Räumung selbst zahlen

#RASSISMUS IN DER AFD – Diskussion in #Merseburgs Stadtrat: Der Ausschussvorsitzende und das N-Wort

Merseburgs Ordnungsausschusschef postet auf seinem Facebook-Kanal eine rassistische Bezeichnung. Das brachte ihm Kritik im Rat ein. Der AfD-Politiker sieht dafür keinen Grund. Seine Fraktion schweigt. „Ist das der Sprachgebrauch, an den ich mich in den kommenden fünf Jahren im Ausschuss gewöhnen muss? Ich finde solche Aussagen Ihrer Position nicht gerecht.“ Die Worte von CDU-Stadtrat Carl Pinkert gingen am Donnerstag in Richtung von Uwe Darnstädt. Der AfD-Politiker ist seit Sommer Vorsitzender des Ordnungsausschusses und der einzige Administrator sowie Hauptnutzer der Facebook-Seite „Das neue Merseburg erschaffen“. Auf der veröffentlicht Darnstädt Bilder von Müllablagerungen, Fotos und Videos aus dem AfD-Umfeld, bezeichnet Ausländer konsequent als „Gäste“ oder postet ein Selbstporträt mit blauem Basecap und der Aufschrift „Alle für Deutschland“ – nur ein „s“ vom SA-Slogan entfernt, für dessen Verwendung Thüringens AfD-Chef Björn Höcke kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Pinkert hielt Darnstädt allerdings einen anderen Beitrag vor, in dem dieser das zur Beleidigung von Menschen mit dunkler Hautfarbe genutzte N-Word verwendet. Über dem Foto eines Rettungshubschraubers schrieb er: „Merseburg Süd, kleines N* Kind fällt aus dem dritten Stock.“ Gelernt ist gelernt Darnstädt bestätigte, dass er Betreiber der Facebook-Seite ist und verteidigte seine Wortwahl: Er sei 60 und von seinen Eltern, Großeltern und Lehrern erzogen wurden. „Da war N* die Bezeichnung für Menschen aus Afrika. Das habe ich so gelernt. Das hat nichts mit Rasse zu tun

via mz web: RASSISMUS IN DER AFD  Diskussion in Merseburgs Stadtrat: Der Ausschussvorsitzende und das N-Wort

Demenz-Test für Trump: Psychiater gibt nach TV-Duell vor US-Wahl 2024

Im US-Wahlkampf tritt der 78-jährige Trump gegen die zwanzig Jahre jüngere Harris an. Nach der TV-Debatte gibt es Zweifel an seiner geistigen Gesundheit. Das mit Spannung erwartete Highlight im US-Wahlkampf: Am 10. September kam es zum ersten Aufeinandertreffen der beiden Präsidentschaftskandidaten für die US-Wahl 2024. In der TV-Debatte auf ABC lieferten sich Vizepräsidentin Kamala Harris und Ex-Präsident Donald Trump ein Rededuell, bei dem beide ihre rhetorischen Stärken unter Beweis stellen wollten. Der Psychiater Richard A. Friedman war von Trumps Fähigkeit, sich auszudrücken, nicht überzeugt.  Friedman ist Professor für klinische Psychiatrie und Direktor der psychopharmakologischen Klinik am Weill Cornell Medical College. Für The Atlantic schreibt er über psychische Gesundheit und Neurowissenschaften. In seinem neusten Beitrag schrieb er über Trumps kognitive Fitness während der Präsidentendebatte – und zeigte sich besorgt. Trumps Verhalten bei TV-Duell zeige kognitiven „Verfall“: Medizinische Untersuchung nötig Friedman machte klar, dass er keine spezifische Diagnose für Personen des öffentlichen Lebens stelle, die er noch nie getroffen hat. Jedoch habe er die Debatte zwischen Trump und Harris genau beobachtet, „mit besonderem Augenmerk auf das Vokabular der Kandidaten, die verbale und logische Kohärenz und die Fähigkeit, sich an neue Themen anzupassen – alles Anzeichen eines gesunden Hirns“. Dabei fiel ihm besonders auf, dass Trump „einige auffällige, wenn auch vertraute Muster“, zeige, „die häufig bei Menschen mit kognitivem Verfall zu sehen sind“. Als Beispiele führte Friedman Trumps Antworten an. Als der Moderator David Muir ihn fragte, ob er sein Verhalten während des Sturms auf das US-Kapitol vom 6. Januar 2021 bereue, entgegnete Trump: „Ich habe gesagt ‚Blutbash-Bad‘. Es war ein anderer Begriff, und es war ein Begriff, der sich auf Energie bezog, weil sie unser Energiegeschäft zerstört haben.“ Für Politiker sei es zwar normal, unangenehme Fragen zu umgehen, beteuerte Friedman, jedoch könnte Trumps „zusammenhangslose“ Antwort auf ein grundlegendes kognitives Problem hinweisen. Auch Trumps übermäßiges Wiederholen, zum Beispiel die Gaspipelines, sei besorgniserregend. Ein Patient mit diesen Symptomen würde Friedman „mit ziemlicher Sicherheit für eine strenge neuropsychiatrische Untersuchung verweisen, um kognitive Erkrankungen auszuschließen“. Er fügte hinzu: „Eine Erkrankung wie vaskuläre Demenz oder Alzheimer-Krankheit wäre für einen 78-Jährigen nicht ungewöhnlich.“

via merkur: Demenz-Test für Trump: Psychiater gibt nach TV-Duell vor US-Wahl 2024

siehe auch: Trump needs psychiatric help to ‘work out his daddy issues’: former RNC head. At the end of a segment on MSNBC”s “The Weekend,” co-host and former Republican National Committee chair Michael Steele suggested Donald Trump seek psychiatric help. Discussing Trump’s continuing attacks on Haitian immigrants who have legally taken up residence in Springfield, Ohio, which has now led the former president to boast he’ll deport them if he’s re-elected, co-host Symone Sanders Townsend pointed out that each week Trump has been picking on a different segment of American society. “All his hate is wrapped up in the same ball of nastiness,” she told her co-hosts. “And there is that, you know, I don’t have the quote in front of me but this week it is the Haitian community. Last week it was the Jewish community. Next week it will be someone else.”