Anfrage im Landtag – Mehr rechtsextremistische Verdachtsfälle bei Sachsens Polizei als angenommen

Bei der sächsischen Polizei hat es in den vergangenen Jahren offenbar mehr rechtsextremistische Verdachtsfälle gegeben als zunächst angenommen. Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der sächsischen Linken-Abgeordneten Kerstin Köditz hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Eine erste Anfrage vom Januar hatte ergeben, dass es seit 2014 bei 17 Vorfällen einen rechtsextremen Bezug gebe. Nun seien weitere 20 solcher einschlägigen Fälle bekanntgeworden, erklärte Köditz, davon allein sechs im aktuellen Jahr. Offenbar hat das zuständige Innenministerium immer noch keinen vollständigen Überblick, obwohl über das Thema schon länger debattiert wird. Wir haben es mit mehr als nur einigen “Einzelfällen” zu tun!
Kerstin Köditz Sächsische Landtagsabgeordnete der Linken. Insgesamt waren laut Köditz 23 Polizeibeamtinnen und -beamte sowie Tarifbeschäftigte daran beteiligt. Damit stünden derzeit 37 Vorfälle im Raum. In einem Fall liege sogar der Verdacht der Unterstützung rechtsextremer Organisationen seit 2019 vor. Laut sächsischem Innenministerium sind vier von fünf sächsischen Polizeidirektionen betroffen, zudem die Bereitschaftspolizei und das Landeskriminalamt.

via mdr: Anfrage im Landtag Mehr rechtsextremistische Verdachtsfälle bei Sachsens Polizei als angenommen

Polizeistern der Polizei Sachsen
Von unbekannt – <a rel=”nofollow” class=”external free” href=”http://www.polizei.sachsen.de/zentral/dokumente/downloads/downloads_ohne_konvert/Polizei_Broschur_2006_2.pdf”>http://www.polizei.sachsen.de/zentral/dokumente/downloads/downloads_ohne_konvert/Polizei_Broschur_2006_2.pdf</a>, Logo, Link

Kampf gegen Rechtsextremismus – Kabinett beschließt Maßnahmenpaket

Er soll für mehr Prävention, mehr Aufklärung, mehr Konsequenzen sorgen: Der in der vergangenen Woche vorgelegte Maßnahmenplan zum Kampf gegen Rechtsextremismus hat nun auch die Zustimmung des Bundeskabinetts. Die Bundesregierung hat ein umfassendes Maßnahmenpaket für den Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus beschlossen. Ziel der 89 Einzelmaßnahmen sei es, “unsere wehrhafte Demokratie zu stärken”, erklärte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht. Sie kündigte eine zügige Umsetzung der Beschlüsse an. Das Paket war von mehreren Ministerien in Zusammenarbeit mit Vertretern der Zivilgesellschaft ausgearbeitet worden. Vorgesehen sind unter anderem eine intensivere Präventionsarbeit, eine Stärkung der Sicherheitsbehörden, schärfere Strafgesetze, bessere Hilfen für Betroffene und ein engerer Austausch mit der Zivilgesellschaft. Auch das von der SPD seit langem geforderte, in der Union aber skeptisch gesehene Demokratiefördergesetz soll bald kommen. Lambrecht hob einige Kernpunkte der geplanten Rechtsänderungen hervor. “Wer nur wegen seiner ethnischen Herkunft oder Religion eine Wohnung nicht bekommt, bekommt mehr Zeit, sich dagegen juristisch zur Wehr zu setzen – sechs statt bisher zwei Monate”, erklärte sie. Zudem sollen sogenannte “Feindeslisten”, auf der Rechtsextreme ihre Gegner aufführen, künftig als Straftat geahndet werden können. Außerdem solle ein neuer Straftatbestand für antisemitische oder rassistische Hetze geschaffen werden. Der Begriff “Rasse” im Grundgesetz soll ersetzt werden. Mit einem “Rassismus-Barometer” sollen Vorfälle in Deutschland wissenschaftlich ausgewertet werden. Ein Expertenrat soll die Bundesregierung zu Fragen der Integration, Teilhabe und bei der Bekämpfung von Rassismus beraten. Von 2021 bis 2024 sollen insgesamt mehr als eine Milliarde Euro in diesen Bereich fließen.

via tagesschau: Kampf gegen Rechtsextremismus Kabinett beschließt Maßnahmenpaket

AfD lädt zu Veranstaltung mit „Bernd Höcke“

Kuriose Verwechslung bei der AfD in Nordrhein-Westfalen: Sie lud am Mittwoch Journalisten zu einer Veranstaltung mit „Bernd Höcke“ am 5. Dezember in Höxter ein. Thüringens umstrittener AfD-Chef, der eigentlich Björn mit Vornamen heißt, wird in der ZDF-Satiresendung „heute-show“ seit Jahren nur „Bernd“ genannt. (…) Die NRW-AfD bestätigte die Echtheit der Einladung. Wie es zu dem Lapsus kam, blieb zunächst unklar.

via berliner zeitung: AfD lädt zu Veranstaltung mit „Bernd Höcke“

siehe auch: Und das gleich zweimal AfD in NRW macht richtig peinlichen Fehler in ihrer Einladung. Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender, legt Ende September eine Mund-Nase-Bedeckung während der Landtagssitzung an. Die AfD in NRW lud zu einer Veranstaltung am 5. Dezember ein – mit „Herrn Bernd Höcke.” Björn oder Bernd Höcke? Bei der Frage nach dem korrekten Vornamen des Thüringer AfD-Politikers scheint selbst im nordrhein-westfälischen Landesverband Unklarheit zu herrschen. Der Verband kündigte am Mittwoch (2. Dezember 2020) in einer E-Mail eine Veranstaltung mit „Bernd“ Höcke an. Sie lud Journalisten zu der Ausrichtung mit „Herrn Bernd Höcke“ am 5. Dezember in Höxter (NRW) ein. In das Anschreiben aus der Düsseldorfer Geschäftsstelle schlich sich der falsche Vorname ein – und das gleich zweimal.

https://twitter.com/Westpol/status/1334074688562196483

Störaktionen im Bundestag – Was wusste die AfD vorab? – #LockThemUp

Der Bundestag will sein Regelwerk ändern, um künftigen Störaktionen vorzubeugen. Zudem wirft eine Sprachnachricht die Frage auf, was die AfD im Vorfeld der Aktion wusste. Als Reaktion auf die Störaktionen im Bundestag sollen die Hausregeln deutlich verschärft werden. Das geht aus einem internen Bericht der Bundestagspolizei hervor, der WDR und NDR vorliegt. Die Verschärfungen, die nun erwogen werden, betreffen Abgeordnete, Gäste und Medienvertreter. Gäste der AfD hatten rund um die Großdemonstrationen gegen das Infektionsschutzgesetz Politiker gefilmt, bedrängt und belästigt. Filmaufnahmen und Interviews sind Gästen des Bundestages mit Abgeordneten nicht gestattet, anders als akkreditierten Journalisten. Zudem fanden einige der Vorfälle in für Aufnahmen gesperrten Bereichen rund um den Plenarsaal statt. In dem Bericht der Bundestagspolizei vom 25. November heißt es nun, es sollte eine Ausweitung des Film- und Fotoverbots in weitere Bereiche “in die Überlegungen einbezogen werden”. Diese Überlegungen beziehen sich in dem als “Aktenvermerk” betitelten sechsseitigen Bericht nicht nur auf Privatleute, sondern auch auf die “Tätigkeiten akkreditierter Medienvertreter”. Den Fall einer ehemaligen Bundestagsabgeordneten, die an weiteren Störaktionen an diesem Tag beteiligt gewesen sein soll, nimmt die Verwaltung zum Anlass, auch den Zugang für ehemalige Abgeordnete zu hinterfragen. Bisher können diese wie auch aktive Bundestagsabgeordnete sich ohne Sicherheitscheck weitgehend frei in den Gebäuden bewegen. Nun wird überlegt, dies zu ändern. Zudem prüft die Verwaltung dem Protokoll zufolge, ob künftig auch Sanktionen gegen Abgeordnete möglich sind, deren Gäste gegen Regeln verstoßen. Nach bisherigen Hausregeln sind solche Sanktionen nur gegen die Gäste selbst möglich. Diesen droht jeweils ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro sowie ein Hausverbot. (…) Der vorliegende Aktenvermerk beschreibt die umfangreichen Ermittlungen der Bundestagspolizei zu dem Vorfall vor zwei Wochen. Die Behörde wertet große Mengen an Beweismaterial aus, darunter viele Stunden Videomaterial und Zeugenaussagen. Geprüft werden demnach nicht nur Verstöße gegen die Hausordnung, sondern auch mögliche Straftatbestände, heißt es. Fraktionschef Alexander Gauland hatte im Plenum des Deutschen Bundestages kurz nach den Vorfällen beteuert, dass die Fraktion nichts von geplanten Aktionen von Gästen der AfD gewusst habe und dafür um Entschuldigung gebeten. “Wir konnten nicht damit rechnen, dass so etwas passiert.” WDR und NDR liegen jedoch interne Dokumente und Aussagen aus der AfD-Fraktion vor, denen zufolge zumindest Teile der AfD-Fraktion schon im Vorfeld weitgehend wussten, was eine der späteren Störerinnen, die Aktivistin Rebecca Sommer, während ihres Bundestags-Besuches geplant hatte. Sommer hatte unter anderem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bedrängt und laut eines Videos als “aufgeblasener kleiner Wannabe-König” bezeichnet.
Sprachnachricht an AfD-Mitarbeiter Recherchen von WDR und NDR zufolge soll Sommer zunächst einer Büroleiterin eines bayerischen AfD-Abgeordneten ihre Pläne am Telefon geschildert haben. Nachdem diese ihr daraufhin den Zutritt verweigert haben soll, schickte sie einem anderen Mitarbeiter des Büros eine Sprachnachricht. Diese Nachricht liegt WDR und NDR vor. Darin fragt Sommer, ob es möglich sei, “dass man mich in den Bundestag einschleusen kann”. Sie würde “gern mit ‘ner Kamera irgendwo da am Rand stehen und einfach die Leute, mit Zoom natürlich, also ohne dass ich da auffalle, einfach die Leute filmen, wenn sie da in den Saal rein- und rausgehen, also im Gang da, sich miteinander unterhalten. Einfach Material von denen, die die Täter sind.” Sie würde “unglaublich gerne die Leute irgendwie filmen, die Abgeordneten und so”, heißt es in der Sprachnachricht, deren Authentizität aus der Fraktion bestätigt wurde. Sommer war auf Anfrage wiederholt nicht zu erreichen. Auch der Adressat der Nachricht ließ Sommer nicht in den Bundestag – offenbar kurz darauf aber das Büro des bayerischen Abgeordneten Petr Bystron.

via tagesschau: Störaktionen im Bundestag Was wusste die AfD vorab?

Ermittlungen gegen mutmaßliche Reichsbürger in der Bundeswehr

Bei der Bundeswehr stehen mehrere Mitarbeiter im Verdacht, der Reichsbürgerszene anzugehören. Der Militärische Abschirmdienst ermittelt in einer Niederlassung in Ulm. Bei der Bundeswehr steht eine Reihe von zivilen Mitarbeitern im Verdacht, der Reichsbürgerszene anzugehören. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ermittelt seit Ende 2019 gegen “mehrere Verdachtspersonen” in einer Niederlassung des Ausrüstungsamts in Ulm, wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilte. Betroffen sei unter anderem die Leitung der Regionalstelle. Die wesentlichen Hinweise seien aus internen Quellen gekommen. Konkret gehe es um den “Verdacht der Bestrebung im Phänomenbereich ‘Reichsbürger und Selbstverwalter'”, teilte das Ministerium mit. Im Zuge der Ermittlungen habe der MAD acht Verdächtige befragt. Weitere Befragungen würden am Mittwoch stattfinden, heißt es in einem Schreiben an die Obleute des Bundestags-Verteidigungsausschusses, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zudem seien technische Geräte sichergestellt worden, die nun ausgewertet würden. Die Vorgesetzten der Betroffenen hätten disziplinarische Ermittlungen aufgenommen. Den Hauptverdächtigen sei mit sofortiger Wirkung der Zugang zu ihren Arbeitsstellen untersagt worden. Bei der betroffenen Behördenniederlassung handelt es sich um das Zentrum für technisches Qualitätsmanagement in Ulm. Es gehört zum Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

via zeit: Ermittlungen gegen mutmaßliche Reichsbürger in der Bundeswehr

siehe auch: Beschaffungsamt der Bundeswehr Militärgeheimdienst ermittelt gegen »Reichsbürger«. Der Bundeswehrgeheimdienst MAD ermittelt nun auch im zivilen Beschaffungsamt der Truppe. Die Fahnder haben eine Gruppe von Beamten im Visier, die der »Reichsbürger«-Bewegung nahestehen. Auch Verbindungen zum BND werden geprüft. Bei der Bundeswehr gibt es neue Ermittlungen gegen eine Gruppe von möglichen Extremisten. Am Dienstag rückte der Militärische Abschirmdienst (MAD) bei einer Außenstelle des Beschaffungsamts der Bundeswehr an und befragte mehrere Verdächtige. Die acht Beamten, darunter der Leiter der regionalen Güteprüfstelle in Ulm, sollen mit den sogenannten Reichsbürgern sympathisieren. (…) In Sicherheitskreisen hieß es zudem, dass mehrere Beamte, die nun vernommen wurden, Sportschützen seien und auch zu Hause über Waffen verfügten. Ermittler betonten, man stehe noch am Anfang der Recherchen. Der Fall sei jedoch besorgniserregend.

https://twitter.com/ErnstvAll/status/1333877195228524551

Mittelfingeraffäre: Warum Gregor Gysi jetzt Bodo Ramelow verteidigt

Im Juli zeigte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dem AfD-Abgeordneten Stefan Möller in einer Landtagssitzung den Mittelfinger und bezeichnete ihn als „widerlichen Drecksack“. Vorausgegangen war eine Debatte über den Umgang mit Verfassungsschutzakten zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), in der Möller erklärte, Ramelow selbst sei in der Vergangenheit ja durch den Verfassungsschutz beobachtet worden. Nachdem Möller den Linken-Politiker wegen Beleidigung anzeigte, hat der nun seinen Parteifreund und Rechtsanwalt Gregor Gysi gebeten, ihn juristisch zu vertreten. Herr Gysi, können Sie das, was Bodo Ramelow gesagt und getan hat, nachvollziehen? Er hat es getan. Und das, was der AfD-Abgeordnete vorher gesagt hat, war eine Unverschämtheit. Finden Sie Ramelows Vorgehen vertretbar? Es ist auf jeden Fall nicht strafrechtlich verfolgbar. Denn es gibt das Recht der Indemnität. Das bedeutet: Abgeordnete dürfen für das, was sie im Plenum sagen, nicht zur Verantwortung gezogen werden. Sonst hätte man ja ständig Prozesse zwischen ihnen. Die Immunität, das heißt das Verbot der Strafverfolgung, kann aufgehoben werden, aber die Indemnität nicht. Es imponiert mir im Übrigen auch ein bisschen, wie Bodo Ramelow das als Ministerpräsident gemacht hat. Die Bevölkerung wird das unterschiedlich sehen. Die einen werden es richtig finden, die anderen werden sagen: Nee, er hätte das bleiben lassen sollen. Aber Bodo Ramelow ist nun mal so ein Typ. Er ist diesen Weg gegangen. Und ich vertrete ihn gern. Wie sieht die Lage juristisch konkret aus? Na ja, das Problem besteht darin, dass Bodo Ramelow das, was er im Plenum gesagt hat, später gegenüber dem MDR wiederholte. Das kann man unterschiedlich interpretieren. Ich sage: Die Fernsehzuschauerinnen und Fernsehzuschauer, die gar nicht verfolgt haben, was er im Landtag gesagt hat, für die musste er es wiederholen, damit sie das Interview verstehen. Und da er von Möller nichts hält, hat er gesagt, dass er bei seiner Einschätzung bleibt. So einfach, wie es sich der betroffene AfD-Abgeordnete denkt, ist es jedenfalls nicht.

via rnd: Mittelfingeraffäre: Warum Gregor Gysi jetzt Bodo Ramelow verteidigt