Noch vor zwei Wochen organisierte Sentürk einen Neonazi-Aufmarsch, jetzt sagt er, dass er sich von der extremen Rechten distanziert. Es ist zwei Wochen her, da scharte Ferhat Sentürk noch mehrere Hundert Neonazis um sich. Er hatte eine Demonstration gegen links angemeldet und einen Coup im Vorfeld gelandet. Der Sänger der extrem rechten Hooligan-Band »Kategorie C« Hannes Ostendorf sollte bei dem Aufmarsch auftreten. Ostendorf kam, sang, stachelte die Teilnehmerinnen an. Ferhat Sentürk genoss den Auftritt, schwang große Reden. Im Laufe des Nachmittags die Ernüchterung. Statt eines kilometerlangen Aufmarsches geht es nur ein paar Meter bis zu den Aufgängen der S-Bahn. Weiter lässt die Polizei den Aufmarsch nicht. Ferhat Sentürk tobt auf der Straße und danach auch im Netz. Er spricht von Willkür und kündigt weitere Proteste an. Gleichzeitig werden in der Szene Vorwürfe gegen Sentürk laut. Die Demonstration sei schlecht organisiert gewesen, Sentürk habe sich nicht ausreichend beraten lassen, außerdem wird sich darüber beschwert, dass zahlreiche Teilnehmerinnen des Aufmarsches festgenommen wurden. Drei Tage nach der Demonstration in Berlin verkündet Sentürk in seinen Social-Media-Kanälen, dass für ihn ein Wendepunkt erreicht sei. Er wolle sich als Aktivist zurückziehen. Das »System« sei »augenscheinlich korrupt«, Medien verdrehten die Wahrheit und an Meinungsfreiheit glaube er nicht mehr. Sentürk kündigt an, etwas Neues machen zu wollen, er will »aufrütteln, verbinden, inspirieren«. Auf der Straße und im Netz, wie er ankündigt. Aufmerksam macht Sentürk dann auf sich, weil ein Video von ihm auftaucht, in dem er in einem Rap-Song die Zeile »Kill Yahudis mit der Uzi, bis das Blut fließt« mitsingt. Auf der Social-Media-Plattform X ist die Empörung über Sentürk groß. Menschen kündigen an, ihn wegen des antisemitischen Raps anzuzeigen. Einige Tage später veröffentlicht Sentürk dann auf Tiktok ein Video mit dem Titel »Abrechnung mit der AfD«. Es erreicht innerhalb weniger Tage fast 800 000 Aufrufe und wird über 8000-mal kommentiert. In seinem Video warnt Sentürk, die AfD hetze gegen Ausländer und Muslime, es habe sich herausgestellt, dass die Partei eine »Gefahr für die Demokratie« sei. Auf Facebook verbreitet Sentürk Texte, in denen er lokalen AfD-Funktionären aus seiner Heimatstadt Aachen Machtmissbrauch vorwirft. Ferhat Sentürk war Mitglied der AfD, hat sie aber im Streit schon im vergangenen Herbst verlassen. Danach begann seine Karriere als Organisator von extrem rechten Aufmärschen in Berlin und Aachen.
via nd Ferhat Sentürks Abkehr von den Rechten wirft Fragen auf