Ränkespiele ums Verfassungsgericht? Rechtswissenschaftler stieß die Brosius-Gersdorf-Affäre an

Tage vor dem Eklat um Brosius-Gersdorfs Nominierung wurde ihr Wikipedia-Artikel von einem renommierten Rechtswissenschaftler bearbeitet. Er steht der katholischen Kirche nahe – und dem Präsidenten des Verfassungsgerichts. Einer der renommiertesten Rechtswissenschaftler Deutschlands, Ekkehart Reimer von der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, hat wenige Tage vor dem Eklat um die Nominierung von Frauke Brosius-Gersdorf für das Richteramt am Bundesverfassungsgericht den Wikipedia-Eintrag zu ihrer Person gezielt um ihre Position zum Schwangerschaftsabbruch ergänzt. Das ergaben Recherchen von t-online. Reimer bestätigte diesen Vorgang auf Anfrage von t-online. Er habe sich dazu veranlasst gesehen, “weil diese Frage in der in diesen Tagen aufkeimenden politischen und wissenschaftlichen Diskussion zentral, in der vorherigen Wikipedia-Fassung aber unterbelichtet, ungenau und unbelegt war”, schrieb Reimer in einer Stellungnahme. Er habe für die Bearbeitung bewusst seinen Klarnamen verwendet. Mit dem Benutzerprofil, das Reimer erstellt hat, wurden in fast 13 Jahren nur zwei weitere Einträge bearbeitet. Einer davon wurde unter anderem mit Informationen zum Cusanuswerk angereichert, dem Begabtenförderungswerk der Deutschen Bischofskonferenz, dem Reimer vorsteht. Nachdem die Nominierung von Brosius-Gersdorf am 30. Juni durch einen Bericht der “FAZ” einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden war, hatten ab 1. Juli rechte Blogs wie “Apollo News” und “Nius” tagelang über vermeintlich grundgesetzwidrige und problematische Ansichten der in Fachkreisen hoch angesehenen Juristin berichtet. Auch Abgeordnete der Unionsfraktion im Bundestag, die ihre Wahl zehn Tage später vorerst absetzen ließ, kritisierten Brosius-Gersdorf für ihre fachlichen Einschätzungen scharf, unter anderem zum Schwangerschaftsabbruch. Fünf Tage vor dem Bericht der “FAZ” war allerdings der Wikipedia-Eintrag zu Brosius-Gersdorf verändert worden – zu diesem Zeitpunkt kursierten die Namen der Nominierten unter Insidern seit Wochen. Der Beitrag hatte bis dahin weitestgehend aus biografischen Angaben bestanden, ohne auf fachliche Positionen einzugehen. Am 25. Juni um 18.42 Uhr ergänzte Reimer dann mit dem Benutzerprofil “E. Reimer” folgende Passage komplett: “2023/24 war sie stellvertretende Koordinatorin der von der damaligen Bundesregierung eingesetzten Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin (Arbeitsgruppe 1). In der Auseinandersetzung um die Abtreibung betont Brosius-Gersdorf das Recht des Gesetzgebers, die Abtreibung in den ersten 12 Monaten der Schwangerschaft zu erlauben. Der Gesetzgeber sei nicht an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gebunden, nach der die Abtreibung wegen des Lebensrechts des Embryo [sic] (Art. 2 Abs. 2 GG) zwar straffrei, aber – von Sonderfällen abgesehen – nicht rechtmäßig sein dürfe.” 20 Minuten später korrigierte er, es gehe nicht um die “ersten 12 Monate der Schwangerschaft”, sondern um die ersten zwölf Schwangerschaftswochen, spitzte aber Formulierungen zu. Aus “war” wurde “engagierte sich”, aus “betont” wurde “setzte sich (…) ein”.

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“Keine Substanz” – Gutachten entlastet Brosius-Gersdorf von Plagiatsvorwürfen

In der Union ist die SPD-Richterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf umstritten wegen bestimmter Positionen. Zuletzt kamen Vorwürfe wegen ihrer Doktorarbeit hinzu. Gutachter nehmen nun Stellung. Der SPD-Verfassungsrichterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf ist nach einem von ihr und ihrem Mann in Auftrag gegebenen Kurzgutachten kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorzuwerfen. “Die Prüfung hat ergeben, dass die Vorwürfe unbegründet sind und keine Substanz haben”, erklären die Rechtsanwälte Michael Quaas und Peter Sieben von der Anwaltskanzlei Quaas und Partner in einem Begleitschreiben. Die Stuttgarter Kanzlei gibt ausdrücklich eine vorläufige Bewertung ab. “Eine ausführliche rechtliche Bewertung soll ggf. zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen”, heißt es in dem Kurzgutachten.

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Verein äußert sich bislang nicht – Dynamo Dresden: Irritation um Foto dreier Funktionäre mit AfD-Abgeordnetem

Ein Schnappschuss, der seit wenigen Tagen in den sozialen Medien kursiert, sorgt für Unruhe bei Zweitligaaufsteiger Dynamo Dresden. Zu sehen sind drei hochrangige Vereins-Funktionäre und ein Mitglied des sächsischen Landesverbandes der Alternativen für Deutschland (AfD). In Sachsen gilt der Ableger der Partei als “gesichert rechtsextremistisch”. Diese Einschätzung geht aus einem Urteil des sächsischen Oberverwaltungsgerichts vom 21. Januar 2025 hervor. Konkret zeigt der Schnappschuss Peter Krüger (Vize-Präsident), Thomas Blümel (Aufsichtsrat) und Jens Genschmar (Traditionsbeauftragter). In der Mitte der beiden Letztgenannten steht Thomas Ladzinski. Der 36-Jährige vertritt den sächsischen Landesverband seiner Partei als gewählter Direktkandidat im Deutschen Bundestag. Gepostet wurde das Foto von Holger Zastrow, der das strahlende Quintett komplettiert. Entstanden sein soll das Foto laut Bildunterschrift “Mitte Mai”. Als Anlass der Zusammenkunft nennt der Verfasser die Feier anlässlich des 60. Geburtstag von Aufsichtsrat Blümel. Eine augenscheinlich private Veranstaltung, die aufgrund der öffentlichkeitswirksamen Ämter aller Beteiligten nur schwerlich als solche gewertet werden kann. Erst recht nicht, nachdem das gemeinsame Party-Foto veröffentlich wurde. Es stellen sich mehrere Fragen Nach der Veröffentlichung des Fotos (via Instagram) stellen sich gleich mehrere Fragen. Warum beispielsweise feiern sich die Vereinsvertreter gemeinsam mit Ladzinski? Gibt es keine Berührungsängste mit einem Vertreter einer Partei, die in Ladzinskis Wahlkreis als “gesichert rechtsextremistisch” gilt? Widerspricht das nicht dem Leitbild und der Fancharta des Vereins? In beiden Werken ist klar und deutlich niedergeschrieben, dass sich Verein und Fans entschlossen gegen “Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung” stellen.

via kicker: Verein äußert sich bislang nicht Dynamo Dresden: Irritation um Foto dreier Funktionäre mit AfD-Abgeordnetem

KONTROVERSE UM #SCHÜTZENKÖNIG IN #ESENS – #Regenbogenfahne als Reaktion auf neuen König

Aufgrund der AfD-Vergangenheit des neuen Schützenkönigs in Esens, Achim Postert, haben Mitglieder des Bürgerforums am Dienstag ein Zeichen für Vielfalt gesetzt. Dass der neue Schützenkönig in Esens, Achim Postert, eine Vergangenheit bei der AfD hat, schlägt nicht nur in den sozialen Netzwerken hohe Wellen. Einige Esenser, die zugleich dem Bürgerforum gegen Rechtsextremismus angehören, haben als Gegenreaktion auf die Ernennung am Dienstag während des Umzugs und auf dem Festplatz bunte Kleidung getragen. Andere haben Regenbogenflaggen gehisst, am Haus angebracht oder Sticker verteilt.

via nwzonline: KONTROVERSE UM SCHÜTZENKÖNIG IN ESENS Regenbogenfahne als Reaktion auf neuen König

siehe auch: WEGEN AFD-VERGANGENHEIT – Neuer Esenser Schützenkönig sorgt auch unter Vereinsmitgliedern für Diskussionen. Achim Postert, der neue Schützenkönig von Esens, ist wegen seiner AfD-Vergangenheit umstritten. Nun äußern sich die Vorsitzenden der Schützencompagnie und auch Postert selbst. Der neue Esenser Schützenkönig, Achim Postert, hat bereits wenige Stunden nach seiner Ernennung am Montagnachmittag viel Gegenwind erhalten. Neben zahlreichen Kommentaren auf Facebook und Aussagen von Besuchern des Schützenfests werden zum Teil auch aus den eigenen Reihen Bedenken wegen seiner Vergangenheit geäußert. Der 66-Jährige war viele Jahre Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD) und hatte zudem politische Ämter für die AfD inne – unter anderem im Wittmunder Kreistag und dem Samtgemeinderat der Samtgemeinde Esens. Zur Bundestagswahl 2017 war er außerdem Direktkandidat für die AfD Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund, 2022 zur Landtagswahl erneut für den Wahlkreis Wittmund/Inseln; EHEMALIGER AFD-KANDIDAT Heftige Kritik auf Facebook – Das sagen Leser zum Esenser Schützenkönig Achim Postert. Achim Postert, einst AfD-Direktkandidat, ist neuer Schützenkönig von Esens. Die Ernennung sorgt für heftige Reaktionen auf Facebook. Während manche gratulieren, finden andere deutliche Worte. Achim Postert ist der neue Schützenkönig von Esens. Doch das ist umstritten: 2022 trat der Esenser als Direktkandidat im Wahlkreis 87 Wittmund/Inseln für die AfD an. Vergangenes Jahr sei er aus der Partei ausgetreten, sagte er am Dienstag. Das bestätigte der AfD-Bundesverband. Auf der Social-Media-Plattform Facebook äußerten sich mehrere Menschen kritisch unter den Artikeln, in denen der Anzeiger für Harlingerland berichtet, dass Postert Schützenkönig geworden ist: „Rückhalt in der Compagnie, das Ansehen der Stadt Esens ist ramponiert und wird weiter eskalieren, Nazis dürfen keine Chancen haben“, schreibt Freddie F.. Christian S. findet: „Gut, dass in Esens Schützenwürde und Parteizugehörigkeit getrennt wird. Das ist gelebte Demokratie !!!“ Bierre F. schreibt: „Hab noch nie gesehen, dass sich das Festzelt so schnell leert… haben alle keinen Bock auf einen rechtsextremen König.“ Für Helmut B. ist klar: „Da kann der Esenser Schützenverein richtig stolz auf ihren neuen König von der AfD sein. Esenser Schützenverein: Pfui, shame on you.“

#Bundeswehr – #Disziplinarverfahren gegen AfD-Abgeordneten Gnauck aus formalen Gründen eingestellt

Als ein Bundeswehr-Disziplinarverfahren gegen ihn eingestellt wurde, interpretierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck das als vollständige Rehalbilitierung. Doch die Einstellung hatte nach rbb-Informationen rein formale Gründe. Ein Bundeswehr-Disziplinarverfahren gegen den Brandenburger AfD-Bundestagsabgeordneten Hannes Gnauck ist eingestellt worden, allerdings wohl nicht aus inhaltlichen Gründen. Nach Informationen des ARD-Extremismus-Experten Michael Götschenberg ist das Verfahren aus formalen Gründen eingestellt worden. “Das Truppendienstgericht hat wohl nur festgestellt, dass die Stelle, die das Verfahren gegen ihn eingeleitet hatte, für Gnauck formal gar nicht mehr zuständig war. Mit dem Inhalt hat sich das Truppendienstgericht offenbar gar nicht beschäftigt”, so Götschenberg. Man könne insofern nicht sagen, dass die Vorwürfe gegen Gnauck widerlegt wären. Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete hatte Ende Juni auf seinem Konto des Social-Media-Dienstes X ein Foto gezeigt, auf dem nach seinen Angaben ein entsprechender Beschluss des Truppendienstgerichts Nord zu sehen ist. Darin heißt es, der Präsident des Gerichts habe am 17. Juni die Einstellung des Verfahrens beschlossen. Eine Begründung oder Details zum Inhalt des Verfahrens aber gehen aus dem veröffentlichten Foto nicht hervor. (…) Gnauck wurde nach eigener Aussage vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) als “erkannter Extremist” eingestuft. Er war von Oktober 2022 bis zu deren Auflösung Anfang des Jahres Bundesvorsitzender der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Jungen Alternative. Außerdem wird Gnauck im Verfassungsschutz-Gutachten zur Einstufung der AfD als gesichert rechtsextremistisch aufgeführt. Dabei geht es um Aussagen Gnaucks, die laut Verfassungsschutz gegen die im Grundgesetz garantierte Menschenwürde verstoßen und für ein völkisches Gesellschaftsverständnis stehen. Demnach habe Gnauck bei einer Rede auf dem Marktplatz in Zossen im Herbst 2024 gesagt, jeden Anwesenden verbinde mehr mit ihm “als irgendein Syrer oder irgendein Afghane”. Im Gespräch mit rbb|24 wies Gnauck Vorwürfe eines völkisches Gesellschaftsverständnisses zurück. Jeder Deutsche mit Migrationsintergrund und deutschem Pass sei Angehöriger des deutschen Volkes.

via rbb: Bundeswehr Disziplinarverfahren gegen AfD-Abgeordneten Gnauck aus formalen Gründen eingestellt

Streit über Kandidatin für Verfassungsgericht – Diese Akteure stehen hinter der Netzkampagne gegen Brosius-Gersdorf – #RechterRand

Die vorerst gescheiterte Richterwahl hat die Koalition beschädigt. Vorausgegangen war dem Eklat eine orchestrierte Aktion von Abtreibungsgegnern, rechtspopulistischen Medien und dem Umfeld der AfD. Hatten sie Einfluss auf die Union? Die Mails fluteten vergangene Woche die Postfächer der Abgeordneten. Mehr als 1000 Nachrichten seien bei ihm eingegangen, erzählt ein Unionspolitiker. Die Mail-Schreiber riefen dazu auf, bei der Richterwahl im Bundestag gegen die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf zu stimmen. Der Grund waren ihre vermeintlichen Positionen zur Abtreibung. (…) Nicht nur in den Postfächern der Abgeordneten, auch in den sozialen Medien hatte vorher ein Sturm gegen Brosius-Gersdorf getobt. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nannte es eine beispiellose Schmutzkampagne, der FDP-Politiker Konstantin Kuhle sprach von einer »Trumpisierung unserer politischen Öffentlichkeit«. War das Scheitern der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf wirklich das Ergebnis einer orchestrierten Kampagne? Sind rechtspopulistische Medien und extrem-rechte Netzwerke so mächtig, dass sie Entscheidungen im Bundestag beeinflussen können? Wie entstand die Aufregung um Brosius-Gersdorf im Netz – und welche Rolle spielte die Union selbst dabei? (…) am 30. Juni 2025, wird bekannt, welche Richter die Koalition an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe schicken will: zwei von der SPD nominierte Kandidatinnen, Ann-Katrin Kaufhold und Frauke Brosius-Gersdorf, sowie den von der Union unterstützten Richter Günter Spinner. Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ) berichtet zuerst darüber . Einen Tag später schreibt Julian Reichelt, der Chefredakteur des rechtspopulistischen Mediums »Nius«, auf der Plattform X, die Kandidatin Brosius-Gersdorf müsse »verhindert werden!«. Er greift einen Beitrag der AfD-freundlichen Plattform »Apollo News« auf. Die thematisierte bereits an diesem Tag ausführlich Brosius-Gersdorfs Position zu Abtreibungen und ihren Pro-Impfpflicht-Standpunkt während der Coronapandemie. AfD-Parteichefin Alice Weidel repostete Reichelts Beitrag. Doch auch Stimmen aus der CDU selbst melden sich früh bereits kritisch zu Wort. Da ist etwa die Brandenburger Abgeordnete Saskia Ludwig , die innerhalb der Union rechtsaußen steht. Sie bezeichnet Brosius-Gersdorf als »unwählbar« und begründete das mit deren Position zur Impfpflicht. Einen Tag später, am 2. Juli, erfolgt ein zweiter Aufschlag der »FAZ« . Mehrere CDU-Abgeordnete sollen erstmals aus den Medien von Brosius-Gersdorfs Kandidatur erfahren haben und signalisieren in der »FAZ« anonym ihre Ablehnung. Auch »Nius « und die AfD-nahe Wochenzeitung »Junge Freiheit « steigen in die Debatte ein. Positionen dramatisiert und falsch dargestellt Der Berliner Thinktank polisphere hat mehr als 40.000 X-Posts analysiert, die vor der geplanten Richterwahl abgesetzt worden sind. Das Ergebnis: Anfangs stehen vor allem Brosius-Gersdorfs Positionen zum AfD-Verbot und zur Corona-Impfpflicht im Vordergrund. Doch schon bald geht es zunehmend um ihre Ansichten zu Abtreibungen und Lebensschutz. Dazu gehört etwa die Falschbehauptung, Brosius-Gersdorf befürworte Abtreibungen bis zum neunten Schwangerschaftsmonat. So schreibt etwa die AfD-Politikerin Beatrix von Storch bereits am 2. Juli auf der Plattform X,  Brosius-Gersdorf sei eine »linksradikale Aktivistin, die im Prinzip der Abtreibung bis zum 9. Monat das Wort redet«. In Wahrheit ist Brosius-Gersdorf dafür, dass Spätabtreibungen grundsätzlich rechtswidrig bleiben sollen. Der Nachrichtendienst X steche »als Diskursarena unter allen Plattformen« besonders heraus, sagt die polisphere-Desinformationsanalystin Hannah Schimmele dem SPIEGEL. Gleichzeitig treiben rechtspopulistische Internetplattformen die Debatte weiter voran.

via spiegel: Streit über Kandidatin für Verfassungsgericht Diese Akteure stehen hinter der Netzkampagne gegen Brosius-Gersdorf

siehe auch: BROSIUS-GERSDORF: WIE DIE UNION VON EINER RECHTEN KAMPAGNE MANIPULIERT WURDE. Die Kandidatur der Rechtsprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf für das Bundesverfassungsgericht ist zum Spielball einer orchestrierten Desinformationskampagne von rechts geworden – mit erschreckendem Erfolg. Eine Welle aus Falschinformationen, emotionaler Empörung und gezielter Empörungsproduktion im Netz hat ausgereicht, um die CDU/CSU-Fraktion zu kippen. Und eine Formalie zum rechten Kulturkampf zu machen. Am Ende wurde die eigentlich breit unterstützte Kandidatin – eine profilierte Juristin der Mitte – von der Tagesordnung des Bundestags gestrichen. Der Vorgang zeigt, wie anfällig die Union inzwischen für rechtsextreme Narrative ist und wie machtlos auch unsere Regierung gegen digitale Empörungswellen ist. Eine Analyse und ein Faktencheck des Desasters der Union. (…) Das gilt auch für die drei wichtigsten Themen, die jetzt Teil der Desinformationskampagne waren: In der Debatte um die Impfpflicht hätte sie diese – wie die meisten Rechtsprofessoren übrigens – für verfassungskonform gehalten. Ein AfD-Verbot hielte sie für sinnvoll, „wenn es genügend Material gibt“. Eine Position, die offensichtlich unkontrovers ist – denn sie gibt einfach nur das Grundgesetz wieder, das Parteiverbote ausdrücklich ermöglicht. Und abseits der inhaltlichen Debatte glaubten viele Unionspolitiker, es habe „Plagiatsvorwürfe“ gegeben, doch das sind rechte Fake News. Der höchst umstrittene „Plagiatsjäger“, der dazu herangezogen wird, erklärt selbst, er habe „keine Plagiatsvorwürfe“ erhoben. Er habe sie hingegen „vielmehr zurecht gegen Herrn Merz und Herrn Voigt“ erhoben. Es gäbe inhaltlich ähnlich zitierte Textpassagen in Arbeiten von Brosius-Gersdorf und ihrem Mann. Die Arbeit des Mannes wurde später veröffentlicht, aber der rechte „Plagiatsjäger“ erklärt, die Arbeiten seien zeitgleich entstanden. Die Universität Hamburg hat erklärt, bisher gebe es noch nicht hinreichend belegte Hinweise auf Verstöße gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis. Brosius-Gersdorf war also ziemlich unkontrovers eigentlich. Auch für die Union. Friedrich Merz und Jens Spahn haben sich für sie ausgesprochen. Normalerweise haben ein Kanzler und ein Fraktionsvorsitzender auch ihre Fraktion und etwaige Bedenken im Griff, dass das kein Problem darstellt. Doch offenbar nicht die beiden.

IDENTITÄRE UND ESOTERIKER Fülle rechtsextremer Videos war auf FPÖ-Account monatelang online

Mit Massenabschiebungs-Propaganda und Bildern einer “rassenreinen” Gesellschaft fand der Account massive Verbreitung. Das nunmehrige Löschen einzelner Videos ist laut dem Tiroler Neos-Chef Dominik Oberhofer unzureichend. Für Aufsehen sorgte in den vergangenen Tagen ein Tiktok-Video der FPÖ Tirol, in dem deren Obmann Markus Abwerzger mit einer Pappkrone des US-Fast-Food-Anbieters Burger King lächelnd durch eine Straße in Innsbruck marschiert. Die Szene sei als Zitat eines in der rechtsextremen Szene viralen, in einem US-Flugzeug aufgenommenen Videos zu verstehen, in dem ein Mann mit einer Burger-Krone eine schwarze Frau mit dem N-Wort beschimpft, kritisierten ÖVP, SPÖ und Grüne, nachdem das Onlinemedium Campus A über das Video berichtet hatte. Dienstagfrüh suchte man nun besagte Aufnahme auf Tiktok vergebens. Die FPÖ Tirol hatte sie und eine Reihe weiterer Posts entfernt. In den Tagen davor hatte es auf dem blauen Account von Videos mit identitären und aus der rechtsextremen Jugendszene stammenden Codes samt tausenden einschlägigen Kommentaren nur so gewimmelt. Unterlegt war das mit einem der FPÖ besonders wichtigen Thema: der massenhaften Abschiebung von Ausländern. Videos gesichert Viele der gelöschten Videos und Kommentare sind gut dokumentiert. Am Sonntag verbrachten der Tiroler Neos-Landeschef, Nationalratsabgeordneter Dominik Oberhofer samt Mitarbeitenden den Tag damit, den FPÖ-Tirol-Account auf Tiktok und Instagram zu sichten. “Von sechs bis 23 Uhr” habe das gedauert, schildert Oberhofer. Er behält sich Anzeigen vor. Der Neos-Politiker hat dem STANDARD die Ergebnisse seiner Bemühungen zur Verfügung gestellt. Sie liefern Einblicke in rechtsextreme, esoterische sowie identitäre Weltsichten, die laut dem Leiter der Abteilung Rechtsextremismus im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), Bernhard Weidinger, unter dafür empfänglichen Jugendlichen derzeit international im Vormarsch sind. Millionen Zugriffe Der Tiktok- und Instagram-Account, der laut dem Politiker Oberhofer seit März 2025 von einem eigenen jungen FPÖ-Tirol-Mitarbeiter betreut wird, hat denn auch extrem viele Zugriffe, in Einzelfällen mehr als zwei Millionen. In den Kommentaren kommen häufig Zahlenkombinationen wie 88 (für die Anfangsbuchstaben des Nazi-Grußes “Heil Hitler” im Alphabet) oder 271 (für die 271.000 in der NS-Zeit laut rechtsextremer Propaganda ermordeten Juden und Jüdinnen – tatsächlich waren es mehr als sechs Millionen Menschen). Besagte Videos kreisen mehrheitlich um das Thema Abschiebungen, immer wieder geistern Scharen von türkisen Flugzeugsymbolen über den Screen. Ein Video – es kommt im Account nicht mehr vor – verdichtet Aufnahmen von startenden und landenden Fliegern zu massiver Pro-Abschiebungspropaganda. Rechtsextreme Vril- und Agartha-Mythen Ein weiteres Video, es war Dienstagvormittag noch zu sehen, zeigt – unterlegt mit den Anfangsklängen des in den 1970er-Jahren aus der schwarzen US-Community stammenden Songs TSOP – Stempel, die das Wort “abgeschoben” auf Papier drucken. In einer anderen Aufnahme stößt FPÖ-Chef Abwerzger mit zwei Personen “nach fünf Jahren FPÖ-Regierung” auf die erfolgreiche Vertreibung sämtlicher unliebsamer Ausländerinnen und Ausländer bei Weißwein an. Der Slogan dazu: “Sie sind endlich alle weg”.

via standard: IDENTITÄRE UND ESOTERIKER Fülle rechtsextremer Videos war auf FPÖ-Account monatelang online