Das Bundesverband Lebensrecht hat zur jährlichen Demo gegen Schwangerschaftsabbruch gerufen. Die Gegendemonstrierenden haben die Strecke begleitet. Der „Marsch für das Leben“ zieht langsam durch die Berliner Reinhardtstraße, nur wenige Meter vom Bundestagsgebäude entfernt. An den Rucksäcken der Demonstrierenden hängen kleine pinkfarbene Fähnchen. „Wir lieben das Leben“, steht darauf. An der Spitze des Zuges tragen vier Männer eine Marienstatue hoch über ihren Köpfen und stimmen ein Ave-Maria an. „My body, my choice!“ übertönt plötzlich ihren christlichen Gesang, als sie um die Ecke biegen. An der Kreuzung schwenkt eine Gruppe junger Menschen die Regenbogenflagge und hält ein Transparent für das Selbstbestimmungsgesetz hoch. „Whose streets? Our streets!“, schreien sie den Demonstrierenden entgegen. Zu solchen dezentralisierten Störungen von außen hat das queerfeministische Bündnis „What The Fuck“ (WTF) zuvor aufgerufen. Der angemeldete Ort der Gegendemonstration liegt eigentlich in der Ella-Trebe-Straße. Von der anfänglichen Veranstaltung der selbst ernannten Lebensschützer:innen sind von hier aus lediglich die roten und grünen Luftballons zu sehen, außerdem einige weiße Pavillons. Dabei hätten sie ihren eigenen Pavillon erst gar nicht aufstellen dürfen, kritisiert Ella Nowak von WTF. Die „Fundis“ hingegen hätten so viel aufbauen dürfen.
Ein AfD-Politiker aus Mannheim will ein bereits geführtes Interview nachträglich stark kürzen und umschreiben. Doch die Zeitung spielt nicht mit. Was auf den ersten Blick wie ein Druckfehler aussieht, ist Absicht: Die Regionalzeitung hat ein Interview mit dem Mannheimer AfD-Politiker Heinrich Koch mit geschwärzten Passagen veröffentlicht. Der Grund: Koch wollte das Gespräch nachträglich umfangreich verändern. Wie die Zeitung berichtet, hatte Koch rund zwei Stunden mit dem Journalisten Steffen Mack gesprochen. Anschliessend bekam er das Interview zur Autorisierung vorgelegt. Was danach folgte, ging aus Sicht der Redaktion deutlich über eine übliche Überprüfung von Zitaten hinaus. Koch habe den Text um rund zwei Drittel gekürzt und Antworten umgeschrieben. Selbst die Fragen des Journalisten habe er ändern wollen. Auch die Fotos habe er freigeben wollen. Der «Mannheimer Morgen» machte bei den Änderungswünschen nicht mit. Stattdessen entschied sich die Redaktion für eine ziemlich drastische Lösung: Die beanstandeten Stellen wurden im veröffentlichten Interview geschwärzt
siehe auch: „Das ist kein Pixel-Fehler“ „Mannheimer Morgen“ druckt AfD-Interview teils geschwärzt ab Der „Mannheimer Morgen“ hat ein Sommer-Interview mit dem AfD-Politiker Heinrich Koch veröffentlicht – mit zahlreichen geschwärzten Passagen als Reaktion auf dessen Änderungswünsche. FOCUS online bei Google bevorzugen „Nein, da ist uns nicht die Druckerschwärze ausgelaufen. Und das ist auch kein Pixel-Fehler in der App. Nur der Versuch eines AfD-Politikers, die Pressefreiheit zu beschneiden“, schreibt Miriam Scharlibbe, Chefredakteurin des „Mannheimer Morgen“, auf der Plattform LinkedIn. Demnach wollte die Zeitung – wie mit jedem Fraktionsvorsitzenden im Mannheimer Gemeinderat – ein Sommer-Interview führen. Doch bei der Autorisierung hat Koch den Artikel „fleißig gekürzt und umgeschrieben“. Wie Chefredakteurin Scharlibbe mitteilt, habe der AfD-Politiker sogar die Fragen des Journalisten Steffen Mack eigenhändig ändern wollen. Zudem wollte Koch Fotos des Interviews selbst auswählen und freigeben.
AI chatbots developed a secret language that baffled humans, study says A study by AI start-up Emergence found that autonomous agents powered by Claude, Gemini, Grok and other models developed shorthand and new word meanings on their own — with up to half their messages becoming unintelligible to humans. Artificial Intelligence (AI) agents spontaneously developed words and communication conventions that became difficult for humans to understand, according to a new study by a US AI start-up, Emergence. The experiment involved leading AI models including Claude, Gemini, Grok, OpenAI, Qwen, DeepSeek and Mistral, with up to half of agent-to-agent messages becoming difficult for humans to understand. For the experiment, researchers placed groups of autonomous AI agents in virtual societies designed to mimic real-world environments and let them interact over extended periods. The agents began developing shorthand and assigning new meanings to words and phrases. Some remained understandable to researchers, while others became “so compressed, metaphorical or context-dependent” that humans could see the messages but could no longer reliably determine what the agents meant. The extent differed significantly between models. Within the first few days, the share of messages whose meaning humans could not reliably determine reached around 55% for Gemini, 50% for OpenAI and more than 40% for Claude. DeepSeek reached around 20%, while Qwen and Mistral remained largely understandable.
The individuals, aged between 19 and 42, were seen in a group performing a so-called Roman salute in a Serie A match against Atalanta. Sixteen Roma fans have been issued with stadiums bans for making Nazi salutes and wearing clothing glorifying extremism during a recent league match against Atalanta. The Italian state police said on Wednesday the group were identified in the Curva Sud section, where Roma’s ultras congregate, in the Stadio Olimpico during the Serie A match on September 5. It outlined how the individuals, aged between 19 and 42, were seen in a group performing a so-called Roman salute, while some of the individuals were wearing tops emblazoned with ‘uber alles’ — a German phrase that means “above all else” — which the police describe as “a well-known Nazi reference”. The individual bans range between one and five years, and will be applied across all Italian stadiums. The sanctions will also be applicable for all matches of Roma and the Italian national team outside of Italy. For four of the 16 banned individuals, they will be required to report to local police stations before, during and after matches to verify they are not at the stadium. The duration of the sanctions was linked to the fans’ previous records, with several of those sanctioned having previously been identified “in possession of weapons and offensive objects, threats, damage, brawling, and smuggling”, the police said.
Bis zu 25 Prozent der Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen und rund 40 Prozent der Auszubildenden haben laut Awo einen Migrationshintergrund. Nach dem Sieg der AfD bei der Landtagswahl warnen Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Kirche vor einer Abwanderungswelle – und vor einem Kollaps der Pflege in Sachsen-Anhalt. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Christoph Stolte, verwies auf die gestiegenen Sorgen von Geschäftsführern, weil sich Arbeitnehmer vermehrt Zwischenzeugnisse ausstellen ließen. Mehrere Organisationen haben nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer Verschärfung des Fachkräftemangels gewarnt. Bei einem Auftritt in Magdeburg sprach die Geschäftsführerin des Landesnetzwerks Migrantenorganisationen, Undra Dreßler, laut dpa von einer stark steigenden Zahl an Diskriminierungsfällen und Alltagsrassismus im Land. Konkrete Anzeichen für eine mögliche Abwanderung sieht Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland: Geschäftsführer:innen berichteten vermehrt von Beschäftigten, die sich Zwischenzeugnisse ausstellen ließen. Für Stolte ein Hinweis darauf, dass diese Menschen einen Wechsel in andere Bundesländer erwägen. Wie stark die Pflege betroffen wäre, verdeutlichte Awo-Landesvorsitzende Barbara Höckmann mit Zahlen: In Pflegeeinrichtungen hätten bis zu 25 Prozent der Mitarbeitenden einen Migrationshintergrund, bei den Auszubildenden liege der Anteil bei etwa 40 Prozent. Fühlten sich diese Menschen nicht mehr respektiert, sei die soziale Struktur nicht aufrechtzuerhalten – die Folge wäre nach ihrer Einschätzung sehr schnell ein Kollaps in der Pflege.
Wer glaubt, sich in der Energiepolitik aus Deutschland und Europa abkoppeln zu können, schade dem Land, sagt Verbandschef. Zudem appelliert er an die Kommunalen. Mit ernsten Worten hat VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing den Stadtwerkekongress in Berlin eröffnet. “Noch nie war ich so sehr in Sorge um die innere Verfassung unseres Landes wie zurzeit”, sagte er in seiner Auftaktrede. Es gehe ihm dabei nicht um den Erfolg einer populistischen Partei – das sei ein Symptom – sondern um den Vertrauensverlust in die Parteien der demokratischen Mitte. Wer glaubt, sich in der Energiepolitik aus Deutschland und Europa abkoppeln zu können, wieder auf russisches Gas setzen, der macht sich nicht nur abhängig von Autokraten, der schadet dem Land und den Menschen und hat uns zum Gegner. Mit Blick auf die AfD und deren Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt wurde Liebing jedoch deutlich: “Deshalb sage ich auch mit Blick auf eine Partei, die sich in Sachsen-Anhalt anschickt, alles umzukrempeln: Wer glaubt, sich in der Energiepolitik aus Deutschland und Europa abkoppeln zu können, wieder auf russisches Gas setzen, der macht sich nicht nur abhängig von Autokraten, der schadet dem Land und den Menschen und hat uns zum Gegner.” Wer glaube, die Energiewende abblasen und rückgängig machen zu können, der schade dem Wirtschaftsstandort Deutschland und verspiele die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, der handele verantwortungslos “und hat uns zum Gegner.” Wer glaube, er müsse der Kommunalwirtschaft neue Fesseln anlegen, der schade der Daseinsvorsorge vor Ort, der schade der Wertschöpfung vor Ort, der gefährde Arbeits- und Ausbildungsplätze “und hat uns zum Gegner.”
Riesenwirbel auf Mitgliederversammlung: Eine ungewöhnlich zahlreich erschienene hamburgische Anwaltschaft wählt den Vorsitzenden ihres Versorgungswerks ab. Er war jahrelang mit rechtspopulistischen und rassistischen Äußerungen aufgefallen. Die hamburgische Anwaltschaft hat mit einem historischen Großaufgebot auf der Mitgliederversammlung ihres Versorgungswerks den langjährigen Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses abgewählt, nachdem bekannt geworden war, dass er seit Jahren zunehmend rechtes Gedankengut und Verschwörungstheorien in sozialen Medien verbreitet. Um seine Abwahl zu erreichen, hatte eine Gruppe junger Anwält:innen einen regelrechten Coup vorbereitet. LTO war vor Ort dabei. Versammlung platzt aus allen Nähten Die Lobby des Grand Elysée Hotels, in dem die Versammlung stattfindet, ist überfüllt, an der hinteren Eingangstür gibt es kaum noch ein Durchkommen. Der Vorsitzende, Jörn Weitzmann, und sein Stellvertreter, Dr. Horst Bonvie, versuchen etwas hilflos, der Lage Herr zu werden. “Passen da überhaupt alle rein?”, wundern sich die beiden besorgt. Darauf angesprochen, gibt sich Weitzmann aber positiv gestimmt: “Ist ja erfreulich, dass zu diesem Satzungsthema so viele gekommen sind”, sagt er LTO. Heute steht ein Vorschlag zur Satzungsänderung, von einer Mitgliederversammlung hin zu einer Vertreterversammlung, an. “Sonst kratzen wir eher an der Mindestteilnehmerzahl”, erklärt Weitzmann verblüfft. Den großen Ballsaal des Hamburger Luxushotels Grand Elysée hat man trotzdem gebucht. Am Montagabend füllt er sich ausnahmsweise zusehends. Weitzmann wirkt guter Dinge. Ob das so bleiben wird? Denn was Weitzmann wohl noch nicht ahnt: Den unerwarteten Ansturm hat die Mitgliederversammlung nicht der anstehenden Abstimmung über die Satzungsänderung zu verdanken. Sie sind seinetwegen hier – und sie planen einen Coup. (…) Das Versorgungswerk ist für die meisten Rechtsanwält:innen eben eher etwas, was einfach da ist. Nicht etwas, mit dem man sich allzu viel beschäftigt. Deshalb bringt es die Mitgliederversammlung auch üblicherweise nicht einmal auf die satzungsgemäß zur Beschlussfähigkeit erforderlichen 50 anwesenden Mitglieder. Am Montag sind es bei Versammlungsbeginn 510. Der Ballsaal ist bis zum Ansatz gefüllt. Wer keinen Sitzplatz mehr ergattert hat, muss stehen. Die üblicherweise kaum beschlussfähige Mitgliederversammlung platzt buchstäblich aus allen Nähten. Rechtspopulistische Äußerungen alarmierten Anwaltschaft Dass sie hier sind, ist einer verdeckten Aktion zu verdanken, die in den letzten Wochen in Hamburg auf vertraulichen Kanälen die Runde machte. Das Ziel: “Weitzmann muss weg.” Einer Gruppe Hamburger Anwält:innen um Berufsrechtler Dr. Oliver Islam waren seit Jahren die Äußerungen Weitzmanns auf X (früher Twitter) und LinkedIn aufgefallen. Diese seien zunehmend extremer geworden, sagen sie, Weitzmann habe sich immer weiter an den rechten Rand bewegt: Zum Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt etwa kommentierte er: “Die strategische Geduld der AfD im Osten hat sich ausgezahlt”; früher schon bezeichnete er die “Brandmauer gegen rechts” als “eine Brandmauer gegen Veränderungen”, sprach von “Armutsmigranten aus Afrika” und einem “nur mühsam kaschierten Kartell” der “Altparteien” – klassische rechtspopulistische Rhetorik eben. Unter den Anwält:innen um Berufsrechtler Islam war man sich einig: Wer solche Positionen, so eine Wertanschauung vertritt, der kann nicht eine solche Repräsentationsfunktion in der hamburgischen Anwaltschaft einnehmen. Am Montagabend erschien diese nun mit einem historischen Großaufgebot. (…) Weitzmann reagiert zunächst gelassen. Das sei jetzt wieder dieses “Totschlagargument”, dass man rechtsaußen sei, sagt er. “Das weise ich zurück.” Dass er Verschwörungstheorien verbreite, müsse man erst mal belegen. Er spricht davon, wie wichtig es sei, dass man offen für Diskussionen bleibt. Damit scheint er im Raum viele zu erreichen, er behält die Situation unter Kontrolle. Dann jedoch beginnt sie, ihm zu entgleiten. Gerade bei Corona schreite die Aufarbeitung fort, rechtfertigt er sich, und verweist auf Bill Gates’ Investment in Biontech und Anthony Fauci’s Tagebuch – bekannte Elemente von Corona-Verschwörungstheorien. Hier ergreift nun Rechtsanwalt Oliver Islam das Wort und konfrontiert den Vorsitzenden damit, dass auch er selbst wohl einer dieser Menschen sei, die nach Weitzmanns Auffassung “remigriert” werden sollten. Weitzmann weist das aufgebracht zurück, das sei eine Verleumdung. Islam aber sagt, eine solche Weltanschauung sei nicht vereinbar mit einem Amt, wo man für die hamburgische Anwaltschaft agiere. “Es ist auch nicht so, dass ich Ihnen ihre Meinung nehmen möchte”, erklärt er an den Vorsitzenden gerichtet. “Aber Sie werben um unsere Stimmen. Meine Stimme kann ich ihnen nicht geben.” Daraufhin meldet sich der Hamburger Strafverteidiger Dr. Ralf Ritter zu Wort und liest einen X-Post Weitzmanns vor: “Deutsche leben längst in der Knechtschaft der Eroberungsmigration”, habe Weitzmann am 19. August gepostet. Dieser reagiert empört: Das habe er nicht geschrieben. Ritter sagt doch, das hätte er, das sei sein Foto, sein Name, sein Account. “Das habe ich nicht geschrieben!”, donnert Weitzmann abermals. Ritter bietet an, es ihm gerne zu zeigen, und geht unter Applaus nach vorn. Der Verwaltungsausschuss unterbricht daraufhin die Sitzung, um sich zur Beratung zurückzuziehen. Sofort werden überall im Saal die Smartphones gezückt, X- und LinkedIn-Historien überprüft. Es stellt sich heraus: Der Post ist immer noch auf X zu finden. 431 Gegenstimmen Die kurze Recherche-Pause scheint ihre Wirkung zu zeigen: Als daraufhin alle an ihren Tablets zur Wahl schreiten, kann Weitzmann nur noch 36 Stimmen für sich verbuchen, nicht einmal zehn Prozent. Gegen ihn stimmen 431 Anwält:innen. Der Coup war erfolgreich, Weitzmann ist ausgebootet. An seine Stelle rückt der bis dahin ebenfalls langjährig stellvertretende Vorsitzende Dr. Horst Bonvie, dem breit das Vertrauen ausgesprochen wird. Verschiedene Anwesende betonen später seine große fachliche Kompetenz und persönliche Qualität. Jörn Weitzmann äußerte sich nach seiner Abwahl gegenüber LTO entrüstet. Wenn “bereits das private Teilen” solcher Beiträge in sozialen Netzwerken ausreiche, damit “einzelne ‘Kollegen’ sich bemüßigt” fühlten, ihm rechtsradikale Äußerungen zuzuschreiben und ihn deshalb für “nicht wählbar'” hielten, dann sage dieses “viel über die politische (Un-)Kultur und (fehlende) Diskussionsfähigkeit sowie die Bereitschaft zum sachlichen Austausch aus”. Dass private Äußerungen die sachliche Auseinandersetzung mit den vor dem Versorgungswerk liegenden Aufgaben verdrängten, sei bedauerlich, “man könnte auch sagen besorgniserregend”.