Sie laden zum Sporttraining, hetzen gegen Migranten und Queere: Eine Datenauswertung zeigt, wie extrem rechte Jugendgruppen im Netz vorgehen, um neue Anhänger zu gewinnen. Davon dürfte auch die AfD profitieren. Die Gruppe posiert mit einem Banner vor dem Bochumer Bismarckturm. »SEI STOLZ STATT BUNT!«, steht darauf. Dazu halten junge Männer brennende Bengalos in die Höhe. Ein Bild von der Aktion postet die Junge Alternative 2024 auf Instagram. Die AfD-Jugendorganisation will zum »Stolzmonat«, dem rechtsextremen Gegenentwurf zum queeren »Pridemonth«, ein Zeichen setzen. Mittlerweile nennt sich die AfD-Jugend »Generation Deutschland«, die Junge Alternative wurde 2025 aufgelöst. Doch Instagram ist für den Parteinachwuchs weiter eine zentrale Plattform, um sich zu vernetzen, zu mobilisieren und neue Mitglieder anzuwerben. (…) Das Team des IDZ wertete alle Beiträge auf den Instagram-Accounts einschlägiger Jugendorganisationen aus, die zwischen Januar 2024 und 15. September 2026 veröffentlicht wurden. Zu den analysierten Gruppen gehören Parteijugendorganisationen, darunter die genannte »Generation Deutschland« (AfD), die »Jungen Nationalisten« (Die Heimat, früher NPD) und die »Nationalrevolutionäre Jugend« (III. Weg). Untersucht wurden auch die Posts der rechtsextremen »Identitären Bewegung«, kurz IB, einer völkischen Aktivistentruppe mit engen Verbindungen zur AfD. Zudem nahmen die Forschenden sogenannte aktionsorientierte Jugendgruppen in den Blick, die sich seit Sommer 2024 vermehrt gründen und online präsent sind. Hinter dem Begriff verbergen sich gewaltaffine Gruppen wie »Deutsche Jugend Voran« (DJV) oder »Jung und Stark« (JS), die teils vollständig unabhängig, teils parteinah sind. Aktionsorientiert bedeutet, dass die Gruppen nicht Parteistrukturen unterworfen sind, sondern dass sie vorrangig gemeinsame Aktionen anbieten, wie Stammtische, Wanderungen oder Kampfsporttraining. Die Gruppen haben ein oft militantes und gewalttätiges Auftreten gemeinsam. Ihre Mitglieder und Sympathisanten fielen in der Vergangenheit wiederholt durch brutale Angriffe auf Andersdenkende auf. Ihre Feindbilder: Einwanderer, queere Menschen und Linke. Der SPIEGEL berichtete im Frühjahr über eine Großrazzia gegen Mitglieder der DJV und von JS. (…) Die Aktivitäten der Instagramkonten zeigen laut den Forschenden des IDZ zudem, dass sich Parteijugendorganisationen mit dem militanten Vorfeld online vernetzen. Geteilte oder gemeinsame Postings und Markierungen geben darüber Aufschluss. Die Vernetzung ist zum beiderseitigen Nutzen. Nach Überzeugung der Forschenden stoßen aktionsorientierte Gruppen wie »Action Crew DE« nämlich in eine Lücke vor, die etwa die »Generation Deutschland« nicht selbst bedienen kann: Sie bieten niedrigschwellige Mitmachangebote und Gemeinschaftsgefühl statt feste Parteistrukturen. So gelingt es extrem Rechten, ihre Ideologie mit Jugend- und Subkultur zu verbinden und junge Menschen offline an sich zu binden. Maik Fielitz, Projektleiter von MATR, sagt: »Mit den unabhängigen, aktionsorientierten Jugendgruppen sind Rekrutierungspools entstanden, aus denen sich rechtsextreme und neonazistische Organisationen bedienen.« Mit anderen Worten: Wer über eine Jugendgruppe schon mit rechtsextremem Gedankengut in Berührung gekommen ist, ist später womöglich auch offen, der AfD und ihrer Jugendorganisation beizutreten. Typisch für die Instagram-Beiträge der aktionsorientierten Gruppen sind Handlungsaufrufe. Darunter fallen einfache Appelle wie »Werde aktiv« oder »Schließ dich uns an« und geteilte Links zu Mitgliedsanträgen. Dazu kommen Aufforderungen, etwa an Infoveranstaltungen und Stammtischen teilzunehmen. Das wichtigste Angebot der »Aktionsorientierten« aber sind Wanderungen und gemeinsamer Sport.
via spiegel: Mobilisierung im Netz So rekrutieren rechtsextreme Jugendgruppen auf Instagram neue Mitglieder
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