Sie hat weniger als zwei Dutzend Mitglieder und beunruhigt Fachleute dennoch: Die rechtsextreme «Junge Tat» drängt seit Monaten aggressiv in die Öffentlichkeit. Mit aufsehenerregenden Aktionen versucht sie, an gesellschaftliche Debatten anzudocken. (…) Die «Junge Tat» gehört zu den Gruppierungen der neuen Rechten, die die alten Nazi-Parteien in den letzten Jahren abzulösen begannen. Lange war die Pnos (Partei National Orientierter Schweizer) die bekannteste rechtsextreme Partei, die sich offen an der national-völkischen Gesinnung der Nationalsozialisten orientierte. Doch Anfang 2022 gab sie nach Jahren in komatösem Zustand ihre Auflösung bekannt. Verschwunden ist damit nur eine Aktionsform, nicht aber die Ideologie, wie Dirk Baier vom Institut für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) gegenüber der NZZ erklärt. Mit dem Niedergang der Pnos wurde das Feld im rechtsextremen Lager frei für einen Generationenwechsel. Die zentralen Figuren in der «Jungen Tat» sind M. C. und T. L. – beide erst nach der Jahrtausendwende geboren. Und beide sind wegen ihrer hetzerischen Tätigkeit bereits vorbestraft: 2020 loggten sie sich zusammen mit weiteren Mitstreitern in Zoom-Vorlesungen der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) ein und platzierten rassistische sowie antisemitische Sprüche und manifestierten ihre offene Bewunderung für Hitler. In einem Videofilm der «Eisenjugend Schweiz» posierte M. C. zur gleichen Zeit mit einer Kalaschnikow. Und schon damals drängte der Winterthurer mit rassistischen Aufklebern in den öffentlichen Raum vor. In dieser Phase testete M. C. mit einigen Mitstreitern das Potenzial rechtsextremer Parolen vorerst noch auf eher grobschlächtige Weise aus, mit Folgen: M. C., der an der ZHdK studiert hatte, wird nicht nur verurteilt, er fliegt wegen seiner Aktionen auch von der Schule. All das bezeichnen M. C. und T. L. heute als «jugendlichen Leichtsinn». Corona verleiht der Bewegung Schub An der Gesinnung änderte sich freilich nichts. Aus der «Eisenjugend» und der «Nationalistischen Jugend Schweiz» ging die «Junge Tat» hervor, die wegen der Corona-Pandemie kräftig Schub erhielt: Die Gruppierung besuchte die Massnahmen-Demos und drängte sich immer offensiver in den Vordergrund. «Dass das möglich war und dass man sie gewähren liess, hat die Szene zweifellos bestärkt», erklärte der Freiburger Historiker Damir Skenderovic, der auf die Geschichte der Migration und des Rechtsextremismus spezialisiert ist, kürzlich gegenüber der NZZ.

via nzz: Wie sich die «Junge Tat» als rechtsextreme Kraft positionieren will – Europol warnt vor neuartiger Kommunikationsstrategie