„Ein Prozent“ sammelt Spenden und fördert damit rechtsextreme Projekte. Wer dafür Geld gibt, war bisher unklar. Nach einem Datenleak nun nicht mehr.Als „größtes patriotisches Netzwerk“ in Deutschland und „Widerstandsplattform“ rühmt sich der Verein „Ein Prozent“. Der Kurs ist eindeutig: Es geht gegen „Masseneinwanderung“ und die „politische Kaste“. Bereits 2023 wurde der Verein vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. In der Szene sammelt er Spenden – und händigt diese für rechte Proteste oder Prozesse gegen Gesinnungskameraden aus. Wer dafür sein Geld gab, war bisher unbekannt. Nun nicht mehr: Durch ein Leak ist jetzt ein Teil der Spender*innen bekannt. Ein Hackerkollektiv namens „Propane“ hatte nach eigener Auskunft im Juli die Daten von „Ein Prozent“ entwendet. Sie umfassen den Zeitraum von dort bis zurück ins Jahr 2021. Die taz und andere Medien konnten diese Daten nun prüfen und auswerten. Mittlerweile bestätigte „Ein Prozent“ den Datenabfluss und den Zeitraum. Der Verein spricht von rund 1.000 betroffenen Personen. „Ein Prozent“ ging schon 2016 an den Start, damals mitgegründet von den rechtsextremen Publizisten Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer. Geleitet wird das Projekt heute von Philipp Stein, einem rechten Verleger und Burschenschafter. Auch einstige Identitäre mischen in dem Verein mit – der folgerichtig auch die Kampfformel der „Remigration“ propagiert, die Massenausweisung von Personen mit Migrationsbiografie. Vom Leak betroffen ist nun der „Solifonds“ des Vereins. Dieser wurde 2021 aufgelegt und schüttet laut eigener Auskunft Gelder an „Opfer von migrantischer und linksextremer Gewalt“ aus, geht allerdings auch an Beschuldigte von Volksverhetzung. Gut 148.000 Euro will „Ein Prozent“ in den vergangenen Jahren so ausgezahlt haben. Die Spenden an den Fonds ab dem Jahr 2021 reichen von einem Euro bis 31.000 Euro von einem früheren Aktivisten gegen die Corona-Maßnahmen aus Hessen. Vor allem aber unterstützt eine Vielzahl an AfD-Politikern das „Ein Prozent“-Projekt. Darunter sind die AfD-Bundestagsabgeordneten Hannes Gnauck, Sebastian Maack, Robert Teske, Uwe Schulz, Lars Schieske, Thomas Dietz oder Thomas Ladzinski – sowie der frühere Abgeordnete Peter Bystron. Auch diverse AfD-Landtagsabgeordnete spendeten Beträge. Dazu gehört auch Sachsen-Anhalts AfD-Ministerpräsidentenanwärter Ulrich Siegmund, der 500 Euro gab. Siegmund macht schon länger keinen Hehl aus der Unterstützung von „Ein Prozent“, trat dort bereits im Podcast auf und erklärte, den Verein unterstützt zu haben. „Ein Prozent“ wiederum lobte Siegmund bereits 2021 als „Freund und Unterstützer des patriotischen, außerparlamentarischen Vorfelds“. Zu den „Ein Prozent“-Spendern zählt auch Jean-Pascal Hohm, Chef der AfD-Jugend „Generation Deutschland“ und Landtagsabgeordneter der AfD in Brandenburg (…) Und auch außerhalb der AfD gibt es einschlägige Unterstützer. So ist eine Spende von 1.000 Euro von der rechtsextremen Kleinpartei „Freie Sachsen“ vermerkt. Eine weitere kam von der völkischen Siedlergruppe „Weda Elysia“ aus Sachsen-Anhalt. Auch der Neonazi Sven Krüger aus der rechtsextremen Dorfgemeinschaft Jamel in Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Unterstützern. Er wurde erst kürzlich zu einer Geldstrafe von 7.000 Euro wegen unerlaubten Besitzes von Sprengstoff und Waffen verurteilt. Und auch der bekannte Neonazi Alexander Deptolla, einst Dortmunder, nun in Sachsen-Anhalt, spendete an „Ein Prozent“. Deptolla organisierte früher die Kampfsport-Szeneevents „Kampf der Nibelungen“ und betreibt ein gleichnamiges Label. „Ein Prozent“ selbst wiederum unterstützte in der Vergangenheit auch den Identitären-Wortführer Martin Sellner
via taz:_ Leak bei Projekt „Ein Prozent“ AfD-Geld fließt in rechtsextremen Verein
siehe auch: Spendenplattform des rechtsextremen Vereins „Ein Prozent“ gehackt Die Spendenplattform des rechtsextremen Vereins „Ein Prozent e.V.“ wurde gehackt. Dabei wurden die Daten von rund 1.000 Spender*innen extrahiert. Laut dem Datensatz haben sich mindestens vier AfD-Bundestagsabgeordnete sowie zahlreiche weitere Mitglieder und Funktionäre der in Teilen gesichert rechtsextremen Partei AfD an Spendenkampagnen des Vereins beteiligt. (…) Auf seiner Plattform solifonds.me sammelte „Ein Prozent“ Geld für ein „Schutzschild für Patrioten“. Die „Patrioten“ sollen laut Webseite Unterstützung erhalten, wenn sie „Opfer linksextremer Angriffe wurden“, „von migrantischer Gewalt“ betroffen seien oder ihre Autos angezündet wurden. Diese Plattform wurde im Juli 2026 gehackt. (…) Darin ist neben den Daten aller etwa tausend Spenderinnen auch geheimes Schlüsselmaterial für den Zahlungsdienstleister Stripe enthalten. Laut Angaben der Hackerinnen wurde der Angriff durch die Betreiber bemerkt und die Webseite daraufhin abgeschaltet. Heute leitet solifonds.me auf eine Unterseite von einprozent.de weiter. Die Daten enthalten neben Namen und E-Mail-Adressen in Einzelfällen auch Postanschriften der Spender*innen. Außerdem lassen sich der exakte Betrag, die IP-Adresse sowie der Zeitpunkt aller Spenden nachvollziehen. (…) Laut dem vorliegenden Datensatz sammelte der Verein zwischen September 2021 und April 2026 Spenden über den Zahlungsdienstleister Stripe sowie vereinzelt auch Offline-Spenden. Insgesamt wurden dabei nach Entfernung offensichtlicher Testeinträge 73.019,67 € verbucht. Davon wurden etwa 55.000 € über Stripe und rund 18.000 € offline gesammelt. Diese Summe liegt deutlich unter den Angaben in einem Blogbeitrag vom August 2026. Darin wird von rund 148.000 € ausgezahlter Unterstützung sowie einem verbliebenen Fondsbestand von rund 31.700 € gesprochen – also mehr als das Doppelte der im Datensatz erfassten Spendensumme, die sich aus der Spenderdatenbank nachvollziehen lässt. Ob und gegebenenfalls welche weiteren Finanzierungsquellen dem Solifonds zur Verfügung standen, lässt sich aus der vorliegenden Datenbank nicht nachvollziehen. 2019 betonte der Verein gegenüber der Zeit, er habe fast 50.000 Unterstützerinnen. Dem stehen nun rund 1.000 Spenderinnen gegenüber, die sich zwischen September 2021 und April 2026 in der Solifonds-Datenbank des Vereins nachvollziehen lassen.
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