Viele Fans des Sängers glauben, er sei in der Vergangenheit vielleicht missinterpretiert worden – dabei waren sein Judenhass, seine Reichsbürger-Fantasien und Verschwörungslügen unmissverständlich. Xavier Naidoos politische Meinung finde er gut, sagt ein Konzertbesucher. Was der Sänger während der Corona-Zeit von sich gegeben habe, stimme doch. Eine Frau lobt, Naidoo sei auch zuvor schon „wach“ gewesen. Er habe beispielsweise früh erkannt, welche Form die Erde in Wirklichkeit besitze. Und im Herzen sei er heute „auf jeden Fall“ noch ganz der Alte. Die Aussagen stammen aus einem Video, das aktuell auf Telegram kursiert. Der rechtsextreme Aktivist Matthäus Westfal feiert darin das Comebackkonzert Naidoos in Köln und lässt Besucher in der Warteschlange vor der Arena zu Wort kommen. Manche freuen sich, Naidoo sei „hart geblieben“, oder beklagen, den Deutschen sei die Meinungsfreiheit genommen worden. Hat sich Naidoo bloß missverständlich geäußert? Für welche Aussagen Naidoo genau in der Kritik stand, erfährt man nicht. Genau dies blieb auch in vielen seriösen Presseberichten unerwähnt, die sich mit dem Comeback des Sängers beschäftigten. Vage war etwa von „Antisemitismusvorwürfen“ die Rede. Als Leser bekam man leicht den Eindruck, es handle sich um einzelne, womöglich missverständlich formulierte Aussagen des Sängers. Dieser Eindruck ist grundfalsch. Die Aussagen, die Naidoo tätigte, waren so explizit, niederträchtig und zahlreich, dass niemand ernsthaft behaupten kann, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Sie glauben kein Stück, dass Naidoo mit ihnen gebrochen hat. Experte Josef Holnburger über Xavier Naidoos extremistische Wegbegleiter Besonders drastisch fielen die hasserfüllten Thesen über Juden aus. Naidoo verbreitete ein Video mit der Aussage, der Holocaust sei eine „gelungene historische Fiktion“. Er verbreitete die antisemitische Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ inklusive des Hinweises, das Buch sei eines der „wichtigsten Dokumente der Menschheitsgeschichte“. Den Zentralrat der Juden beschimpfte Naidoo als „Zentralrat der Lügen“. Er behauptete, es gäbe keine Semiten im Zentralrat. Er schrieb: „Die sogenannten ,Juden’ sind die eigentlichen Antisemiten.“ Oder auch: „Wenn Ihr Juden seid, bin ich Koreaner.“ Naidoo behauptete, Jerusalem sei eine Fälschung, und beleidigte den Talmud. Ein anderes Mal verbreitete der Sänger eine Botschaft, in der von „Judengesindel“ die Rede ist. Er schrieb Sätze wie „Ich kann den sogenannten Juden nichts mehr glauben“ und „Ziemlich viele Juden in diesen Kinderschänder-Dreck verwickelt“. (…) In Interviews und Social-Media-Postings ließ Naidoo keine Zweifel daran, wo er politisch stand. Unter anderem verbreitete der Sänger die Behauptung, in der Bundesrepublik herrsche ein „krankes und faschistisches System“, ein anderes Mal sprach er über Pläne „zur Vernichtung der Deutschen und Deutschlands“. Die „Black Lives Matter“-Bewegung nannte Naidoo „absolut verachtungswürdig“. Dafür lobte Xavier Naidoo den mehrfach verurteilten Reichsbürger Rüdiger Hoffmann, bezeichnete ihn öffentlich als „wahren Helden“. Bei Hoffmann handelt es sich um einen ehemaligen NPD-Kader, der wegen versuchten Mordes mehrere Jahre im Gefängnis saß. Als der Antisemit Attila Hildmann nach monatelanger Hetze in die Türkei floh, um sich der Strafverfolgung zu entziehen, lobte Naidoo ihn als einen „Bruder im Geiste“. Er finde es „einfach klasse, was Attila bisher geleistet hat“. Er hoffe, Hildmann bald in seine Arme schließen zu können.
via tagesspiegel: Von wegen Missverständnis: So extrem waren Xavier Naidoos Äußerungen wirklich