Mit einem kontroversen Gastbeitrag machte Elon Musk Wahlwerbung für die AfD. Tagesspiegel-Recherchen zeigen nun: Der Text stammt womöglich gar nicht von Musk selbst – sondern von einer KI. Ein in der „Welt am Sonntag“ veröffentlichter Beitrag sorgte Ende vergangener Woche für reichlich Ärger im politischen Berlin. Darin warb der Unternehmer Elon Musk, seines Zeichens reichster Mensch des Planeten und Sonderberater des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, offensiv für die AfD. Die in Teilen gesichert rechtsextreme Partei, so Musk, sei der letzte Funken Hoffnung, den Deutschland noch habe. Doch nun legen Tagesspiegel-Recherchen nahe, dass Musk den umstrittenen Beitrag gar nicht selbst geschrieben haben könnte. Und auch keiner seiner Leute. Sondern eine Künstliche Intelligenz (KI): Das Sprachmodell Grok, das Musk mit seinem Konzern xAI selbst entwickelt hat. (…) Inzwischen hat Martin Varsavsky, Mitglied des Aufsichtsrates der Axel-Springer-Gruppe, erklärt, die Initiative zu dem Gastbeitrag sei von ihm ausgegangen. Es wurde also von ganz oben in die redaktionelle Arbeit eingegriffen. Aber was wäre, wenn Elon Musk den Beitrag gar nicht selbst geschrieben hätte? Wenn die „Welt am Sonntag“ keinen kontroversen Gastbeitrag eines der mächtigsten Menschen des Planeten abgedruckt hätte, sondern einen KI-generierten Text, erstellt in Sekunden? Der sich mutmaßlich mit Musks Meinung deckt, aber dessen Argumentation womöglich aus Millionen im Internet frei verfügbaren Versatzstücken über Deutschland und die AfD zusammengeklaubt wurde? Die Hinweise darauf, dass dies so sein könnte, sind frei im Internet verfügbar – in Musks eigenem Produkt. Beauftragt man nämlich sein Sprachmodell Grok damit, einen Meinungsartikel für eine konservativ eingestellte Zeitung zu schreiben, der zeigt, warum nur die AfD Deutschland retten könne, spuckt das Programm einen Text aus, der Musks „Welt“-Beitrag zum Verwechseln ähnelt. In Ton, Argumentation, Struktur – und an vielen Stellen auch wörtlich. Ebenso die Struktur des Textes, den Grok auf die Frage nach einem Meinungsartikel produziert: Sie ist immer nahezu identisch mit Musks Gastbeitrag. Nach einer kurzen Einleitung wird jedes Argument mit Stichpunkten anmoderiert, die denen aus der „Welt am Sonntag“ ähneln: wirtschaftliche Wiederbelebung, kulturelle Integrität, politischer Realismus etwa. Verdacht auch bei „Welt“-Mitarbeitern Ebenfalls auffällig: Diese Struktur bleibt auch erhalten, wenn man den Inhalt der Anfrage ändert, etwa einen Text produzieren lässt, nach dem nur Kanzler Olaf Scholz oder Grünen-Chef Robert Habeck Deutschland retten können sollen. „Dass bei verschiedenen Prompts eine ähnliche Struktur herauskommt, spricht dafür, dass auch das Original KI-erzeugt sein könnte“, sagt DFKI-Mann Karger. Dann würde das Sprachmodell nämlich schlicht davon ausgehen, dass auf die Frage nach einem Meinungsartikel die entsprechende Textform folgen müsse
via tagesspiegel: Umstrittener Text in der „Welt am Sonntag“: Wurde Elon Musks Pro-AfD-Artikel von einer KI geschrieben?
siehe auch: Wahlempfehlung für die AfD Musk schrieb seinen “Welt”-Artikel wohl gar nicht selbst. In einem Gastbeitrag für die “Welt am Sonntag” machte Tech-Milliardär Elon Musk Wahlwerbung für die AfD. Es gibt allerdings Hinweise, dass Musk den Text nicht selbst geschrieben hat. (…) Denn Martin Varsavsky, Aufsichtsrat von Axel Springer, erklärte in einem Post auf Musks Kurznachrichtendienst X nicht nur, er habe die Idee für den umstrittenen Gastbeitrag gehabt, sondern veröffentlichte dazu auch noch den vollständigen englischsprachigen Text, den Musk bei der “Welt am Sonntag” eingereicht hatte. Schon bald nach der “WamS”-Veröffentlichung hatten verschiedene Journalisten auf Twitter aufgrund der im Text verwendeten Sprache gemutmaßt, Musk habe den Text nicht selbst geschrieben, sondern von einer KI texten lassen. t-online hat die von Varsavsky veröffentlichte englische Version nun durch verschiedene Analysetools überprüfen lassen – und kommt zu einem eindeutigen Ergebnis. “ZeroGPT” der gleichnamigen Firma kommt zum Schluss, dass Musks Text mit einer Wahrscheinlichkeit von 52,81 Prozent von einer Künstlichen Intelligenz getextet wurde. Noch deutlicher sind die Ergebnisse beim “AI Detector” von Quillbot, der glaubt, dass 79 Prozent des gesamten “WamS”-Textes von einer KI stammen. “GPTZero”, das von Edward Tian, einem Studenten der US-amerikanischen Princeton-Universität, entwickelt wurde, ist sich sogar sicher, dass 93 Prozent des Gastbeitrags aus der KI-Feder stammen – lediglich sieben Prozent sollen noch von einem Menschen bearbeitet worden sein. Selbst X-KI stellt Urheberschaft Musks in Frage Sogar der X-eigene KI-Assistent “Grok”, den Elon Musk auf seiner Plattform immer wieder anpreist, findet mehrere Hinweise darauf, dass der Text nicht vom Tech-Milliardär und Trump-Vertrauten selbst stammt. “Der bereitgestellte Text soll von Elon Musk verfasst worden sein, doch es gibt mehrere Hinweise darauf, dass es sich nicht um einen authentischen Text von ihm handeln könnte”, schreibt “Grok”. Insbesondere die Struktur und die Sprache des Textes würden mehrere Merkmale eines KI-generierten Artikels aufweisen, heißt es von “Grok”. Dies zeige sich vor allem darin, “wie Argumente konstruiert werden, in der Verwendung von sich wiederholenden Phrasen zur Hervorhebung und einem etwas generischen Ton, wenn komplexe politische Themen diskutiert werden”.