Taleb al-A. und der OEZ-Attentäter David S. haben einige Gemeinsamkeiten: Hass auf Muslime, Sympathien für die AfD und womöglich auch psychische Probleme. Die Ersten, die sich nach der Tat zu Wort melden, wollen es immer schon gewusst haben. Weil ihre Ideologie nichts anderes zulässt. Ein Migrant! Islamist! Merkel ist schuld! Dann ist plötzlich alles anders. Weil sich herausstellt, dass der Attentäter selbst muslimische Migranten gehasst hat. Weil er geglaubt hat, dass nur noch die AfD Deutschland vor der befürchteten „Umvolkung“ retten könne. Und weil er gemordet hat, um diese vermeintliche Rettung voranzutreiben. So wollten es seine wirren Gedanken. Von Magdeburg könnte hier die Rede sein. Aber auch von München im Jahr 2016. Damals ermordete an einem Juliabend ein 18-jähriger Deutsch-Iraner neun zumeist junge Menschen am und im Münchner Einkaufszentrum OEZ, ehe er von der Polizei gestellt wurde und sich selbst tötete. Die Parallelen zwischen dem Münchner David S. und dem Bernburger Taleb al-A. sind erschreckend. (…) Der in München geborene David S. hasste Muslime so sehr, dass er kurz vor seiner Tat seinen Geburtsnamen „Ali“ offiziell ablegte. Er war ihm zu „billig“. Die deutsche Politik gehe nicht hart genug gegen radikale Muslime vor Wie der Arzt aus Bernburg hasste der Schüler aus München auch die deutsche Politik und die Gesellschaft, weil sie nicht hart genug gegen radikale Muslime vorgingen. Beide sahen das Heil in der AfD – und in den eigenen Mordplänen. David S. verknüpfte die beiden Ideen immer wieder, etwa wenn er in einem Chat Lkw-Anschläge ankündigte: „Unsere Gegner sind jetzt Salafisten, Wirtschaftsflüchtlinge, Merkel.“ Das erhoffte Ziel: „Die AfD wird durch uns in die Höhe gepusht, die Salafisten werden in die Zielscheibe geraten.“ So wie al-A. seinem Hass auf Muslime auf X offen Ausdruck verlieh, tat S. das in rassistischen, islamfeindlichen Gruppen auf diversen Spiele-Plattformen. Dort vernetzte er sich mit Rechtsextremisten, Amok-Fans und Rassisten. In Gruppen wie dem „Anti-refugee club“ bewunderte man den norwegischen Massenmörder Anders Breivik. Bei geheimen Schießübungen vor dem Anschlag rief S. in einem Keller unter der heimischen Wohnung: „Ihr salafistischen Bastarde. Ihr habt hier in Deutschland nichts zu suchen, die AfD wird euch alle ausschalten.“ „Rechtsextremismus setzt menschenfeindliche Ideologie, aber keine weiße Haut oder deutsche Abstammung voraus“, konstatierte am Samstag der an der Hochschule Magdeburg-Stendal lehrende Extremismusforscher Matthias Quent unter Verweis auf München 2016. Quent verfasste 2017 nach dem OEZ-Anschlag im Auftrag der Stadt ein Gutachten, das dem Münchner Attentäter rassistische Motive nachwies. Bis die Behörden dieser Einschätzung folgten, vergingen weitere zwei Jahre.

via sz: Terror in Deutschland : Wie 2016 in München: Zum Magdeburger Anschlag gibt es auffallende Parallelen