Nach Sitzungsunterbrechung Ver­fas­sungs­rich­ter­wahl abge­sagt

Nach der kurzfristigen Unterbrechung der Bundestagssitzung steht fest: Vor der Sommerpause wird keiner der drei Kandidaten für das Bundesverfassungsgericht gewählt. Die Reaktionen im Bundestag fielen heftig aus. Nach einer kurzfristigen Sitzungsunterbrechung am Freitagvormittag hat der Bundestag dafür abgestimmt, die Verfassungsrichterwahl von der Tagesordnung zu nehmen. Ausschlaggebend dafür war insbesondere der anhaltende Widerstand in der Unionsfraktion gegen die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. Damit ist die Neubesetzung der drei Posten an Deutschlands höchstem Gericht vorerst vertagt. Die Sitzung war zunächst bis 11:00 Uhr, dann nochmals bis 11:30 Uhr, dann weiter bis 11:45 Uhr unterbrochen worden. Offiziell fortgesetzt wurde die Sitzung dann mit der Debatte zur Geschäftsordnung, nach der die Wahlgänge aller drei Kandidaten nach entsprechender Abstimmung von der Tagesordnung genommen wurden. Die entsprechenden Anträge waren von SPD, Grünen und Union eingebracht worden. Lediglich die AfD stimmte dagegen. “Desaster”, “Hetzkampagne”, “Armutszeugnis” Die Absetzung der Wahl sorgte für äußerst scharfe Reaktionen im Bundestag. Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, sprach von einer gefährlichen Entwicklung: Man erlebe in Deutschland inzwischen Debatten, wie sie sonst aus Polen oder den USA bekannt seien. Die “Hetzkampagne gegen eine hoch angesehene Staatsrechtslehrerin”, so Wiese, sei beispiellos. Brosius-Gersdorf sehe sich aus rechten Kreisen sogar Morddrohungen ausgesetzt. Während SPD, Grüne und Linke seinen Ausführungen mit Applaus begegneten, blieb die Union still. Für besondere Aufregung sorgte der AfD-Abgeordnete Gottfried Curio, der Brosius-Gersdorf lautstark als “Linksextremistin” beschimpfte und dafür einen Ordnungsruf kassierte. (…) Britta Haßelmann (Grüne) hingegen sprach von einem “Desaster”, dass es so noch nie gegeben habe. Die Verantwortung dafür liege bei der CDU, insbesondere ihren Köpfen Jens Spahn und Kanzler Friedrich Merz, die offenbar nicht in der Lage seien, die Ernsthaftigkeit der Lage zu erkennen. Sie warf der Union vor, sich durch rechte Medienkampagnen beeinflussen zu lassen. Ihre Rede endete mit dem Ruf: “Das kann man sich als Frau nicht bieten lassen!” – begleitet von starkem Applaus aus den Reihen von SPD, Grünen und Linken. Heidi Reichinnek (Linke) schloss sich der Kritik an. Das Nichtzustandekommen der Wahl sei ein “absolutes Armutszeugnis”, das auf ein politisches Kalkül der Union zurückzuführen sei. Sie warf Spahn eine Zusammenarbeit mit der AfD vor und sprach von einer sich abzeichnenden “blau-schwarzen Koalition”. Ihre Rede verband sie mit einem Appell für reproduktive Selbstbestimmung und gegen rechte Einflussnahme im Parlament.

via lto: Nach Sitzungsunterbrechung Ver­fas­sungs­rich­ter­wahl abge­sagt

Rechtsextremer Fotograf von Tribüne im Abgeordnetenhaus verwiesen

Ein T-Shirt mit Codes der Neuen Rechten hat im Berliner Abgeordnetenhaus für Aufsehen gesorgt. Der Fotograf soll für die AfD arbeiten. Im Berliner Abgeordnetenhaus soll am Donnerstag ein Fotograf mit Verbindungen zur rechtsextremen Szene nach einem Ordnungsruf von der Pressetribüne entfernt worden sein. Der Mann sei zuvor durch das Tragen eines provokativen T-Shirts aufgefallen, das klare Bezüge zur sogenannten „Identitären Bewegung“ aufgewiesen habe, wie der „Tagesspiegel“ berichtet. Das T-Shirt habe unter anderem die Aufschriften „East-Side White Boys“ und „Sachsengarde“ gezeigt – Bezeichnungen, die als Codes aus der rechtsextremen Szene gelten. Auf der Rückseite habe sich auch das Symbol der „Identitären Bewegung“ sowie der Begriff „Remigration“ befunden, ein Schlagwort der Neuen Rechten, das in völkisch-nationalistischen Kreisen verbreitet ist. Der betreffende Fotograf soll laut der Zeitung unter anderem für den AfD-Abgeordneten Torsten Weiß tätig sein.

via berliner morgenpost: Rechtsextremer Fotograf von Tribüne im Abgeordnetenhaus verwiesen

Pro-palästinensische Demo in #Berlin – Bericht weckt Zweifel an #Polizeidarstellung zu angegriffenem Beamten – #polizeiproblem

Ein Polizist soll bei einer pro-palästinensischen Demo im Mai in Berlin-Kreuzberg schwer verletzt worden sein – laut Polizei durch einen Angriff von Demonstranten. Nun berichten NDR und SZ, eine Videoaufnahme decke sich nicht mit der Darstellung der Polizei. Ausschreitungen bei pro-palästinensischer Demo in Kreuzberg am Nakba-Tag im Mai Polizist erleidet Verletzungen – er soll nach Polizeiangaben niedergetrampelt worden sein NDR/Tagesschau und “SZ” berichten, Videoaufnahme decke sich nicht mit Polizeiangaben Generalstaatsanwaltschaft prüft Video Bei einer pro-palästinensischen Demo in Berlin am 15. Mai soll nach Polizeiangaben ein Beamter von den Demonstranten schwer verletzt worden sein. NDR/Tagesschau [tagesschau.de] und “Süddeutsche Zeitung” [sueddeutsche.de] berichteten am Freitag, ihnen sei ein Video zugespielt worden, das sich mit dieser Darstellung der Polizei nicht decke. (…) Bei der Demonstration am Berliner Südstern kam es laut Polizei zu Ausschreitungen und Festnahmen. Laut Polizeimitteilung vom 16. Mai [berlin.de] wurden Polizeieinsatzkräfte “mit Schlägen, Tritten und Flaschenwürfen” angegriffen. “Im Zuge der dadurch resultierenden polizeilichen Maßnahmen und Festnahmen wendeten die Einsatzkräfte unmittelbaren Zwang in Form von Schieben, Drücken und Schlagtechniken an.” Weiter heißt es: “Mehrere Gewalttäter in der Menge des Versammlungsgeschehens griffen gezielt einen Polizeibeamten an, brachten ihn zu Boden und traten massiv auf ihn ein. Er wurde noch am Ort von Rettungskräften behandelt. Seine Verletzungen waren so erheblich, dass er zur stationären Aufnahme in ein Krankenhaus gebracht wurde, wo er derzeit medizinisch weiterbehandelt werden muss. Lebensgefahr besteht nicht.” Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen, die Generalstaatsanwaltschaft Berlin übernahm die Ermittlungen, wie tagesschau.de schreibt. Laut einem Polizeisprecher habe sich der Betroffene bei dem Einsatz die rechte Hand gebrochen und die Wirbelsäule geprellt. Bericht: Tritte auf Beamten nicht zu erkennen NDR/Tagesschau und “SZ” haben nun nach eigenen Angaben eine bisher unbekannte Videoaufnahme ausgewertet. Diese sei zuerst dem gemeinnützigen Verein Forensis in Berlin zugespielt worden und lasse “Zweifel an der Darstellung der Berliner Polizei aufkommen”. “An keiner Stelle kann man sehen, dass der Polizist in die Menge gezogen oder auf dem Boden auf ihn eingetreten wurde”, schreibt tagesschau.de. Die “Süddeutsche Zeitung” schreibt, der Mann bücke sich in einer Situation “freiwillig, er wird nicht von Anwesenden nach unten gerissen”. Danach stolpere ein Demonstrant durch das Schubsen eines weiteren Polizisten auf den betroffenen Beamten – dieser sei daraufhin aufgestanden und habe “mehrfach und wuchtig auf verschiedene Demonstrierende” eingeschlagen. “Kurz darauf begibt er sich zwischen seine Kollegen und hält den rechten Arm geschützt an den Körper. Danach nutzt er nur noch den linken Arm”, heißt es von NDR/Tagesschau. Rund eineinhalb Minuten später würde sich der Polizist gemeinsam mit anderen Richtung einer Absperrung begeben. “Dort wird er von Kollegen aufgenommen und gestützt, bevor er leicht zusammensackt.”

via rbb: Pro-palästinensische Demo in Berlin Bericht weckt Zweifel an Polizeidarstellung zu angegriffenem Beamten

Combat-18-Prozess: Verschleppen und verharmlosen

Im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht will die Verteidigung der vier Neonazis eine Einstellung des Verfahrens erreichen. So laut ist die Polemik, so aggressiv das Auftreten, so ungebremst die Unverschämtheiten, dass der beiläufig geäußerte Satz fast untergeht. Dabei fasst das, was Rechtsanwalt Jochen Lober sagt, die Verteidigungsstrategie perfekt zusammen, in gerade einmal vier Wörtern: »Unstrittig ist hier nichts.« Lober vertritt im Combat-18-Prozess vor dem Dortmunder Landgericht den Rechtsrockhändler Gregor Alexander M. Dem 45-Jährigen und seinen drei Gesinnungsgenossen Stanley Röske (49), Robin Schmiemann (40) und Keven L. (44) wird vorgeworfen, die militant-neonazistische Vereinigung Combat 18 Deutschland trotz des seit 2020 rechtskräftigen Verbots als Rädelsführer weiterbetrieben zu haben. Der Ende Juni gestartete Prozess ist erst vier Verhandlungstage alt, doch schon jetzt ist offensichtlich, worauf die Verteidigung setzt: maximaler Konflikt, maximale Verunsicherung der Zeuginnen, maximales Infragestellen jedes noch so kleinen Indizes, das das Bundeskriminalamt zusammengetragen hat. Nicole Schneiders, Verteidigerin des mutmaßlichen Anführers Stanley Röske aus Eisenach und eine von vielen Szene-Anwältinnen in diesem Prozess, spricht nicht nur von »reinen Spekulationen und Mutmaßungen«, auf denen die Anklage basiere. Sie wirft einer leitenden Ermittlerin sogar »bewusste Verfälschungen« und »zielorientiert falsche Behauptungen« vor. Vor dem Verbot hatten sich die aus dem gesamten Bundesgebiet stammenden Mitglieder von Combat 18 Deutschland – der Name lässt sich als »Kampfgruppe Adolf Hitler« übersetzen – regelmäßig getroffen, bei vermeintlichen Geburtstagsfeiern, zu Wanderungen und »Leistungsmärschen«, bei Rechtsrock-Konzerten, zur Vernetzung mit anderen gewaltbereiten Neonazi-Organisationen. Glaubt man der Anklage, dann ging das nach dem Verbot genauso weiter. Mit denselben Personen.

via nd: Combat-18-Prozess: Verschleppen und verharmlosen

Schon nach einer Minute schmeißen die AfD-Rüpel die neuen Benimmregeln über Bord

Die AfD kündigte an, gemäßigter aufzutreten im Bundestag. Direkt wird klar, dass die neuen Benimmregeln heiße Luft sind. Eigentlich hatte die AfD-Fraktion im Bundestag bei ihrer Klausurtagung am Wochenende neue Benimmregeln beschlossen. Partei- und Fraktionschef Tino Chrupalla spricht von einer „Professionalisierung“. Die Rechtsaußen-Politiker wollen gemäßigter und rhetorisch weniger aggressiv auftreten, auch um perspektivisch eine Machtoption mit der Union zu bekommen. Doch wie rüpelhaft die Fraktion weiterhin auftritt, zeigt sich schon direkt bei der Bundestagssitzung am Mittwoch (9. Juli). Vor der Generaldebatte zum Kanzlerhaushalt begrüßt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eine neue Abgeordnete. Die AfD reagiert darauf gewohnt unangenehm. (….) Später in der Debatte droht Klöckner der AfD-Fraktionschefin sogar mit einem Rauswurf aus dem Plenarsaal. Alice Weidel spricht bei einer Rede von Jens Spahn ständig dazwischen, darauf stellt Klöckner klar: „Frau Dr. Weidel, die AfD hat eine Redezeit, Sie können das alles zusammenfassen nachher. Jetzt hat der Redner das Wort hier.“ Doch Weidel pfeift drauf, worauf die CDU-Politikerin droht: „Wir zwei diskutieren hier nicht. Sonst können Sie den Saal hier verlassen!“

via der westen: Schon nach einer Minute schmeißen die AfD-Rüpel die neuen Benimmregeln über Bord

„#Steigbügelhalter der extremen Rechten“ – CDU-Abgeordneter und FDP-Frau feiern mit AfD Sommerfest im Schloss bei #Teterow – #braunzone

Ein mittlerweile offenbar gelöschter Post in sozialen Medien sorgt für Wirbel in der MV-Politik. Das Foto zeigt die beiden Parlamentarier Thomas Diener (CDU) und Sandy van Baal (FDP) beim geselligen Beisammensein mit der AfD-Fraktion. (…) Ein mittlerweile offenbar gelöschter Post von AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer in sozialen Medien sorgt jetzt für Wirbel in der MV-Politik. Das Foto, das der OZ vorliegt, zeigt neben den AfD-Landtagsabgeordneten Jens Schulze-Wiehenbrauk, Horst Förster und Michael Meister auch den CDU-Parlamentarier Thomas Diener und die Abgeordnete Sandy van Baal (FDP) bei der gemeinsamen Feier. CDU und die Liberale auf dem Weg zu einer künftigen parlamentarischen Kooperation mit der AfD? Oder nur eine harmlose Feier? Für den innenpolitischen Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Michael Noetzel, jedenfalls steht fest: „Das tut schon fast weh, mitanzusehen, wie sich Mitglieder von CDU und FDP selbst zu Steigbügelhaltern der extremen Rechten degradieren.“ Keine zwei Monate nach der Hochstufung der AfD auf „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ durch den Verfassungsschutz posierten gleich mehrere Landtagsabgeordnete lächelnd auf dem Sommerfest der AfD-Fraktion.

via ostsee-zeitung: „Steigbügelhalter der extremen Rechten“ CDU-Abgeordneter und FDP-Frau feiern mit AfD Sommerfest im Schloss bei Teterow

Wie MVs AfD-Mitglieder zur rechtsextremen Einstufung beitragenSeit der vergangenen Woche ist das 1.000-seitige Gutachten zur Einstufung der Partei öffentlich. KATAPULT MV hat zusammengefasst, welche und womit Politiker:innen aus MV im Gutachten auftauchen: katapult-mv.de/artikel/mvs-…

KATAPULT MV (@katapult-mv.bsky.social) 2025-05-20T15:01:51.176Z

Unrechtmäßig verwendete Mittel – Rheinland-pfälzische AfD zahlt Fraktionsgeld an Landtag zurück

Die AfD-Fraktion hat gut 182.000 Euro an den Landtag zurückgezahlt. Der Landesrechnungshof hatte ihr vorgeworfen, die Mittel nicht rechtmäßig eingesetzt zu haben. Die rheinland-pfälzische AfD-Fraktion hat nach eigenen Angaben das Fraktionsgeld zurückgezahlt, das der Landtag zurückverlangt hatte. Vor einem Monat hatte der SWR einen Prüfbericht des Landesrechnungshofes öffentlich gemacht, der Rückforderungen von rund 180.000 Euro an die AfD-Fraktion enthält. Die Frist für die Rückzahlung endete am 9. Juli. Auf Anfrage des SWR teilte AfD-Fraktionschef Jan Bollinger mit, die gesamte Summe sei fristgerecht erstattet worden – jedoch unter Vorbehalt der juristischen Prüfung.

via swr; Unrechtmäßig verwendete Mittel Rheinland-pfälzische AfD zahlt Fraktionsgeld an Landtag zurück