Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern hat trotz eines Unvereinbarkeitsbeschlusses immer wieder Mitglieder mit Neo-Nazi-Vergangenheit aufgenommen. Auch der Landtagsabgeordnete Tadsen war beim NPD-Nachwuchs aktiv. Das geht aus den sogenannten AfD-Leaks hervor. von Stefan Ludmann Jan-Phillip Tadsen ist seit 2021 Landtagsabgeordneter. Im September wurde er wiedergewählt, erstmals als Direktkandidat im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Der 38-Jährige ist nach eigenen Angaben seit 2015 AfD-Mitglied, mittlerweile sitzt er im Führungsgremium, dem AfD-Landesvorstand. Schon vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter kursierten Berichte über Tadsens Aktivität in der rechtsextremen Identitären Bewegung (IB). Bilder zeigen ihn bei entsprechenden Demonstrationen. Seine Karriere behinderten die Aktivitäten in der Gruppierung nicht, obwohl die AfD eine IB-Unterstützung per Unvereinbarkeitsbeschluss eigentlich untersagt. Tadsen leitet in der Landes-AfD die Arbeitsgruppe “Asyl und Zuwanderung”. Er steht hinter dem Konzept der “Remigration”, das nach Ansicht von Kritikern auch die massenwiese Abschiebung von Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit nicht ausschließt. Tadsens politische Vergangenheit führt allerdings zu einem weiteren, bisher unbekannten Kapitel. Der gebürtige Sylter war zwischen 2011 und 2013 Mitglied der Jungen Nationaldemokraten (JN), der Nachwuchsorganisation der rechtextremen NPD, die in “Die Heimat” umbenannt wurde. Tadsen engagierte sich bei den Neo-Nazis nicht als Jugendlicher, er war zum Zeitpunkt seines JN-Eintritts 23 Jahre alt. Das geht aus den sogenannten AfD-Leaks hervor, entsprechende Informationen sind Teil der gehackten Dateien, die unbekannte Täter vor gut zwei Wochen ins Netz stellten. Das Magazin Der Spiegel hatte anschließend zuerst über Tadsen berichtet. JN-Mitgliedschaft lange verheimlicht Aus den Unterlagen ergibt sich, dass Tadsens braune Vergangenheit auch parteiintern lange unter den Teppich gekehrt wurde. Seine Zeit bei den Rechtsextremisten rutschte beim Aufnahmegespräch in Greifswald im Jahr 2015 wohl durch, der damalige Chef des AfD-Kreisverbandes Vorpommern-Greifswald jedenfalls notierte sie nicht im Aufnahmeantrag, obwohl nach früheren Mitgliedschaften explizit gefragt wird. Jahre später fiel Tadsen diese Lücke offenbar auf – kurz bevor er zum ersten Mal als Landtagsabgeordneter antreten wollte. Laut den Unterlagen aus den gehackten Daten zog Tadsen Parteichef Leif-Erik Holm ins Vertrauen. Im Oktober 2020 musste sich Tadsen dann dem Landesvorstand stellen. Er rechtfertigte sich, meinte laut Protokoll, er habe keine Führungsfunktion gehabt. Von den Jungen Nationaldemokraten habe er sich losgesagt, weil viele NS-Unterstützer dabei gewesen wären und weil sie keine glaubhaften Lösungen angeboten hätten. Der Landesvorstand erteilte nachträglich sein Okay für das Ex-JN-Mitglied Tadsen – einstimmig. Tadsen durfte AfD-Mitglied bleiben. Eine Rüge gab es dagegen für den damaligen Kreisvorsitzenden, weil der das Aufnahmegespräch nicht ordentlich geführt habe. Über Tadsens JN-Mitgliedschaft wurde öffentlich geschwiegen. Seine Vergangenheit kam erst mit den AfD-Leaks ans Licht.
via ndr: Die AfD in MV und ihre Nähe zu ehemaligen Neo-Nazis
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