Er schrieb »Menschen sind eine Krankheit«, nun ermittelt der Generalbundesanwalt. Die Behörden sind alarmiert wegen einer neuen Terrorgefahr und prüfen nach SPIEGEL-Informationen Verbindungen nach Russland. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen 19-Jährigen, der über Onlinechats Andere zu teils extrem gewalttätigen Straftaten bewegt haben soll. Kai M. soll einer der Anführer von zwei Onlinegruppierungen aus der sogenannten »Com«-Szene gewesen sein. Das ist die Szene, zu der auch der heute 22 Jahre alte Hamburger Shahriar J. unter dem Namen »White Tiger« gehört haben soll, und aus der heraus schwerste pädokriminelle Taten gegen Minderjährige und Teenager begangen werden. Für manche Com-Mitglieder ist das oberste Ziel ein von ihnen angestifteter Suizid vor laufender Kamera. Der 19-jährige Kai M. aus dem Raum Trier soll laut dem Generalbundesanwalt zu Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch eines Kindes und auch zu Brandstiftungen und Mord angestiftet haben. So lauten die nun veröffentlichten Vorwürfe gegen ihn . Für Kai M. gilt die Unschuldsvermutung. Er sitzt seit seiner Festnahme im März in Untersuchungshaft. »Tod für alle« Laut SPIEGEL-Recherchen geht man in Ermittlerkreisen davon aus, dass der Beschuldigte unter dem Namen »Stalk« aktiv war . Ein Nutzer mit diesem Pseudonym schrieb in einer Gruppe mit mehr als 250 Mitgliedern: »Wir haben diese Gruppe gebildet, um Terror in den Alltag zu bringen.« Das zeigen Beiträge aus der Com-Szene, die dem SPIEGEL exklusiv vorliegen. In anderen Beiträgen von »Stalk« heißt es »Menschen sind eine Krankheit« und »Tod für Alle«. In einem Chat leugnete »Stalk« den Holocaust und schrieb rassistische oder frauenfeindliche Kommentare. Auch den Besitz von Abbildungen sexueller Gewalt an Kindern scheint er in den Chats gutzuheißen. Die Vorwürfe gegen Kai M. könnten zu einer Entwicklung passen, die seit einigen Monaten in der Com-Szene zu beobachten ist: In einzelnen Chatgruppen dieser Szene auf den Plattformen Discord und Telegram ist eine neue Form von Extremismus entstanden. Es kommt zu Brandanschlägen oder wahllosen Angriffe auf Passanten. Den Mitgliedern geht es darum, Chaos auf der Straße zu stiften. Experten bezeichnen das Phänomen als »nihilistischen gewalttätigen Extremismus«. Die Mitglieder wollen mit ihren Aktionen in der Szene berühmt werden und filmen sich deshalb dabei. Je krasser die Gewalt, umso höher die Anerkennung, so die perfide Logik.
via spiegel: Gewalt aus dem Internet 19-Jähriger aus »White Tiger«-Szene soll zu Missbrauch und Mord aufgerufen haben
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