Wie „Stoppt die Rech­ten“ ges­tern auf­ge­deckt hat, stand beim Vorch­dor­fer Poli­zei­ein­satz ein Gene­ral­stabs­of­fi­zier im Zen­trum. Sei­ne Stel­lung­nah­me zum Waf­fen­recht, sei­ne Akti­vi­tä­ten in rechts­extre­men Ver­ei­nen und alte Tex­te zeich­nen ein Bild, das die Ein­schät­zung, es sei bei der Grup­pe, die in Vorch­dorf Schieß­übun­gen abge­hal­ten hat, kein Extre­mis­mus fest­stell­bar sei, in Zwei­fel zieht. In Vorch­dorf stürm­ten am Wochen­en­de Spe­zi­al­ein­hei­ten einen Bau­ern­hof, 19 Per­so­nen wur­den vor­über­ge­hend fest­ge­nom­men, rund 50 halb­au­to­ma­ti­sche Schuss­waf­fen sicher­ge­stellt. Unter den Anwe­sen­den: ein hoch­ran­gi­ger Salz­bur­ger Offi­zier des Bun­des­heers. Die Ermitt­lun­gen hät­ten kei­ne Hin­wei­se auf Extre­mis­mus erge­ben, hieß es zunächst – Stoppt die Rech­ten hat schon ges­tern die ers­ten Ver­bin­dun­gen offen­ge­legt, die das Bild einer harm­lo­sen, unpo­li­ti­schen Schieß­ge­sell­schaft konterkarieren. Der Offi­zier, Tho­mas R., ist kein Unbe­kann­ter. 2018 hielt er beim Inn­viert­ler Kame­rad­schafts­bund eine Rede, die selbst der Ver­an­stal­ter als „ras­sis­tisch“ cha­rak­te­ri­sier­te. Es folg­ten Straf­an­zei­ge (das Ver­fah­ren wur­de ein­ge­stellt) und dis­zi­pli­nä­re Kon­se­quen­zen in Form einer zeit­wei­sen Sus­pen­die­rung. In Vorch­dorf soll er nicht nur anwe­send gewe­sen sein, son­dern als Rädels­füh­rer der Grup­pe auf­ge­tre­ten sein. Die Poli­zei zeig­te ihn wegen Wider­stands gegen die Staats­ge­walt an. Der „Stan­dard“ (15.10.25) ist wei­ter fün­dig gewor­den: R. ver­fass­te jüngst eine umfang­rei­che Stel­lung­nah­me gegen die Ver­schär­fung des Waf­fen­rechts. Dar­in stellt er das „Natur­recht“ über das „gesatz­te Recht“, for­dert statt Ver­schär­fun­gen die Libe­ra­li­sie­rung und argu­men­tiert, erfül­le der Staat den Schutz­auf­trag nicht, sei es „das Recht des Ein­zel­nen, hier Abhil­fe zu schaf­fen“. Er zitiert dazu „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Wider­stand zur Pflicht!“, das er (fälsch­li­cher­wei­se) Bert Brecht zuschreibt. Die Lek­tü­re die­ser Stel­lung­nah­me zeigt Moti­ve, die man aus staats­de­le­gi­ti­mie­ren­den Milieus und US-ame­ri­ka­ni­schen „Second Amendment“-Narrativen kennt: das Pathos eines über­po­si­ti­ven „Natur­rechts“, die Behaup­tung eines gene­rel­len Poli­tik- und Poli­zei­ver­sa­gens, die For­de­rung, „jedem geset­zes­treu­en Bür­ger“ Waf­fen­be­sitz­kar­te und Waf­fen­pass aus­zu­stel­len und die Dro­hung, sonst wür­den sich Bür­ger „ille­ga­len Zugang“ zu Schuss­waf­fen ver­schaf­fen. (…) Wie wei­te­re Recher­chen von Stoppt die Rech­ten zei­gen, war Tho­mas R. von 10.2.2020 bis 9.2.2022 Obmann-Stell­ver­tre­ter des Ver­eins „Neu­er Klub“ mit Sitz in der Fuhr­manns­gas­se in Wien, im Haus der Öster­rei­chi­schen Lands­mann­schaft (ÖLM). Das DÖW stuft die ÖLM als rechts­extre­me Orga­ni­sa­ti­on ein und doku­men­tiert deren Akti­vi­tä­ten seit Jahr­zehn­ten. Mit R. zusam­men saß im „Neuer-Klub“-Vorstand auch Tho­mas G., der 2021, also in der Ver­eins­funk­ti­ons­pe­ri­ode von Tho­mas R., im Ver­fah­ren gegen die neo­na­zis­ti­sche „Euro­päi­sche Akti­on“ zu fünf Jah­ren teil­be­dingt ver­ur­teilt wur­de. Bri­sant dabei: nach § 3a Ver­bots­ge­setz, in dem es um die Wie­der­her­stel­lung natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Struk­tu­ren geht. Mit R. eben­falls im Vor­stand: Ger­hard Stau­din­ger, in den 1990ern bis zur behörd­li­chen Auf­lö­sung beim neo­na­zis­ti­schen „Ver­ein Dich­ter­stein Offen­hau­sen“ präsent.

via stopptdierechten: Der Bundesheer-Oberst, ein Waffenrechtspamphlet und noch ein rechtsextremer Verein

siehe auch: Schießgesellschaft in Vorchdorf: Bundesheer-Oberst mit Verbindungen Die Ermitt­lun­gen zu jenen Per­so­nen, die letz­ten Sams­tag in Vorch­dorf mit einem Waf­fen­ar­se­nal ange­rückt waren, um Schieß­übun­gen ohne zu schie­ßen zu machen, hät­ten laut Ver­fas­sungs­schutz hin­sicht­lich Extre­mis­mus oder Staats­ver­wei­ge­rung kei­ne Ergeb­nis­se gebracht. (…) Über­haupt, der Ver­an­stal­ter: “ laut „Kro­nen Zei­tung“ (14.10.25) der „Brauch­tums- und Tra­di­ti­ons­ver­ein“, kurz „BTV. Seit wann hält ein sol­cher Ver­ein Schieß­übun­gen ab? Und: War­um benö­ti­gen Ange­hö­ri­ge des Bun­des­hee­res, die unter den Teil­neh­men­den waren, Schieß- oder Ziel­übun­gen in einem selt­sa­men „BTV“? Als der „Stan­dard“ (13.10.25) bei der Direk­ti­on Staats­schutz und Nach­rich­ten­dienst (DSN) nach­frag­te, ob es Ermitt­lun­gen in Rich­tung poli­ti­scher Extre­mis­mus oder Ter­ro­ris­mus gebe, hieß es aus dem Innen­mi­nis­te­ri­um, bis­her nicht: „Aktu­ell wür­den Erhe­bun­gen durch den Staats­schutz auch nicht erwar­tet.“ Tags dar­auf war die Aus­kunft schon etwas anders: Am Diens­tag ließ die Poli­zei dann wis­sen, das ober­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­amt Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung sei bereits am Wochen­en­de vor Ort gewe­sen. Ermitt­lun­gen hin­sicht­lich Extre­mis­mus oder Staats­ver­wei­ge­rung hät­ten aber „kei­ne Ergeb­nis­se“ gebracht. (derstandard.at, 14.10.25) Der „Kro­ne“ (14.10.25) gegen­über ist man da – zeit­gleich! – ganz ande­rer Mei­nung: „Der Staats­schutz ermit­telt in Ober­ös­ter­reich auf Hoch­tou­ren“ Was nun? Die „Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten“ hat­ten über die Betei­li­gung von Bun­des­heer­an­ge­hö­ri­gen bei der Schieß­sause in Vorch­dorf berich­tet. Bun­des­heer­an­ge­hö­ri­ge fah­ren auf einen pri­va­ten Bau­ern­hof, um in dubio­sem Rah­men Schieß­übun­gen zu machen, ohne Schüs­se abzugeben? Der blaue Heeres-Oberst, ein Eklat und die Vereine Die „Kro­nen Zei­tung“ titelt am 14. Okto­ber: „50 Waf­fen, 19 Fest­nah­men: Hee­res-Oberst im Visier“ Bei ihren Ermitt­lun­gen kon­zen­trie­ren sich die Beam­ten des Lan­des­am­tes für Staats­schutz und Extre­mis­mus­be­kämp­fung (LSE) jetzt aber auf einen Ange­hö­ri­gen des Bun­des­hee­res. Er wird als Rädels­füh­rer des Tref­fens ins Vorch­dorf ange­se­hen und soll sich beim Ein­satz auch mit der Poli­zei ange­legt haben. Wie die „Kro­ne“ erfuhr, soll der Oberst mit Dienst­ort Salz­burg her­um­ge­brüllt und nicht ein­ge­se­hen haben, war­um die Poli­zei auf­mar­schiert. (krone.at) Wer ist der reni­ten­te Bun­des­heer-Oberst? Ein Blick ins Ver­eins­re­gis­ter hilft wei­ter: Beim „Brauch­tums- und Tra­di­ti­ons­ver­ein“ fehlt ein klei­nes, aber wei­ter­füh­ren­des Detail, denn der heißt kor­rekt „Brauch­tums­pfle­ge und Tra­di­ti­ons­schüt­zen Ver­ein (BTV)“. Da sich die Ver­eins­prä­si­den­tin Michae­la S. offen­bar um die „Sicher­heit für alle rechts­treu­en Bür­ger“ sorgt, hat sie im Juli einen wei­te­ren Ver­ein gegrün­det, den „Ziel.Sicher e.V. — Waf­fen­hand­ha­bung & Schieß­fer­tig­keit in Perfektion“. Ihr Vizepräsident ist, wie der Vereinsregisterauszug zeigt, der Bundesheer-Oberst Thomas R; WAFFENÜBUNGEN Oberst geschäftlich mit Rechtsextremist verbunden. Die polizeilichen Ermittlungen zur Causa Vorchdorf in Oberösterreich sind wohl noch länger nicht abgeschlossen. Der verdächtige Offizier und Rädelsführer verfügt offenbar über sehr bedenkliche Verbindungen – die „Krone“ kennt die Details. (…) Beim Bundesheer kann ein etwaiges Disziplinarverfahren gegen jenen Generalstabsoberst, der im Zuge der Festnahmen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt worden ist, erst eingeleitet werden, wenn der Abschlussbericht vorliegt. Der 53-jährige Offizier gilt generell als dubiose Figur mit Hang zum Rechtsextremismus. (…) Der Offizier steht dem Verein „Institut für freie Forschung und Förderung der Menschenrechte“ als Vizepräsident vor. Dessen Präsident ist Ex-Nationalrat Karlheinz K. (62), der unter anderem wegen hetzerischer Äußerungen über Homosexualität („Kultur des Todes“) schon 2008 aus der FPÖ ausgeschlossen wurde. 2010 war K. Organisator eines Treffens mit dem Holocaustleugner Bernhard Schaub am Christofberg in Kärnten. Der Oberst und K. sind auch beruflich als Gesellschafter einer Firma verbunden.

sieeh dazu auch: 19 Personen und rund 50 Waffen: Polizei platzte in “Übungen” auf Bauernhof in Oberösterreich. Die Personen sollen mit Sturmgewehren hantiert haben. Die Polizei nahm alle 19 vorübergehend fest, die halbautomatischen Waffen waren aber rechtmäßig registriert. Zu einem Großeinsatz der Polizei ist es am frühen Samstagabend in Vorchdorf (Bezirk Gmunden) gekommen. Über Notruf hatte ein Zeuge Alarm geschlagen, weil bei einem Bauernhof mehrere Menschen mit Sturmgewehren hantieren sollen. Die Polizei nahm vorübergehend alle 19 anwesenden Personen fest und fand rund 50 halbautomatische Waffen. Bei der Überprüfung stellte sich aber heraus, dass alle rechtmäßig registriert waren. Die Personen gaben an, sie hätten Übungen durchführen wollen.