Die steirische Polizei ermittelt weiter auf Hochtouren in Sachen Hasskriminalität. Zu den mutmaßlichen Tätern gab es am Montag weitere teils haarsträubende Details. So sollen die Verdächtigen mögliche Mittäter gar „gecastet“ haben. 20 Verdächtige wurden bisher nach Razzien festgenommen: Sie sollen ihre Opfer, vorwiegend Männer, in abgelegene Gebiete gelockt, sie dort erniedrigt, gedemütigt und schwer verletzt haben. Mittlerweile ist klar, dass es sich bei den Opfern nicht vorwiegend um homosexuelle Männer gehandelt hat, zwei Drittel von ihnen waren heterosexuell. Die Verdächtigen sollen mögliche Mittäter „gecastet“ haben, sagte Polizeisprecher Markus Lamb. Potenzielle Komplizen mussten sich laut Lamb legitimieren und argumentieren, warum sie „geeignet“ dafür seien mitzumachen. „Es gibt ein arbeitsteiliges Vorgehen der Tatverdächtigen. Es gibt jene, die sich als Gruppenadministratoren ausgeben und genau darüber entscheiden, wer in die Gruppe dazukommen darf und wer nicht. Es gibt Lockvögel, die Bilder zur Verfügung stellen, oft auch junge Damen, es gibt jene, die den Schriftverkehr machen“, sagte Lamb. Dann gebe es noch die maskierten Schlägertrupps, die ihre Opfer auf perfide Weise demütigten. Den Opfern wurden die Haare abrasiert, sie mussten mit den Tätern tanzen oder Verwandte anrufen und „Beichte ablegen“. Menschenhass und Lust an roher Gewalt Es gehe gar nicht immer um die sexuelle Orientierung der Opfer. Vielmehr hätten die Tatverdächtigen tiefer Menschenhass und Lust an roher Gewalt angetrieben, sagte Lamb: „Es gibt ganz unterschiedliche Milieus. Wir haben Tatverdächtige aus dem rechtsextremen Bereich, aber auch Personen aus dem Suchtmittelmilieu und auch Personen, wo man sagen kann, sie stammen aus gutem Haus, also gut situierten Familien.“

via orf: HASSKRIMINALITÄT Ermittler: Täter „casteten“ Komplizen

siehe auch: Menschenjäger: Wie eine Neonazi-Bande ihre Opfer in die Falle lockte Neonazi-Banden locken vorrangig schwule Männer in Fallen, verprügeln und demütigen sie. profil hat die neue Hate-Crime-Welle recherchiert: Wer sind die Täter? Welche Motive haben sie? Und was ist über die Opfer bekannt? (…) Der Strafakt zur Causa hat mittlerweile einen Umfang von mehr als 3600 Seiten. Der Name der Arbeitsgruppe, „Venator“, steht im Lateinischen für „Jäger“. Unter der Leitung der steirischen Polizei führten 400 Polizistinnen und Polizisten vergangenen Freitag in den frühen Morgenstunden 26 Hausdurchsuchungen in fast allen Bundesländern durch – sechs in Oberösterreich, fünf in Niederösterreich, vier in Salzburg, zwei in der Steiermark, eine im Burgenland und jeweils drei in Tirol und Wien – sowie in der Slowakei. Eine Woche darauf fanden zwei weitere Hausdurchsuchungen statt. Bei den Razzien fanden sie Waffen und NS-Devotionalien. 20 Personen wurden mittlerweile festgenommen, 17 Männer, drei Frauen, alle zwischen 14 und 26 Jahren alt. Über 13 von ihnen wurde Untersuchungshaft verhängt, weitere Festnahmen sind nicht ausgeschlossen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Beschuldigten stammen überwiegend aus Österreich, unter ihnen befinden sich aber auch ein Slowake – er wartet noch auf die Auslieferung –, ein Rumäne, ein Kroate und ein Deutscher. Gegen die Gruppe wird wegen Körperverletzung, schwerer Körperverletzung, Raub, schwerem Raub und versuchtem Mord ermittelt – alles im Zusammenhang mit einer kriminellen Vereinigung. Die Polizei spricht von einer „hinterhältigen Form der Selbstjustiz“. Die schwersten Taten sollen sich in Salzburg ereignet haben, wo der Verdacht auf einen Mordversuch besteht. Im Pongau wurde ein Mann, der glaubte, eine jüngere Frau zu treffen, hinterrücks brutal niedergeschlagen. Ihm wurde Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, danach soll einer der Beschuldigten mit einem Baseballschläger auf ihn eingeschlagen haben, während ein anderer mit schweren Stiefeln gegen seinen Kopf getreten haben soll. (…) Die Täter verstanden sich dabei als „Pedo-Hunter“, übersetzt so viel wie „Pädophilenjäger“. „Pedo-Hunting“ ist besonders innerhalb neonazistischer Hooligan-Gruppen schon länger ein Thema. In Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden sind in den letzten Jahren immer wieder Fälle öffentlich geworden, in denen unter dem Deckmantel des angeblichen Kinderschutzes schwere Gewaltverbrechen verübt wurden. In Russland und Belarus werden mit gleichlautenden Argumenten und ähnlichen Methoden gezielt Homosexuelle verfolgt. Die Polizei betont mit Nachdruck: Die 17 Betroffenen stehen in keinem Zusammenhang mit Pädokriminalität; SCHOCKIERENDE DETAILS Täter verprügelten Opfer und rasierten ihm den Kopf Neue Details über Hassverbrechen der selbsternannten „Pedo-Hunter“: Kriminelle lockten in Salzburg Männer zu vermeintlichen Sextreffen mit jungen Frauen und schlugen auch mit Baseballschläger zu. (…) Im Pongau wurde ein Mann in einen Park gelockt, wo ihm ein Treffen mit einer jungen Frau in Aussicht gestellt worden war. Dort soll er dann von hinten niedergeschlagen und mit Pfefferspray attackiert worden sein. Die Täter rasierten ihm dann den Kopf kahl, einer prügelte das Opfer mit einem Baseballschläger und einer trat ihm mit seinen Stiefeln gegen den Kopf. Der Mann hat dem Bericht zufolge mehrere Knochenbrüche erlitten; Brutale Übergriffe auf Schwule: Zwei Verdächtige wieder auf freiem Fuß Über die Anfang 20-jährigen Österreicher wurde keine Untersuchungshaft verhängt, da laut Staatsanwaltschaft keine Verabredungs- oder Fluchtgefahr vorliegt. Jene beiden Verdächtigen, die am Freitag im Zuge der Ermittlungen gegen eine Gruppe von Personen wegen Hass-Kriminalität – sie sollen Teil eines Netzwerks junger, militanter Rechtsextremer sein, das schwule Männer zu vermeintlichen romantischen Treffen gelockt und dann gequält, beraubt und erniedrigt hat –festgenommen worden waren, wurden am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Graz auf APA-Anfrage mit. Es bestehe keine Flucht- oder Verabredungsgefahr. Die beiden Österreicher wurden somit nicht in Untersuchungshaft genommen. Ihnen wird u.a. Bildung bzw. Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Bei mindestens 17 Vorfällen wurden schwule Männer Opfer von brutalen Hassverbrechen, die über Monate von einem österreichweit agierenden Netzwerk begangen worden sein sollen.