Unter dem Pseudonym “NSU 2.0” soll er Hunderte Drohschreiben verfasst haben. Wie er an sensible Polizei-Daten kam, ist nach wie vor umstritten. Nun läuft der Prozess in Frankfurt. Laut Anklage soll Alexander M. der alleinige Täter sein. Er gilt als hochintelligent, soll Messie sein, lebte allein und ohne viele soziale Kontakte bis zu seiner Festnahme im Berliner Kiez Gesundbrunnen, einem Teil von Berlin Mitte. Er ist Sohn eines einstigen Waffen-SS-Mitglieds, was im Prozess möglicherweise eine Rolle spielen wird. Und er ist Schachspieler, was für ihn zum Verhängnis wurde. Der arbeitslose Alexander M. ist laut Staatsanwaltschaft Frankfurt der Verfasser einer beispiellosen Serie von Drohschreiben, die unter dem Stichwort “NSU 2.0” Ende 2019 bekannt geworden ist. Der gelernte EDV-Fachmann steht deshalb von heute an in Frankfurt vor dem Landgericht. Er soll am 2. August 2018 sein erstes Drohschreiben an die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Başay-Yildiz geschickt haben. Sie trat im ersten NSU-Prozess als Vertreterin einer Opferfamilie auf. Außerdem war sie bekannt geworden, weil sie es geschafft hatte, den mutmaßlichen Ex-Leibwächter Bin Ladens, Sami A., aus Tunesien zurückzuholen. Der war widerrechtlich abgeschoben worden. In dem ersten Drohschreiben an die NSU-Opferanwältin wird mit der “Schlachtung” ihrer damals noch sehr kleinen Tochter gedroht. Es ist laut Anklage der Auftakt der sogenannten NSU 2.0-Drohserie. Die letzte Mail stammt vom 21. März 2021. Dazwischen werden mehr als 100 Hassschreiben verschickt.Die meisten an Frauen: Politikerinnen, Juristinnen, Medienschaffende. Aber auch der Satiriker Jan Böhmermann und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier gehören zu den Adressaten. Böhmermann gehört deshalb auch zu den Zeugen, die vor dem Frankfurter Landgericht befragt werden sollen. Alexander M. werden in der 120 Seiten starken Anklage 85 Taten vorgeworfen, darunter 67 extreme Beleidigungen.

via tagesschau: Prozessbeginn in Frankfurt – “NSU 2.0”-Drohschreiben und viele Fragen