Am Abend des 30. Oktober 2026 verhinderten Antifaschistinnen vorerst einen rechtsterroristischen Anschlag. Gegen 19 Uhr kommt Marcello P. mit einem Benzinkanister aus seinem Wohnhaus in Wahlstedt (Schleswig-Holstein). Er will tatsächlich seinen Plan umsetzen, Menschen zu töten. Tage zuvor spricht er sich mit weiteren jungen Neonazis in einer geschlossenen WhatsApp-Gruppe namens «Terror 18» ab. Vor allem über Sprachnachrichten teilen sie in der Gruppe Details zur Tatplanung und offenbaren ihre menschenverachtenden Ansichten. Exif-Recherche liegt der Chat-Verlauf der WhatsApp-Gruppe zum geplanten Anschlag vor. Demnach war es der Plan der Gruppe, in der Nacht von Freitag auf Samstag eine Unterkunft für Geflüchtete in Winsen (Luhe) in Niedersachsen anzuzünden. Seit spätestens Mittwoch wusste auch die Polizei, dass eine konkrete Gefahr für Menschenleben besteht. (…) Gegen 18:30 Uhr fuhr Marcello P. mit seinem Fahrrad zur Tankstelle und kaufte Benzin. Als er gegen 19:00 Uhr mit einem Benzinkanister das Haus verlassen wollte, sprachen ihn Antifaschist*innen an und teilten ihm mit, dass seine Pläne bekannt sind und er jetzt an Ort und Stelle stehen bleiben soll, bis die Polizei eintrifft. P. blieb tatsächlich stehen und wartete bis die Polizei eintraf. Diese nahm ihn mit auf die Wache in Bad Segeberg. Unklar ist jedoch, ob er wieder nach Hause durfte und wie die Polizei die vorliegenden Informationen zu «Terror 18» einschätzt. Den Sicherheitsbehörden liegt der relevante Chat-Verlauf zur konkreten Tathandlung vor. (…) Die Gruppe «Terror 18» ist kein Einzelfall, sondern Beispiel für eine extrem rechte Jugendszene bundesweit, die sich virtuell in Chat-Gruppen austauscht, Gewalttaten plant, begeht und dort zur Schau stellt. Prominentestes Beispiel ist die «Letzte Verteidigungswelle», gegen die derzeit mehrere Prozesse geführt werden. Charakteristisch für diese Gruppierungen ist, dass sie oft nur kurze Zeit bestehen und wegen privater Konflikte, Abwanderung zu konkurrierenden Gruppen oder wegbrechender Führungsfiguren wieder zerbrechen. Gleichzeitig weist diese Szene eine zwar fluide aber relativ breite Vernetzung auf. Durch die vorrangig digitale Organisierung lernen sich die Mitglieder leicht bundesländerübergreifend kennen. «Terror 18» steht beispielhaft dafür, wie in kürzester Zeit junge Menschen, die sich gar nicht kennen, Anschläge planen und ausführen. So ist es möglich, dass eine Person aus Mecklenburg-Vorpommern eine Gruppe installiert, in der zwei hochgradig radikalisierte Jugendliche aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein aufeinandertreffen und ihre Pläne gemeinsam umsetzen.
via exif-recherche: ANTIFASCHISTINNEN VERHINDERN ANSCHLAG VON NEONAZIGRUPPE «TERROR 18»
siehe auch: Polizei verhindert mutmaßlich rechtsextremen Anschlag in Niedersachsen Chatnachrichten, die dem NDR vorliegen, zeigen konkrete Pläne für einen Anschlag auf eine Geflüchteten-Unterkunft in Niedersachsen. Nach Hinweisen an die Polizei griff diese ein. Ein 15-Jähriger sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Polizei in Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat womöglich einen rechtsextremen Brandanschlag auf eine Asylunterkunft in Winsen (Luhe) verhindert. Am Donnerstagabend durchsuchten Polizisten nach Informationen des NDR in diesem Zusammenhang die Wohnungen eines 19-Jährigen in Winsen und eines 15-Jährigen bei Bad Segeberg. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg bestätigte den Vorgang. Dabei seien die Smartphones der beiden beschlagnahmt worden, um sie auszulesen. Die Beschuldigten stünden unter Verdacht, sich zu einer Brandstiftung verabredet zu haben, erklärte die Sprecherin auf Nachfrage. Am Freitagabend, einen Tag nach der Durchsuchung, wurde der 15-Jährige von der Polizei bei Bad Segeberg aufgegriffen. Zeugen hatten am Abend beobachtet, wie der Jugendliche mit einem Benzinkanister durch den Ort gelaufen war. Wie die Staatsanwaltschaft Flensburg am Montag mitteilte, sitzt der Jugendliche mittlerweile in Untersuchungshaft. Neben der Verabredung zu einer Brandstiftung sei er auch dringend tatverdächtig, eine terroristische Straftat vorbereitet zu haben. Es sei zudem zu befürchten, dass er ähnliche Straftaten begehen könnte, wenn er auf freiem Fuß geblieben wäre.
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