Die Staatsanwaltschaft Graz leitet die Ermittlungen gegen die „Pedo-Hunter“. Die meisten Beschuldigten müssen sich vor Gericht noch verantworten. In den frühen Morgenstunden an einem Märztag 2025 stürmen 400 Polizei- und Spezialkräfte Häuser und Wohnungen an 26 Wohnadressen in Österreich und der Slowakei. Bei der Razzia werden Waffen und unzählige NS-Devotionalien gefunden. 20 Personen werden festgenommen, 13 von ihnen kommen in Untersuchungshaft. Die meisten sind junge Männer zwischen 14 und 26 Jahren. Gegen sie wird wegen Körperverletzung, schwerer Körperverletzung, Raub, schwerem Raub und versuchtem Mord ermittelt – alles im Zusammenhang mit einer kriminellen Vereinigung. Damals taucht in Österreich erstmals der Begriff der sogenannten „Pedo-Hunter“ auf, zu Deutsch „Pädophilenjäger“. Sie sind Kriminelle, die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzen und vorwiegend schwule Männer überfallen. Dabei locken sie ihre Opfer mit falschen Dating-Profilen an abgelegene Orte, um sie brutal zu verprügeln. Während einer der Täter am vereinbarten Treffpunkt wartet, lauern die anderen im Gebüsch und stürzen sich überraschend auf die Männer. In Salzburg wurde ein Mann hinterrücks brutal niedergeschlagen. Ihm wurde Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, danach soll einer der Täter mit einem Baseballschläger auf ihn eingeschlagen haben, während ein anderer mit schweren Stiefeln gegen seinen Kopf getreten haben soll. Im Mai 2026 fielen am Landesgericht Salzburg die ersten Urteile im Zusammenhang mit der „Pedo-Hunter“-Szene. Vier der fünf Angeklagten wurden wegen ihrer Beteiligung an brutalen Übergriffen auf zwei Männer im Oktober 2024 in der Pinzgauer Gemeinde Lend unter anderem wegen versuchten Mordes – nicht rechtskräftig – verurteilt. Die Gruppe hatte ihre Opfer über ein Fake-Profil zu Treffen gelockt und anschließend maskiert mit Sturmhauben auf sie eingeprügelt. Einer der Männer erlitt Rippenbrüche, Verletzungen im Gesicht und eine Gehirnblutung. Der Hauptangeklagte wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, eine Frau und ein weiterer Mann zu je neuneinhalb Jahren. Der fünfte Angeklagte erhielt 18 Monate bedingte Haft.
via profil: Neue Details in der „Pedo-Hunter“-Causa: 150 Personen als Beschuldigte geführt
sieeh auch: Ex-„Pedo-Hunter“ gab sich als Aussteiger, hat er alle getäuscht? Jonas G. H., ein mutmaßlicher Drahtzieher der kriminellen „Pedo-Hunter“, beteuert, aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen zu sein. Doch an seiner Geschichte bestehen Zweifel. profil hat ihn getroffen. (…) Jonas G. H. ist ein anderer geworden. Doch Details lassen seine Vergangenheit durchscheinen, wie die schwarze Lonsdale-Sweatjacke, die er an diesem Tag halb geöffnet trägt. Rechtsextreme Skinheads haben die britische Boxsportmarke in den 1990er-Jahren für sich entdeckt. Der dicke Schriftzug auf der Brust ließ sich mit dem Reißverschluss so teilen, dass „NSDA“ zu lesen war. Nur das „P“ fehlte. Genau so wie an diesem Septembertag bei Jonas G. H. „Ich will mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben“, sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs und bestellt ein zuckerfreies Cola Zero. Eineinhalb Jahre nach seiner Verhaftung versichert H., er sei ein neuer Mensch geworden. Mit einem neuen Aussehen, einer neuen Frisur und einer neuen Lebensphilosophie, bei der man sich fragt: Kann das überhaupt stimmen? Als Anfang August ein 29-jähriger homosexueller Mann in einem Einfamilienhaus im niederösterreichischen Langenzersdorf von einem 18-Jährigen brutal getötet wird, ist wieder die Rede von den „Pedo-Huntern“. Die Tat in Langenzersdorf markiert einen vorläufigen Tiefpunkt einer Entwicklung, die österreichische Ermittler und Rechtsextremismusexperten seit Jahren beschäftigt. Die selbst ernannten „Pedo-Hunter“, auf Deutsch „Pädophilenjäger“, sind Kriminelle, die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzen und schwule Männer über falsche Dating-Profile an abgelegene Orte locken, um sie dort zu verprügeln. Einer der Ersten, die in Österreich als „Pedo-Hunter“ auftreten, ist Jonas G. H. Im Sommer 2024 erstellt er den Telegram-Kanal „Pedohunters Austria“. Hooligans und Neonazis aus ganz Österreich verbreiten dort ihren Hass auf Homosexuelle und filmen Übergriffe. Vor laufender Kamera schlagen sie ihre Opfer brutal zusammen, rasieren deren Haare ab und zwingen sie zu einem „Geständnis“. Die Polizei spricht von einer „hinterhältigen Form der Selbstjustiz“. Im März 2025 kommt es zu einer Razzia. 400 Polizei- und Spezialkräfte führen 26 Hausdurchsuchungen in sieben Bundesländern durch. 20 Personen werden festgenommen. Einer davon ist Jonas G. H. Er kommt für drei Monate in Untersuchungshaft und wird als Beschuldigter im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Graz geführt. Mittlerweile wird gegen 150 Personen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Ein Gerichtsverfahren steht noch aus. In Salzburg gab es bereits erste Urteile gegen vier „Pedo-Hunter“, die besonders brutal vorgegangen waren. Sie wurden wegen versuchten Mordes zu Haftstrafen zwischen neuneinhalb und zwölf Jahren – nicht rechtskräftig – verurteilt.
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