Die AfD betont immer wieder die Meinungsfreiheit. Doch wie tolerant ist die AfD, wenn es um sie selbst geht? Eine SWR-Doku zeigt, mit welchen Methoden Kritiker bekämpft werden. In der Öffentlichkeit lobt die AfD-Parteichefin Alice Weidel schon seit vielen Jahren den guten Umgang miteinander in der Partei. Von “wohltuender Streitkultur” ist da die Rede, von der AfD als Ort, “wo das Gut der Meinungsfreiheit und der freien Meinungsäußerung geschützt und gepflegt wird.” Doch Recherchen für die SWR-Story “Inside AfD – Der Umgang mit Kritikern” zeichnen ein anderes Bild: Wer widerspricht, wer intern unbequeme Fragen stellt oder öffentlich Kritik übt, könne unter Druck geraten – in Parteigremien, als Journalist oder als normaler Bürger im Alltag. Die SWR-Story hat AfD-Insider, Zeitungsreporter und ein ganzes Dorf begleitet. Sie berichten von Drohungen, Einschüchterungsversuchen und Strafanzeigen. (,,,) Eine offene Kultur, sagt Spaniel in der SWR-Story, existiere in der AfD praktisch nicht. Kritik werde sofort als “parteischädigend” etikettiert und mit Drohungen, Abmahnungen und Parteiausschlussverfahren beantwortet. Er selbst habe massive Drohungen erhalten, ihm seien sogar Prügel angedroht worden. (…) Doch auch wer über die AfD berichtet, kann ins Visier geraten: Das erlebt Alexander Roth seit Jahren. Der Lokalredakteur des Zeitungsverlags Waiblingen erhielt im Internet explizite Drohungen – von der “Kugel in den Kopf” bis zu Folter- und Lagerfantasien. Zeitweise war der Reporter nur mit Polizeischutz unterwegs. (…) Wie die AfD zu Meinungsfreiheit und ganz allgemein zu Grundrechten steht, ist nun auch wissenschaftlich untersucht worden. In einer umfangreichen Datenanalyse hat der Kommunikationswissenschaftler Pascal Jürgens von der Universität Trier insgesamt 17.000 Beiträge führender AfD-Politiker in den sozialen Medien aufgelistet und mit den Grundrechten des Grundgesetzes abgeglichen. Die Beiträge stammten unter anderem von Alice Weidel, Markus Frohnmaier oder Jan Bollinger. Der Befund von Jürgens: Die Partei differenziere systematisch, wem Grundrechte zustünden und wem nicht. Im Zentrum der Anfeindungen seien Migranten und alle, die aus Sicht der AfD als politisch links eingestuft würden, von Journalisten bis hin zu Politikern.

via swr: Drohungen und Anzeigen: Wie die AfD ihre Kritiker bekämpft