Der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat sich offenbar seit Jahren im Internet rechtsextrem und islamfeindlich geäußert. Radikalisierungsforscher Hans Goldenbaum meint, den Sicherheitsbehörden sei dennoch nicht automatisch ein Vorwurf zu machen. Der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt ist nach Aussage des Radikalisierungsforschers Hans Goldenbaum seit langem im Netz rechtsradikal und islamfeindlich unterwegs gewesen. Goldenbaum sagte MDR AKTUELL, Taleb A. sei zwar keine zentrale Figur des globalen Rechtsextremismus. Er habe aber seit Jahren im Internet Akteure aus dem deutsch- und englischsprachigen rechtsextremen Raum rezipiert und auch eigene antiislamische Ansichten beigesteuert. Goldenbaum erklärte, bei A. fänden sich zentrale Narrative des Rechtsextremismus. Das seien die Erzählung vom angeblichen großen Austausch, Überfremdung westlicher Gesellschaften durch den Zuzug von Migranten sowie die Annahme, dass es eine Islamisierung europäischer Gesellschaften gebe: “Und wir finden verschiedene verschwörungsideologische Elemente”, dass es ein gezieltes staatliches Agieren gebe, ein “Agieren von Akteuren im Hintergrund, die genau das bezwecken, den großen Austausch und die Islamisierung. Und das man sich dagegen zur Wehr setzen sollte.”

via mdr: MAGDEBURG Radikalisierungsforscher: Mutmaßlicher Attentäter seit langem rechtsextrem

siehe auch: „Er wirkt wie ein einsamer Wolf“ Vom Muslim zum AfD-Fan: Top-Profiler analysiert den Todesfahrer von Magdeburg. Fünf Menschen sind tot, mehr als 200 verletzt: Nach der Todesfahrt eines saudischen Arztes auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind viele Fragen noch ungeklärt. Der mutmaßliche Täter: ein Arzt, Ex-Muslim, AfD-Fan und Deutschland-Hasser. Der Kriminalist und Fallanalytiker Axel Petermann erklärt im Gespräch mit FOCUS online diese seltsame Kombination und sagt, was ihn an diesem Fall besonders überrascht. FOCUS online: Herr Petermann, der mutmaßliche Attentäter von Magdeburg fuhr offenbar bewusst mit einem hochmotorisierten BMW in den vor allem von Familien frequentierten Märchen-Bereich des Weihnachtsmarktes. Was fällt Ihnen bezüglich des Tathergangs auf – und welche Strategie erkennen Sie? Axel Petermann: Der Täter hat den Tatort bewusst gewählt, um möglichst viele Opfer zu generieren. Eine enge Gasse, in der Menschen mit Kinderwagen unterwegs sind, schränkt die Bewegungsfreiheit der Opfer ein und macht sie leichter angreifbar. Wenn Kinder zu Schaden kommen oder gar getötet werden, ist zudem der emotionale Aufschrei noch größer, was den medialen Effekt der Tat verstärkt. Der Täter handelte in meinen Augen gezielt und plante die Tat als effiziente Methode, Schrecken und Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sein Vorgehen erinnert mich an das von Anders Behring Breivik, der 2011 in Norwegen 69 Teilnehmer eines Zeltlagers ermordete; auch wenn der genaue Hintergrund natürlich ein ganz anderer war. Todesfahrt von Magdeburg: Kriminalist erkennt Parallele zu Anders Behring Breivik Welche Parallelen erkennen Sie zwischen der Amok-Tat von Magdeburg und dem Massaker auf Utøya damals? Petermann: Beide Täter zeigen eine ähnliche Radikalisierung und Isolation. Breivik hatte sich in seiner Welt aus Ideologien und Verschwörungstheorien eingerichtet, und der Täter von Magdeburg scheint ebenfalls schrittweise überzeugt gewesen zu sein, dass seine Ideen die Lösung für Missstände seien. Breivik hinterließ ein Manifest, während der Täter von Magdeburg seine Überzeugungen in sozialen Medien postete und seine Tat ankündigte. Beide Täter strebten danach, mit einer spektakulären Tat ein Exempel zu statuieren und Aufmerksamkeit für ihre Ansichten zu erlangen. (…) Radikalisierung ist oft ein schleichender Prozess, bei dem sich die betroffene Person immer mehr von sozialen Gefügen löst und ein Schwarz-Weiß-Denken entwickelt. In diesem Fall scheint der Täter sich unverstanden und gesellschaftlich ausgegrenzt gefühlt zu haben. Er hatte offenbar das Bedürfnis, auf Missstände aufmerksam zu machen, stieß dabei aber auf Ablehnung. Dies könnte dazu geführt haben, dass er in seinem Denken immer extremer wurde, mit seinem alten Leben brach und schließlich den Entschluss fasste, mit einer solchen Tat Gehör zu finden;