In NRW gehen Sicherheitskräfte gegen Rechtsextremisten vor, die sich auf Social Media vernetzt haben. Die »Asgard Warriors« waren jung, gewaltaffin und stehen damit für einen Trend: die Rekrutierung von rechtem Nachwuchs im Internet. In Nordrhein-Westfalen kam es Anfang Oktober zu mehreren Durchsuchungen bei jungen Rechtsextremisten, die sich unter dem Namen »Asgard Warriors« zu einer Snapchat-Gruppe zusammengeschlossen hatten. Das geht aus Dokumenten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen. Beitreten konnte der Gruppe demnach nur, wer einen Einladungslink erhielt. Der Administrator der Gruppe saß offenbar in Bayern. Die App Snapchat ist besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt, die damit Bilder und Videos versenden, die nach einer Zeit gelöscht werden. 34 selbst ernannte Krieger – 7 davon aus NRW – waren im Mai 2024 Teil dieser Gruppe, sie teilten rechtsextreme Inhalte sowie Bilder von Stich- und Schusswaffen untereinander. (…) Als jung, minderjährig und »aktionsorientiert« kann man auch die Mitglieder der Snapchat-Gruppe bezeichnen: So wurde am 9. Oktober in NRW etwa das Zimmer eines 18-Jährigen aus dem Oberbergischen Kreis durchsucht, der aktuell wegen schweren Raubs in Untersuchungshaft sitzt. In der Vergangenheit war er unter anderem durch Körperverletzung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und durch das Rufen rechter Parolen aufgefallen. Bei einem 14- und einem 18-Jährigen im Großraum Köln rückte die Polizei jeweils mit Unterstützung von Spezialeinsatzkräften an. Beide waren polizeibekannt, der jüngere etwa wegen mehrfacher und gefährlicher Körperverletzung. Teilweise sollen sich die Mitglieder der Snapchat-Gruppe gekannt haben, einige lebten ihr rechtsextremes Gedankengut auch auf der Straße aus: Ein 16-Jähriger versuchte mit anderen im September einen Christopher Street Day in Dortmund zu stören, die Behörden sehen ihn als aktives Mitglied einer rechtsradikalen Gruppierung (»Junge Nationalisten«) aus dem Raum Aachen. Auch ein 17-Jähriger aus dem Großraum Köln, gegen den in der Vergangenheit unter anderem wegen sexueller Belästigung ermittelt wurde, hatte Bezüge zu den »Jungen Nationalisten« angegeben.
via spiegel: Radikalisierung im Netz Razzia bei den Snapchat-Nazis