Im Wahlkampf verteilte die AfD den Kubotan – ein Mittel zur Selbstverteidigung, in Deutschland legal. Nur auf die Party der Partei kommt man damit nicht. Zu gefährlich! Im Hinblick auf Waffenrecht und Selbstverteidigung war der brandenburgische Wahlkampf durchaus lehrreich. Als etwa die junge Wandlitzer AfD-Landtagskandidatin Lena Kotré auf Instagram Wählern versprach, man könne sich bei ihr am Wahlkampfstand einen Kubotan abholen, mussten die meisten erst mal googeln: Kubo-was?  Rein äußerlich ein angespitzter Metallstift, meist aus Aluminium, etwa so lang wie ein Bleistift, mit Griffrillen für die Finger versehen, gemacht zur Selbstverteidigung. Benannt nach seinem japanischen Erfinder. Gemacht zur Selbstverteidigung, sagt Wikipedia.  Eine Waffe also, im Wahlkampf? Man ist von der AfD jede Menge Radikalität und Extremismus gewohnt, aber das war neu. Ich habe vor der Wahl mit Kotré gesprochen, über ihre Ambitionen, den Wahlkampf der AfD, ihre Idee, “eine Abschiebeindustrie” zu begründen, mit Privatunternehmen, die im staatlichen Auftrag und im großen Stil Migranten abschieben sollen – und über ihren Kubotan. Zur Anschauung überreichte sie mir einen der AfD-blauen Metallstifte, bedruckt mit ihrem Namen und der Aufforderung, wehrhaft zu sein. Wehrhaft gegen Migranten – so ließ sich Kotrés radikale Botschaft verstehen. Der Kubotan landete in meiner Tasche, wie so manches. (…) Wer den Kubotan aus der Nähe sieht, will ihn nicht abbekommen: Die Spitze gleicht der eines sehr stabilen Kugelschreibers. Mit Wucht gestoßen, kann der Kubotan Menschen verletzen, ihnen zumindest erheblichen Schmerz zufügen. Kotré findet das nicht schlimm, es geht ihr ja auch um die Abwehr von Migranten. Und um ihre politische Botschaft. Bei den eigenen Leuten sieht das aber ganz anders aus.  Am Tag der Brandenburgwahl, Einlass zur Wahlparty der AfD im Potsdamer Norden: ein Zelt, Presseausweis zeigen, ein wichtig wirkender Security-Mann im weißen Hemd winkt: “Hierher bitte. Mal die Tasche öffnen.” Ein Computer, Ladegeräte, ein Netzteil, Visitenkarten, eine Trinkflasche, ein angebissener Wrap in Alufolie, Nagelknipser, Flaschenöffner – was man so braucht, um lange Arbeitstage zu überstehen.  Der Mann gräbt tiefer, zieht mit sicherem Griff den Kubotan von Kotré heraus, noch verpackt in Plastikfolie, legt ihn auf den Tisch vor sich. “Der bleibt hier.” Wieso? Ist doch ungefährlich, sagt jedenfalls die AfD, wende ich ein. “Das ist eine Waffe”, entgegnet der Mann.  Nein, eben nicht. Die AfD verteilt das doch sogar im Wahlkampf! Aber der Mann wirkt so, als sei ihm Kotré egal, wenn er sie überhaupt kennen sollte. “Ein Kubotan ist keine Waffe”, versuche ich es noch mal. Doch der Mann bleibt hart. “Für uns hier ja.”

via zeit: afd-wahlparty: Wie die AfD-Security mir ein AfD-Wahlkampfgeschenk abnahm

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