Drei Tage vor der Landtagswahl will die Brandenburger AfD vom Erfolg des Thüringer Landeschefs Björn Höcke lernen. In Cottbus schwärmt er vom Leben seiner Frau in der DDR – und fordert „Handschellen“ für den Gesundheitsminister. Am Donnerstagabend steht Björn Höcke auf einer Bühne vor dem spätgotischen Backstein der Cottbuser Oberkirche St. Nikolai und schwärmt vom Leben in der DDR. „Wir waren mal ein starkes Volk mit gemeinschaftsorientierten Werten, das zusammengehalten hat“, sagt der Thüringer AfD-Landeschef mit Bezug auf Schilderungen seiner in Cottbus aufgewachsenen Ehefrau. Die DDR sei natürlich eine Diktatur gewesen, sagt er dann und zählt im anschließenden Satz mit seinen Fingern mit. „Aber es gab soziale Sicherheit, es gab Vertrauen, es gab Nachbarschaft, Solidarität, innere Sicherheit, gute Bildung“, sagt er. „Es gab ein Land, das von einem Volk bewohnt wurde, und zwar vom deutschen Volk.“ (…) Hunderte Anhänger der Partei sind an diesem Abend nach Cottbus gekommen, darunter Dutzende Schüler. Unter jungen Menschen ist die AfD mittlerweile besonders beliebt, vor allem in Ostdeutschland. Einige Teilnehmer der Wahlkampfveranstaltung tragen Kleidung mit rechtsextremen Symbolen. Darunter ist etwa ein Jugendlicher mit einem T-Shirt, auf dem „Blitzkrieg“ steht und eine sogenannte Schwarze Sonne dargestellt ist, ein auf die Nationalsozialisten zurückgehendes Erkennungszeichen von Rechtsextremisten. „Division Spreewald“ steht auf einem anderen Shirt, dazu ist die Reichsflagge und der Slogan „Dem Vaterland die Treue und treu zu schwarz-weiß-rot“ abgebildet. Auf dem Pullover eines anderen Mannes heißt es „444“ – der Zahlencode steht in der Szene für „Deutschland den Deutschen“. Die Parole wird an diesem Abend noch mehrfach eine Rolle spielen. (…) Berndt bekommt die Gesangseinlage auf der Bühne zwar nicht mit, erinnert mit seiner Rede aber dennoch an die Parole. „Deutschland ist das Land der Deutschen und Deutschland soll das Land der Deutschen bleiben“, sagt er. Wortgleich hatte er sich bereits auf einer Cottbuser Demonstration im vergangenen Jahr geäußert. Der Verfassungsschutz notierte dazu in seinem Jahresbericht, dass Berndt damit „durch die sinngemäße Wiedergabe der rechtsextremistischen völkischen Losung ‚Deutschland den Deutschen‘ sein ethnisch-homogenes Volksverständnis“ beschrieben habe. Die Parole hat ihren Ursprung in nationalistischen und antisemitischen Organisationen in der Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik.
