Heidelberg · 2020 wurde ein Gast während eines Stiftungsfests der Burschenschaft Normannia in Heidelberg antisemitisch attackiert. Unter den Teilnehmern der Feier waren auch Mitglieder der Saarbrücker Burschenschaft Ghibellinia. Die Staatsanwaltschaft schließt deren Beteiligung an der Tat nicht aus. Warum die Verfahren gegen die Saarländer trotzdem überwiegend eingestellt wurden. Der Vorfall hat 2020 bundesweit Schlagzeilen gemacht: Bei einem Stiftungsfest der Heidelberger Burschenschaft Normannia wurde ein Besucher – Philipp S., ein Verbindungsstudent der „Alten Leipziger Landsmannschaft Afrania“ – Opfer einer antisemitischen Gewalttat. Unter den Partygästen waren auch Burschenschaftler aus Saarbrücken. Am Montag, 16. September, hat vor dem Landgericht Heidelberg die Berufungsverhandlung begonnen. (…) Richterin Zülch-Heine verliest aus dem erstinstanzlichen Urteil. Demnach sei S. von einem Unbekannten „vor einem größtenteils antisemitisch eingestellten Publikum“ scharf und laut gefragt worden, ob er Jude sei. Die Stimmung, vormals als heiter und ausgelassen beschrieben, schlägt schlagartig in eine feindliche und hasserfüllte um. S., dessen Großmutter jüdisch war, bejahte, worauf mehrere Personen mit ihren Gürteln auf die Beine, den Rücken und die Weichteile des Gastes einschlugen und ihn unter anderem als „Drecksjuden“ und „Saujuden“ beschimpften. Wer von den rund 27 Partygästen in welchem Umfang daran beteiligt war – das war Gegenstand umfangreicher Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg. Die ermittelte schließlich zehn Beschuldigte. Fünf von ihnen, so der zuständige Staatsanwalt, waren zur Tatzeit Mitglieder der Saarbrücker Burschenschaft „Ghibellinia zu Prag“. Laut einer Gästeliste, die zu den Beweismitteln des Verfahrens gehört, war auch Nicolas Benyoucef, langjähriger Vorsitzender der „Jungen Alternative Saar“ (JA), der Jugendorganisation der AfD, Gast der Feier. (…) Bei den beteiligten Verbindungen – der Kölner Burschenschaft Germania, der Saarbrücker Ghibellinia und der Heidelberger Normannia – sorgte die öffentliche Aufmerksamkeit für Aufregung. Der Altherrenverband der Normannia löste kurzerhand seine Aktivitas (das sind jene Mitglieder, die noch studieren) auf – weil es in der Normannia bereits zuvor rechtsextremistische und antisemitische Vorfälle gegeben habe. Das ist dem erstinstanzlichen Urteil zu entnehmen. Der antisemitische Übergriff sei „nur die Spitze des Eisbergs“ gewesen, bestätigte am Montag ein Alter Herr der Germania Köln im Zeugenstand. Die Normannia selbst besteht weiter, hat sich aber in „Cimbria“ umbenannt

via saarbrücker zeitung: Berufungsverhandlung gewährt Einblicke Prozess um antisemitische Gewalttat bei Heidelberger Burschenschaft und ihre Spuren nach Saarbrücken

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