Ein 67-Jähriger wollte das Deutsche Reich von 1871 zurück – und suchte dafür Mitstreiter. Nun wurde er zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der Angeklagte wollte unbedingt wieder einen Kaiser haben. Nur so, fand er, wäre das Deutsche Reich von 1871 wieder perfekt. Er hatte auch schon die Mitglieder für die konstituierende Versammlung nach dem Umsturz gesucht. Genau 277 sollten es sein, alles Männer. “Wir suchen dringend Mannsbilder. Bitte meldet euch bei mir”, schrieb er in seine Chatgruppe mit dem Namen “Reichsrat”. “Das klingt so abstrus, dass man nur den Kopf schütteln kann.” Das sagt die Vorsitzende Richterin des Staatsschutzsenates am Hanseatischen Oberlandesgericht am Freitag. Und doch ist der Senat davon überzeugt, dass der 67-Jährige kein harmloser Spinner war. Denn er unterstütze aktiv eine sogenannte Kaiserreichsgruppe, und die war nach Überzeugung des Senates eine hochgefährliche Terrororganisation. Eine Gruppe aus sogenannten Reichsbürgern, Querdenkern und Verschwörungstheoretikern, die in der Corona-Zeit in Internetforen zusammenfand, sich radikalisierte und dann gewaltsam an die Macht putschen wollte. “Wir haben keinen Zweifel, dass die Gruppe terroristische Ziele verfolgte”, so heute die Vorsitzende Richterin. Die Gruppe hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt wurde, dass sie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aus einer Talkshow heraus entführen wollte (…) Auch nach der Verhaftung der Kerngruppe im April 2022 habe Frank W. noch an seiner Umsturzidee festgehalten, so die Vorsitzende Richterin. Er habe sich aus den Chatgruppen nur zurückgezogen, weil es einfach zu wenige Leute für die Revolution gab und er resigniert hatte. Und im November 2023 wurde dann auch er verhaftet.     Das erste Land, das das neue Deutsche Reich anerkennen würde, sollte übrigens Russland sein. Der Angeklagte hatte geplant, mit einem Gleichgesinnten nach Kaliningrad zu segeln, dort eine Fahne des Deutschen Reichs zu hissen und die russische Marine zu bitten, ihn in den Kreml zu bringen. Dort wollte er dann mit Präsident Putin alles besprechen.

via zeit: “Reichsbürger”-Prozess: Mit dem Segelboot zu Putin

siehe auch: Bewährungsstrafe im Hamburger „Reichsbürger“-Prozess Im Prozess um Umsturzpläne sogenannter Reichsbürger hat das Hanseatische Oberlandesgericht einen 67-jährigen Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren zur Bewährung verurteilt. Der Staatsschutzsenat in Hamburg sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte eine terroristische Vereinigung unterstützte und bei der Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens half. Zudem habe er Waffenrechtsverstöße begangen.