Der SPIEGEL hatte über eine neue Spur im Fall des Anschlags auf ein jüdisches Wohnheim im Jahr 1970 in München berichtet, nun sind die Ermittlungen abgeschlossen. Der rechtsextreme Tatverdächtige war schon früh im Visier der Fahnder. Im Februar 1970 starben bei einem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim in München sieben Menschen, mehr als 56 Jahre danach hat die Generalstaatsanwaltschaft der bayerischen Landeshauptstadt nun neue Ermittlungsergebnisse bekannt gegeben. Demnach habe sich der Tatverdacht gegen einen inzwischen verstorbenen, justizbekannten Münchner Neonazi »erhärtet«. Der Mann, ein zur Tatzeit 25-jähriger Deutscher, habe seinerzeit regelmäßig in der Gegend um das Wohnheim der Israelitischen Kultusgemeinde in der Münchner Reichenbachstraße verkehrt. Nach dem »Ergebnis der umfangreichen neuen Ermittlungen von Generalstaatsanwaltschaft und polizeilichem Staatsschutz des Polizeipräsidiums München sprechen belastbare Gründe für die Täterschaft des (verstorbenen) Verdächtigen«, teilte die Behörde mit. Wie der SPIEGEL bereits im Januar berichtete, handelt es sich bei dem Verdächtigen um den 1944 geborenen Bernd V., einen Rechtsextremisten, der wiederholt durch Diebstähle und Einbrüche aufgefallen war. Zeugen beschrieben V. als glühenden Antisemiten und Hitler-Verehrer. (…) Der späte Hinweis der Zeugin war nach SPIEGEL-Recherchen nicht die erste Spur zu Bernd V.: Bereits Anfang der Siebzigerjahre hatte sich ein Gefängnisinsasse bei den Behörden gemeldet und angegeben, mit Bernd V. einst eine Zelle geteilt zu haben. Dort habe V. ihm andeutungsweise erzählt, dass er der gesuchte Brandstifter im Fall des jüdischen Altenheims sei. Nach SPIEGEL-Informationen leitete die Staatsanwaltschaft aufgrund des Hinweises ein Ermittlungsverfahren gegen den damals in anderer Sache inhaftierten Bernd V. ein und führte am 18. Juli 1972 eine Beschuldigtenvernehmung durch. Dabei soll V. die Vorwürfe bestritten haben. Am Ende reichten die belastenden Angaben des Mithäftlings nicht aus, um V. zu überführen – die Ermittlungen gegen ihn wurden 1974 eingestellt. Erst 2025, durch die Aussage der neuen Zeugin, erhielten die Ermittler einen zweiten, unabhängigen Hinweis auf Bernd V. als mutmaßlichen Täter. Wahrscheinlich hätte er für eine Anklage gereicht, doch V. war bereits im Juni 2020 gestorben.

via spiegel: Brandanschlag auf jüdisches Altenheim in München Generalstaatsanwaltschaft sieht Tatverdacht gegen Neonazi Bernd V. erhärtet

siehe auch: German neo-Nazi suspected of deadly 1970 fire at Jewish retirement home. German investigators believe they have now identified an arsonist who set fire to a Jewish community centre in Munich in 1970, killing seven people. For decades the man’s identity remained a mystery. But Munich prosecutors now believe he was a 25-year-old lone neo-Nazi with known antisemitic opinions. The seven killed were all Holocaust survivors aged 59 to 71. Another 15 people were injured. The prosecutors’ revelations come too late to secure justice for the victims. The suspect, identified by Der Spiegel magazine as Bernd V, died in 2020. At about 20:40 on 13 February 1970, prosecutors say the killer poured petrol into the wooden stairwell at a retirement home housed inside the Jewish community building on Reichenbachstrasse, and then set it alight. The fire spread quickly to the top floor of the building. While many managed to escape to the roof or were rescued by firefighters, four of the victims died in the stairwell and another died after jumping from a window. Prosecutors now believe they have “compelling grounds pointing to the (deceased) suspect being the perpetrator”, based on “credible information” from a woman, who came forward last year after the death of a close relative who had known the man well. According to prosecutors, the suspected killer was heard to claim within the immediate vicinity of the community building that “the Jews had everything” and he wanted to “set them on fire”. Fifteen minutes later, the building was engulfed in flames.


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