Die AfD Neufahrn fordert, den „Queeren offenen Treff” für Jugendliche ab zwölf Jahren einzustellen. Fraktionschef Attila Szalontay bezeichnet queere Menschen als „psychisch krank” und ruft Eltern auf, ihre Kinder fernzuhalten. Das Kinder- und Jugendhaus Neufahrn bietet seit diesem Jahr abwechselnd mit der Gemeindebibliothek Neufahrn einen offenen Queertreff an. Dieser richtet sich an alle ab zwölf Jahren, die Teil der queeren Community oder Verbündete sind. Eine Anmeldung ist nicht nötig, und die Teilnahme ist kostenlos. Die Leitung liegt in den Händen von Henrik Kloth (Mobile Jugendarbeit) und Raven Knoll (Bibliothek). „In einer lockeren Runde wollen wir uns kennenlernen und gemeinsam Wünsche und Ziele für den Treff sammeln und planen. Kommt vorbei!“, heißt es in der Einladung zum „Queeren offenen Treff“, der zuletzt am 21. Juli stattfand. (…) Der Vorsitzende der dreiköpfigen AfD-Fraktion im Neufahrner Gemeinderat, Mitglied des bayerischen Landesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik der AfD und Mitglied des Bundesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik der AfD, Attila Szalontay, wird folgendermaßen zitiert: „Für mich als Familienvater von zwei minderjährigen Kindern ist eine Veranstaltung wie diese inakzeptabel. Ich habe persönlich nichts gegen Queerdenkende, ich akzeptiere deren Lebensweise, dies ist kein Verbrechen, aber ich sehe es als eine psychische Krankheit an. Ich möchte hiermit in aller Öffentlichkeit alle normal denkenden Eltern auffordern, genau darauf zu achten, welche Veranstaltungen auch in öffentlichen Jugendräumen ihre Kinder besuchen. Ich werde alles veranlassen, was in meiner Macht steht, um Veranstaltungen dieser Art zu verhindern. Wenn sich Queerdenkende treffen wollen, sollen sie dies im Rahmen von Erwachsenen tun, aber nicht unter Einbeziehung von Minderjährigen.” Die Worte der AfD-Fraktion haben bei Bürgermeister Ozan Iyibas vor allem eines ausgelöst: Unverständnis. Denn: „Über Kinder- und Jugendschutz, altersgerechte Aufklärung und die Rolle der Eltern kann und soll man diskutieren.“ Aber: „Dafür braucht es keine Denkverbote, sondern gute Argumente, gegenseitigen Respekt und einen sachlichen Austausch.“ Eine klare Grenze sei jedoch „dort erreicht, wo Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität als ,psychisch krank‘ bezeichnet und als nicht ,normal denkend‘ dargestellt werden“. Mit dem Missbrauch des Begriffs „psychisch krank“ als abwertende Bezeichnung würden die Menschen herabgewürdigt, die tatsächlich mit einer psychischen Erkrankung leben müssen. Eine solche Stigmatisierung sei gefährlich und habe in unserer Gesellschaft keinen Platz. „Das ist keine sachliche Debatte mehr. Das ist die Herabwürdigung von Menschen.“ Deshalb werde der „Queere offene Treff“ auch weiterhin stattfinden, versichert Iyibas. „Beim nächsten Treffen werde ich selbst dabei sein. Nicht, um eine politische Front aufzubauen, sondern um deutlich zu machen: Diese jungen Menschen gehören zu unserer Gemeinde. Sie gehören zu unserer Gesellschaft.“

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