«RFC – No Neighborhood» steht auf dem Banner, dass hinter dem sogenannten „Oktagon“, ein spezieller Käfig für MMA-Kämpfe, hängt. RFC steht für «Radical Fight Club». „No Neighborhood“ ist wohl wortwörtlich zu verstehen, denn rund um die Scheune, wo am 15. Juni 2024 das extrem rechte Kampfsport-Event «Day of Glory» ausgetragen wird, gibt es kaum direkte Nachbarschaft. Stattdessen dominieren Felder und Wiesen die Landschaft rund um das 118-Seelen Dorf im Département Meuse (Region Grand Est) im Nordosten Frankreichs. Bis zu 300 Neonazis aus ganz Europa fanden sich am dem Samstag Nachmittag hier ein: in der zum Veranstaltungsort umgebauten Scheune, die Jérémy Flament in Combres-sous-les-Côtes 2015 erworben hatte und die seitdem vor allem als Clubhaus der «Lorraine Hammerskins» (LHS) bekannt war – ein 2014 gegründeter, lokaler Ableger der weltweit organisierten Neonazi-Organisation «Hammerskin Nation». In dem Gebäude fanden bereits etliche RechtsRock-Konzerte und Partys statt, oft in Kooperation mit den deutschen «Westwall Hammerskins». Flament selbst ist seit 2011 vollwertiges Mitglied der LHS. Seit Beginn der Nutzung des Clubhauses stehen auch Kampfsport-Trainings im Fokus, vorangetrieben von Jérémy Flament. Viele Jahre wurde er in der «Académie d’arts martieux de Jarny» in Jarny (Département Meurthe-et-Moselle) ausgebildet und nahm für das Gym an offiziellen Wettkämpfen teil. Seine Kompetenzen stellte er zudem 2014 in Vettelschoß (Rheinland-Pfalz) beim deutschen Neonazi-Format «Ring der Nibelungen» – dem Vorgänger des heutigen «Kampf der Nibelungen» (KDN) – unter Beweis. Nun ist er selbst Trainer des Neonazi-Nachwuchses, unter dem Banner des von ihm geschaffenen «Radical Fight Club», kurz RFC. Beheimatet im Keller des Clubhauses der LHS, kommt es wöchentlich zu Box-und MMA-Trainings, an denen bis zu 15 Personen teilnehmen. Das Ganze wirkt nach außen harmlos, die Inszenierung ist bewusst unpolitisch. Dadurch konnte Flament mit dem RFC bereits an nicht-rechten, öffentlichen Turnieren teilnehmen, etwa an der «NAGA – Europe Grappling Championship», die im November 2023 in Limburg an der Lahn (Hessen) stattfand. Eddy Viez (Mitte) und Jérémy Flament (rechts) im Ring der «Hard Fighting Championship» in Basel im Februar 2024 Besonders viel Wert scheint Flament aktuell auf die Förderung des MMA-Newcomers Eddy Viez zu legen. So coachte er Viez beim nicht-rechten MMA-Event «Hard Fighting Championship» in Basel im Februar 2024, bereitete ihn aber auch für seinen Kampf beim Neonazi-Kampfsportevent «European Fight Night» vor, das am 6. Mai 2023 im Umland von Budapest (Ungarn) stattfand. Innerhalb der Organisation des «Day of Glory» nahm Eddy Viez wiederum eine nicht unerhebliche Rolle ein: über sein PayPal-Konto lief der Karten-Vorverkauf, 25 Euro das Stück. 220 hatte es laut Nummerierung im Vorverkauf gegeben. Sollten alle Tickets verkauft worden sein, könnte allein über den Einlass ein Betrag von 5500 Euro für das extrem rechte Kampfsport-Netzwerk generiert werden. Mit der Wahl der Location im Nordosten Frankreichs war allen Beteiligten klar, wer den Ton auf dem jüngst stattgefunden «Day of Glory» angeben wird: die Hammerskins, um die Chapter «Lorraine» und «North France». Kaum ein Konzert geht in Frankreich ohne ihr Mitwirken über die Bühne. Der hohe Organisationsgrad der Neonazi-Bruderschaft stach bereits eindrücklich im November 2019 hervor, als die «Hammerskin Nation» ihr «European Hammerfest» im elsässischen Plaine (Bas-Rhin) austrug. Vor allem die Logistik – Parkeinweisung, Ausschank und Sicherheitsdienst – wirkten dort wie einstudiert.

via exif: «DAY OF GLORY IV» – INTERNATIONALES, EXTREM RECHTES KAMPFSPORTEVENT IN FRANKREICH