Polizei und Küstenwache in Griechenland sollen Migranten systematisch zurückdrängen – teils mit menschenverachtenden Methoden. Zeugen berichten. München – Vor einem Jahr ereignete sich vor der griechischen Küste eines der schwersten Schiffsunglücke im Zusammenhang mit Migranten, bei dem mehr als 600 Menschen starben. Überlebende werfen der griechischen Küstenwache vor, nicht adäquat geholfen zu haben, und klagten. Jetzt werden neue Vorwürfe gegen die Küstenwache laut – und sie schockieren. Angehörige der griechischen Küstenwache sollen systematisch Geflüchtete zurück aufs Meer gedrängt und sie ihrem Schicksal überlassen haben. Eine Praxis an den EU-Außengrenzen, die Aktivistinnen und Aktivisten immer wieder kritisieren. (…) BBC analysierte 15 Vorfälle, die zwischen Mai 2020 und Mai 2023 stattgefunden haben sollen. In 43 Fällen seien Menschen gestorben, einige überlebten und schilderten Unmenschliches. (…) Auf dem Meer haben sie demnach zunächst den anderen Kameruner und dann den Mann von der Elfenbeinküste über Bord geworfen. „Langsam glitt seine Hand unter die Wasseroberfläche und wurde vom Wasser verschlungen“, schilderte der Überlebende. Er selbst sei „wie ein Tier“ geschlagen worden. Dann haben sie auch ihn ohne Schwimmweste ins Wasser geworfen. Er habe sich ans Ufer retten können, seine beiden Begleiter seien später tot an der türkischen Küste geborgen worden. Samos ist keine 40 Kilometer von der Türkei entfernt. Bei einer anderen Gruppe soll die griechische Küstenwache noch grausamer vorgegangen sein. Ein Somalier schilderte, dass er und weitere Geflüchtete im März 2021 „mit Kabelbindern gefesselt mitten ins Meer“ geworfen worden sei. „Sie wollten, dass ich sterbe.“ Er habe nur überlebt, weil er es auf dem Rücken schwimmend schaffte, eine Hand aus der Fessel zu lösen und ans Ufer zu gelangen. Andere ertranken. Ein Migrant aus Syrien berichtete, dass die griechische Küstenwache seine Familie nach einem Hilferuf in türkische Gewässer zurückgebracht und sie auf ein Schlauchboot gesetzt habe. Weil das Ventil nicht richtig verschlossen gewesen sei, begannen sie „sofort zu sinken. Sie hörten uns alle schreien und trotzdem ließen sie uns im Stich“, sagte er der BBC. Sieben oder acht Kinder seien gestorben, manche kurz, bevor ein türkisches Rettungsschiff eintraf.

via fr: Menschen gefesselt und ins Meer geworfen? Schwere Vorwürfe gegen griechische Küstenwache