Der Antisemitismus habe Deutschland nie verlassen, beklagt Ministerpräsident Haseloff im Landtag. Die AfD stellt das Gedenken infrage – und will mit der Geschichte „aufräumen“. 85 Jahre nach der Terrornacht der Nationalsozialisten gegen Juden haben Politiker und die Zivilgesellschaft vor wieder erstarkendem Antisemitismus gewarnt. Dabei distanzierte sich die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt am Donnerstag von der kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte in einer Regierungserklärung, die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 sei Auftakt für den Holocaust gewesen, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Trotzdem sei der Hass gegen Juden auch heute allgegenwärtig. „Aus unserer Gesellschaft war er nie verschwunden“, sagte Haseloff. (…) Die AfD widersprach dem. „Das Problem ist der Antisemitismus, der importiert wurde, und nicht der von rechts“, sagte Co-Fraktionschef Oliver Kirchner. Kontroversen gab es auch um das Erinnerungsdatum 9. November. Haseloff sprach von einem Tag, an dem man an das Leid der Pogromnacht 1938 und an die Freude des Mauerfalls 1989 denke. Wegen dieser doppelten Bedeutung habe man auch nicht den 9. November als Nationalfeiertag ausgewählt. „Wie hätte man diesen Tag unbeschwert feiern können?“, fragte er. AfD-Fraktionschef Kirchner hingegen nannte den 9. November den „einzig richtigen Feiertag“. Ohne die Judenverfolgung zu bestreiten, verteidigte Kirchner die damalige Generation der Deutschen. 1990 habe es Deutschland versäumt, „mit unserer Geschichte aufzuräumen“ und Vergangenes zu vergeben. „Unsere Vorfahren, jedenfalls meine, waren keine Verbrecher“, sagte Kirchner. Man habe allen Grund, auf die Generation der Eltern und Großeltern „stolz zu sein“.

via mz web: 85 JAHRE NACH NAZITERROR Am Tag des Pogrom-Gedenkens fordert die AfD „Stolz“ auf Vorfahren