Ein Soldat ruft zum Widerstand gegen die Coronapolitik auf. Das Verteidigungsministerium will nun gegen extreme „Querdenker“ in der Armee vorgehen. Andreas O. hat sich vorerst zurückgezogen. „Auch der tapferste Gebirgsjäger ist irgendwann müde und erschlafft“, verabschiedete sich der Soldat dieser Tage via Telegram. Jetzt warte er auf seine „Entbindung aus dem Soldateneid“. Zufrieden sei er dennoch. „Ich habe nun meine Pflicht erfüllt. Das Volk ist gewarnt vor dem kommenden Unheil.“ (…) Auf einer späteren Corona-Protestkundgebung drohte er „Hochverrätern“: „Euch wird man in Scherben schlagen, eure Leichen wird man auf den Feldern verstreuen.“ In einem Video stellte O. dann der Regierung ein Ultimatum, die Impfpflicht für Soldaten zurückzunehmen – und inszenierte schließlich am 30. Dezember seine Verhaftung auf dem Münchener Odeonsplatz. Einen Tag darauf wurde er freigelassen. Inzwischen ermittelt die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus gegen Andreas O., wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten. Auch andere Delikte könnte sich in den Ermittlungen noch ergeben, teilte die Zentralstelle mit. Und auch das Verteidigungsministerium reagiert. Bereits seit Februar ist Andreas O. laut taz-Informationen beim Militärischen Abschirmdienst (MAD) als extremistischer Verdachtsfall eingestuft – und zwar im neuen Phänomenbereich „Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“, der sich mit radikalisierten „Querdenkern“ befasst. Der MAD prüft nun, ob und wie O. mit anderen Soldaten vernetzt war. Das Ziel, laut Ministerium: „Erkannte Extremisten als auch Personen mit fehlender Verfassungstreue aus der Bundeswehr zu entfernen.“ Im Fall von Andreas O., seit vier Jahren im Dienst, dauert das Verfahren noch an. In seiner Kaserne fiel er aber schon im Februar als Maskenverweigerer und mit Verschwörungsmythen auf. Im April erhielt er darauf ein Uniformtrageverbot, es folgte ein Verbot der Dienstausübung, das bis heute gilt. Im gleichen Monat demonstrierte O. mit anderen gegen die vermeintliche „Corona-Diktatur“ vor seiner Kaserne.

via taz: Bundeswehr geht gegen „Querdenker“ vor – :Soldaten im „Corona-Widerstand“

siehe auch: Impfgegner in der Bundeswehr – Querdenker in Uniform. Der Fall des fanatischen Oberfeldwebels Andreas O. zeugt von einem Querdenker-Netz bei den Streitkräften. Rechtsextremisten freuen sich und hoffen auf mehr. Die Auftritte des Soldaten beim Messengerdienst Telegram sind verstörend. Oberfeldwebel Andreas O. hält in einem Video, zivil gekleidet bei einer Versammlung von Impfgegnern, eine wilde Rede. „Ich kann meine Worte nur an alle Feiglinge und Hochverräter an unserem Grundgesetz richten: ihr braucht euch keine Chance ausrechnen“, ruft der Gebirgsjäger. Er droht, „euch wird man in Scherben schlagen. Eure Leichen wird man auf Felder verstreuen“. Die Menge ist begeistert und klatscht. Dann folgen zwei weitere Kurzfilme, Andreas O. posiert in Tarnuniform der Bundeswehr. Zuletzt hält er die rechte Hand militärisch an die Stirn und verkündet, „ich befehle jedem mir untergebenen Soldaten für 19 Uhr wieder in den Dienst. In Uniform“. Der Oberfeldwebel verlangt, die „Spaziergänge“ der Impfgegner zu schützen und Polizisten, die sich „verfassungsfeindlich oder übergriffig“ zeigten, „festzusetzen und der Strafverfolgung zuzuführen“. (…) Auch wenn dem „Befehl“ von Andreas O., mit ihm Impfgegner zu schützen, kein Soldat gefolgt war, hielt die Generalstaatsanwaltschaft München die Agitation für brisant genug, um die Ermittlungen an sich zu ziehen. Die „Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET)“ führt nun ein Verfahren wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten. Ein extremistischer Hintergrund könne nicht ausgeschlossen werden, heißt es. Ein Blick in Telegram, das mehr und mehr zum Sprachrohr für Fanatiker wird, lässt die Dimension des Problems der Bundeswehr ahnen.
In der Chatgruppe „Soldaten für das Grundgesetz“ wird Andreas O. gefeiert. Mit Kommentaren wie „Steht zu dem Mann, der Mut hatte was zu bewegen“, „er ist unser Held und wird hoffentlich den Umschwung einleiten“, „er ist ein deutscher Soldat, der seinen Eid ernst nimmt und die Freiheit seines Vaterlandes über sein Ego stellt“. Die Chatgruppe hat 6200 Abonnenten, viele sind offenbar oder waren zumindest Angehörige der Bundeswehr