Der Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke, Walter Huber, strebt in den Bundestag. Dabei begibt er sich unter anderem in Gesellschaft des Querdenkers Karl Hilz. Der Geschäftsführer der Tölzer Stadtwerke, Walter Huber, hegt politische Ambitionen. Im Münchner Norden trat der 59-Jährige kürzlich bei einer „Wahlkonferenz“ – einer kleinen Kundgebung unter freiem Himmel vor eher spärlicher Zuhörerschaft – auf und erklärte seine Unterstützung für die Idee des Rechtsanwalts Helmut Krause, möglichst viele „von den etablierten Parteien unabhängige Direktkandidaten“ in den Bundestag zu bringen. Auch Huber selbst stünde als ein solcher Kandidat zur Verfügung, wie er auf Rückfrage des Tölzer Kurier bestätigt. Hubers eigene Rede beschäftigte sich mit dem Thema sichere Energieversorgung und war ausgesprochen sachlich gehalten. Die Veranstaltung insgesamt wies allerdings deutliche Bezüge zur Querdenker-Bewegung auf. Auf Rückfrage des Tölzer Kurier erklärt Huber, dass er einer Querdenker-Fraktion im Bundestag, wie sie der Veranstalter nach eigenen Worten anstrebt, „selbstverständlich nicht angehöre und das auch nicht tun werde“. Von einem im Internet abrufbaren Video, das Hubers Auftritt zeigt, führt ein Link direkt zur Internetseite von Helmut Krause, dem Initiator und Moderator der Veranstaltung. Dort bezieht sich Krause wiederholt auf den Begriff „Querdenken“. Er betreute eine mittlerweile vom Netz genommene Seite unter dem Titel „Querdenkenforum“. In Rottenburg am Neckar meldete er im November 2020 eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen an.
Auf Krauses Internetseite heißt es: „Wir knacken das System an seiner Sollbruchstelle.“ Der Anwalt veröffentlicht auch ein „Drehbuch“, das den Weg zu seinem Ziel skizziert. An dessen Ende steht demzufolge eine „Querdenkerfraktion im deutschen Bundestag“. Nächster Redner: Der vom Verfassungsschutz beobachtete Karl Hilz Walter Huber eröffnete seinen Vortrag mit den Worten: „Ich unterstütze die Idee der Direktkandidaten, das finde ich eine ganz tolle Idee.“ Ein weiterer Bezug vom öffentlichen Auftritt Hubers zur Querdenker-Bewegung: Direkt nach dem Tölzer Stadtwerke-Chef sprach dort Karl Hilz. Der pensionierte Polizist, der auch schon bei einer Corona-Demo in Bad Tölz auftrat, gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Querdenker-Bewegung und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Generell spricht er davon, dass „dieser Staat totalitär“ geführt werde. Demokratisch gewählte Regierungen in Bund und Land nennt er „nicht legitim“. In München sollte Hilz laut Veranstaltungsankündigung zum Thema „Liegen derzeit die Voraussetzungen für die Ausübung des Widerstandsrechts im Sinne von Art. 20 Abs. 4 des Grundgesetzes vor?“ sprechen. Walter Huber vertraut auf „demokratische Einstellung“ des Veranstalters Krause äußert sich auf seiner Internetseite unter der Überschrift „Widerstand ziviler Ungehorsam“ in einem Text, der mit den Worten „Hallo, lieber Karl“ beginnt. Darin schreibt Krause: „Das, wozu Du – ,friedlich und ohne Waffen‘ – aufrufst, und wozu ich aufrufe, ist ziviler Ungehorsam, der sehr gerne von einer Widerstandsbewegung (zum Beispiel von unserem Bürgerbündnis für einen besseren Bundestag) getragen, initiiert und unterstützt werden kann. Beispiele für zivilen Ungehorsam: Falschparken, keine GEZ-Gebühren zahlen, keine Masken tragen, öffentlich auf Wahlplakate der großen Koalitionsparteien urinieren, in den sozialen Medien ,Shitstorms‘ gegen Regierungsmitglieder und ihre Lakaien an der ,Medienfront‘ und in der Justiz initiieren, ,Autokorsos‘ für Kreisverkehre anmelden etc. dürften Maßnahmen des zivilen Ungehorsams sein.“
via merkur: Auftritt des Tölzer Stadtwerke-Chefs bei Kundgebung: Unter Querdenkern?