In Freiburg soll ein Polizist einen Letten bedroht und gejagt haben. Die Polizei spricht von “Streitigkeiten” – das Opfer berichtet von rassistischen Anfeindungen. Sándor Botka sagt, er habe schon ein schlechtes Gefühl gehabt, als er an der roten Ampel in der Freiburger Innenstadt gewartet habe. Vor ihm standen fünf Männer, sie wirkten betrunken, klopften Sprüche, nahmen einander in den Schwitzkasten, so erzählt er es. Botka trägt einen Irokesenschnitt, Nasenpiercing und an diesem Tag ein T-Shirt der Punkband Pestpocken. Mehrere Leute aus der Gruppe rufen “Ausländer raus”. Dann beginnt, so schildert es Botka, eine halbstündige Verfolgungsjagd. In der Folge stellte sich heraus, dass einer der Männer ein Polizist des Freiburger Polizeipräsidiums ist. Das bestätigen die Ermittlungsbehörden gegenüber ZEIT ONLINE. Später, sechs Tage nach dem Vorfall, auch in einer verdrucksten Pressemitteilung. Aus Angst vor Repressalien hat Botka darum gebeten, in diesem Text nicht mit seinem wahren Namen genannt zu werden. Er ist 35 Jahre alt und wurde in Lettland geboren, der Heimat seiner Mutter. Sein Vater stammt aus Ungarn, wo Botka aufwuchs und lebte, bis er 2014 das Land verließ – weil er von Polizisten verprügelt worden sei. Seit sechs Jahren wohnt er in Freiburg, jener südbadischen Universitätsstadt, die eher als linksliberales Idyll gilt denn als Schauplatz rechter Gewalt. Botka sagt: “Ich bin Europäer, genieße Freizügigkeit, zahle Steuern in Deutschland. Ich habe ein Recht, hier zu sein.” ZEIT ONLINE hat über den Vorfall ausführlich mit ihm und seiner Anwältin gesprochen, deren Schilderungen teilweise von Zeugen bestätigen lassen, beschriebene Orte nachvollzogen. (…) Der Mann, den Botka als Rädelsführer beschreibt, war klein, Anfang 50 und trug einen grauen Vollbart. Er habe ihn “Schwuchtel” genannt, sagt Botka. “Wenn ich dich nächste Woche sehe, erschieße ich dich”, habe er gesagt. Und etliche Male wiederholt, mit ruhiger Stimme, so wie jemand, der genau weiß, was er gerade tut.
Ein anderer aus der Gruppe habe irgendwann interveniert und zu Botka gesagt, er solle diesen Mann in Ruhe lassen, der sei einfach nur betrunken. Dann eine Warnung: Botka solle sich besser nicht mit ihm anlegen – der Mann sei schließlich Polizist.  Botka hatte kein Handy dabei. Er erinnert sich an Dutzende Menschen, die die Szenen beobachteten, aber nicht einschritten. Ein Rennradfahrer, den er darum bat, die Polizei zu rufen. Ein Mann mit Kind, der die Szene mit dem Handy filmte. Ein Taxifahrer, zu dem er hilfesuchend sogar ins Auto stieg, der aber nicht mal dann losfuhr, als die Angreifer das Auto attackierten. “Niemand hat mir geholfen oder deeskalierend eingegriffen”, sagt Botka. Nur eine alte Dame habe einmal interveniert, sei dann aber eingeschüchtert weitergefahren (…) Er schätzt, dass sich das Geschehen über eine halbe Stunde zog. Dann flüchtete er in eine Tankstelle, um von dort aus den Notruf zu wählen. Die Männer verschwanden in Richtung einer nahe gelegenen Kleingartenanlage.  Als die Polizei kam, hat sie sich zunächst ausführlich mit Botka selbst beschäftigt, seinen Rucksack durchsucht, einen Alkoholtest gemacht, so erzählt es Botka. Sie halten ihm vor, dass er die Männer als “Scheißnazis” bezeichnet habe. Ob er wisse, dass das eine Beleidigung sei? Als die Polizei später den mutmaßlichen Haupttäter fand, ihren Kollegen, beobachtete Botka, wie einer der Beamten ihm zur Begrüßung einen Arm umlegt, wie sie sich beide freundlich anschauen. 

via zeit: “Niemand hat mir geholfen”

siehe dazu auch: Rassistischer Mob jagt migrantischen Antifaschisten durch Freiburg. Am Samstag, den 12. Juni, hat um 18 Uhr eine rassistische Hetzjagd in Freiburg stattgefunden. Ein 35-jähriger Lette wurde am Ende von einem Dutzend Männern über mindestens eine halbe Stunde massiv rassistisch beleidigt, mit dem Tode bedroht, körperlich attackiert und durch die Straßen gejagt. Dutzende Menschen wurde ZeugInnen des Vorfalls, rund 30 Menschen wurden erfolglos persönlich um Hilfe gebeten, nicht einmal die Polizei wurde gerufen. Als sich das Opfer schließlich in eine Tankstelle retten konnte und von dort selbst die Polizei rief, verbrüderten sich bei der anschließenden Polizeikontrolle zwei Polizisten mit dem Haupttäter. Die Hetzjagd fand keine zwei Kilometer entfernt und nur knapp zwei Stunden nach dem faschistischen Pfeffer- und Messerangriff von AfD-Stadtratskandidat Robert Hagerman statt, bei dem er vier Menschen verletzte. (…) (Täter 1) war der Rädelsführer der Gruppe und ist laut Aussage von (Täter 8) Polizist. Es ist völlig unklar, wie glaubwürdig die Aussage von (Täter 8) ist, aber die Verbrüderungsszene bei der Polizeikontrolle am Ende spricht zumindest für eine Freundschaft von (Täter 1) mit zwei Polizisten. (…) Er trug graue Shorts und unauffällige, helle Schuhe. Er war betrunken, aber nicht volltrunken, schwulenfeindlich, dabei nicht besonders laut, aber extrem aggressiv. Er hat mehr als vierzig Mal gesagt, dass er sein Opfer erschießen werde.