Die Hohen Neuendorfer AfD musste den für Mittwochabend geplanten Bürgerdialog beim Italiener in Borgsdorf absagen. Der Gastwirt hatte die Partei vor die Tür gesetzt. Der Inhaber des italienischen Restaurants Villa Trattoria Portofino in der Bahnhofstraße 7 in Borgsdorf winkt ab: Er möchte namentlich nichts sagen zu dem Vorgang, der in der Facebookgruppe „Leute aus Birkenwerder“ seit Tagen heiß diskutiert wird. Nur so viel: „Ich habe der AfD abgesagt. Aus. Ende.“ Die Partei hatte für Mittwochabend zum „Bürgerdialog“ mit ihrem Bundestagsdirektkandidaten Andreas Galau in das Restaurant eingeladen. Die Stadtverordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Annett Franck hatte die Veranstaltung jedoch zu Wochenbeginn kurzfristig abgesagt – „aufgrund massiver Bedrohungen“ und „da uns die Sicherheit aller wichtig ist“. Wurde er tatsächlich bedroht? Auf diese Frage und zu den Umständen der Absage möchte der Gastwirt im MAZ-Gespräch nichts sagen. (…) Ein Fraktionsmitglied habe „den Raum, nicht nur einen Tisch“ rechtzeitig gebucht, beschreibt Annett Franck den Vorgang. Dies sei auch im Reservierungsbuch vermerkt worden. Als sie das am Mittwochnachmittag sagt, steht sie zwischen dem Restaurant und dem S-Bahnhof an einem AfD-Infostand, der später Ziel eines Überfalls geworden sei. Polizei war vor Ort. Am vergangenen Freitag dann, 7. Februar, seien der Inhaber und seine Frau beim besagten Fraktionsmitglied erschienen. Sie müssten leider absagen, denn sie würden bedroht. Da in der Kürze der Zeit kein Ersatzraum gefunden wurde, habe der Ortsverein am Montag die Veranstaltung abgesagt, so Annett Franck. „Unseres Wissens nach wurde der Tisch in der Pizzeria bestellt, ohne dass das Team der Pizzeria wusste, dass die AfD dort eine Veranstaltung machen möchte“, kommentierte Andrea Löwe die Absage. Nach den Worten der linken Gemeindevertreterin aus Birkenwerder sei der Wirt „völlig geschockt“ gewesen, als er von Gästen und aus dem Internet von der AfD-Veranstaltung erfuhr. „Der Wirt, Italiener, möchte in seinem Lokal keine AfD-Veranstaltungen“, schreibt Andrea Löwe. Und sie bedankt sich bei dem Restaurantteam „für so viel Courage“. Eine AfD-Veranstaltung „kann die Insolvenz eines Lokals zur Folge haben“, erklärt die Gemeindevertreterin. Wahrscheinlich sei, dass eine Mehrheit der Menschen „rechtsextreme Veranstaltungen als Makel für ein Restaurant empfindet“, sagt Andrea Löwe der MAZ. Deshalb habe sie den AfD-Vertretern vorgeschlagen, sich zu entschuldigen. In ihrem Post erkundigt sie sich, worin denn die Bedrohung bestanden haben soll. Annett Franck verweist auf die Aussagen, die der Wirt zwei Parteifreunden gegenüber gemacht habe, und auf eine E-Mail, die der MAZ vorliegt. Darin kündigt ein häufiger Gast an, nicht mehr ins Restaurant zu kommen, da der AfD „eine Bühne“ gegeben werde, „ihre verachtenden Ideen und ihren Hass unters Volk zu bringen“. Seinen Freunden werde er das ebenfalls empfehlen. „Wie erfolgreich wir sind, seht ihr ja am Weissen Hirsch, der nach einer NPD-Parteiversammlung und dem anschließenden Boykott nie wieder auf die Beine gekommen ist“, schreibt der Mann. Auch der Wirt vom Ratskeller Birkenwerder habe aufgeben müssen, weil sich die Nähe von Mitarbeitenden zur AfD herumgesprochen hatte.
via maz online: Vorfall im Bundestagswahlkampf „Ich habe der AfD abgesagt. Aus. Ende.“: Ein Borgsdorfer Gastwirt setzt Partei vor die Tür


