Mit wem FPÖ-Chef Herbert Kickl alles engen Kontakt pflegt – von der völkischen Identitären Bewegung über die AfD bis hin zu Wladimir Putins Russland. Neulich hat Herbert Kickl sein Selbstverständnis und das seiner Partei noch mal auf den Punkt gebracht, für alle, die es bisher nicht mitbekommen hatten: „Wir alle zusammen gegen das System“, so sagt er das in einem Redeausschnitt, den er kurz vor Weihnachten auf Tiktok gepostet hat. Kickl, der Systemsprenger. Derjenige, der Österreich retten wird. Damit hat er Wahlkampf gemacht. Ende September, am Vorabend der österreichischen Nationalratswahl, hatte der offizielle FPÖ-X-Account noch gepostet: „Am Sonntag bringen wir das System zu Fall.“ Dahinter das Emoji mit dem angespannten Bizeps. Tatsächlich haben Herbert Kickl und seine FPÖ die Wahl dann auch gewonnen, nur sah es lange Zeit nicht danach aus, als würden die anderen Parteien die Rechtsaußen mitspielen lassen. Bis jetzt. Die Koalitionsgespräche zwischen allen, die sonst auf Mehrheiten kämen, sind gescheitert. Also bekommt Kickl drei Monate nach der Wahl doch noch die Chance, das System zu sprengen (…) Kickl ist Parteisoldat. Die FPÖ hat ihn über Jahrzehnte geprägt, er aber andersherum auch die Partei. Dem legendären FPÖ-Popstar Jörg Haider, der die erste Regierungsbeteiligung der Partei im Bund 2000 maßgeblich vorantrieb, schrieb er früher Reden, dann dachte er sich Wahlkampfslogans aus. „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ zum Beispiel oder „Daham statt Islam“. Als Generalsekretär diente er Heinz-Christian Strache, war von 2017 bis zur Ibiza-Affäre 2019 Innenminister. Und machte zum Erschrecken der Verfechter des liberalen Rechtsstaats unter anderem seinen „Grundsatz“ klar, „dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht“. Überhaupt: Obwohl er nicht unbedingt als mitreißender Redner einzustufen ist, austeilen kann Kickl. Die Reporterin Nina Horaczek hat ein ganzes Buch mit seinen Beschimpfungen füllen können, 176 Seiten, auf denen zum Beispiel nachzulesen ist, wie Kickl den SPÖ-Chef Andreas Babler ein „faules, ungenießbares, marxistisches Früchtchen“ nennt. SPÖ und ÖVP bezeichnete er mal als „Polit-Maden“. Nicht nur rhetorisch, auch inhaltlich hat Kickl seine Partei wieder weg vom Pfad der relativen Mäßigung gerückt, auf den seine Vorgänger die FPÖ zum Zwecke der Regierungsfähigkeit gelenkt hatten. Alles nach rechts also (…) Zu sehen eben zum Beispiel beim Konzept „Remigration“. Maßgeblich ausformuliert hat der Österreicher Martin Sellner, was damit gemeint ist. Er war es, der seine Vorstellungen davon beim berüchtigten Potsdamer „Geheimtreffen“ im Herbst 2023 vorstellte, unter anderem vor AfD-Politikern. Sellner gilt als hervorragend vernetzt mit den Vordenkern der deutschen extremen Rechten, seine Identitäre Bewegung (IB) als deren Guerillatruppe. Herbert Kickl sieht die IB nach eigener Aussage bloß als eine Art rechte NGO. Eine, die ihr „Remigrations“-Konzept inzwischen erfolgreich bei AfD wie FPÖ platziert hat. Nicht nur zu neurechten Vorfeldorganisationen und der deutschen Schwesterpartei hat die FPÖ gute Verbindungen. Italiens Vizepremier Matteo Salvini von der Lega zum Beispiel nannte sie auf X am Montag „unsere österreichischen Freunde“. Mit Ungarns Regierungschef Viktor Orbán, dem die EU gerade mehr als eine Milliarde Euro Zuschüsse wegen Verstößen gegen rechtsstaatliche Prinzipien gestrichen hat, ist Kickls Partei eng. Bei einer Konferenz für Konservative und Reaktionäre aus aller Welt pries Kickl Orbán vor eineinhalb Jahren als „Macher“, als „Vorbild für viele in Europa“. (…) Mit Putin verbindet die FPÖ sowieso eine ganz besondere Beziehung. 2016 unterzeichnete sie einen „Freundschaftsvertrag“ mit der Kreml-Partei Einiges Russland, wobei FPÖ-Leute später beteuerten, dass das bloß ein „totes Stück Papier“ sei, ohne konkrete Folgen, überhaupt auch gar nicht mehr aufzufinden in den eigenen Unterlagen. Geld jedenfalls habe man nie aus Russland erhalten. Ehemalige bekommen das aber schon: Karin Kneissl, in der bisher letzten ÖVP/FPÖ-Regierung von 2017 bis 2019 auf dem Ticket der Freiheitlichen Österreichs Außenministerin, ist nach Sankt Petersburg übergesiedelt, leitet dort inzwischen einen kremlnahen Thinktank (und wurde von Putin zur Botschafterin zum Schutz des Amur-Tigers ernannt).
via sz: Herr K. und seine Verbindungen