Facebook wiegelt regelmäßig ab: Die Tochterfirma Instagram wirke sich nicht schädlich auf die Psyche von Userinnen und User aus. Doch eine interne Untersuchung von Facebook selbst belegt genau das. Die Ergebnisse der Studie wurden dem Wall Street Journal zugespielt. “Wir verschlimmern Körperwahrnehmungsprobleme bei drei von zehn Mädchen.” Das zitiert das Wall Street Journal aus einer internen Folie des Unternehmens Facebook. Die Aussage bezieht sich auf Instagram, das zum Facebook-Konzern gehört. Der Zeitung wurden vermutlich von einem Whistleblower interne Dokumente von Facebook zugespielt. Bislang hat Facebook immer abgeblockt Dass die Nutzung von Social-Media-Plattformen für Userinnen und User belastend sein kann, ist seit vielen Jahren bekannt. 2017 zum Beispiel gab es eine große Studie unter britischen Jugendlichen, die sehr klar die negativen Seiten von Instagram belegte. Unter anderem die Welt hatte dazu berichtet. Der Facebook-Konzern hat die Ergebnisse solcher Untersuchungen stets zurückgewiesen. Vor kurzem behauptete Instagram-Chef Adam Mosseri noch, dass der Einfluss von Instagram auf die Psyche der Nutzerinnen und Nutzer nicht hoch sei, so unser Netzreporter Andreas Noll.
Facebook-Forschung zeigt die schädliche Wirkung. Das tat er anscheinend wider besseren Wissens. Die internen Dokumente, die dem Wall Street Journal vorliegen, zeigen, dass sich das Forscherteam von Facebook der negativen Folgen sehr bewusst ist, so Andreas. Die interne Studie soll sogar herausgefunden haben, dass Instagram noch schädlicher ist als andere Social-Media-Plattformen. Eben weil Instagram sehr stark auf Körper und Lebensstil fokussiert. Stärker noch als zum Beispiel TikTok oder Snapchat. “Da steht der Spaßfaktor stärker im Vordergrund”, sagt unser Netzreporter. “Instagram ist sehr stark auf die Körper und den Lebensstil der Menschen fokussiert.” Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter. Auf Instagram vergleichen sich die Userinnen und User regelmäßig. Sie bekommen das Gefühl, dass es anderen besser geht, sie scheinbar schöner sind und so weiter. “Dass diese scheinbar perfekte Welt der anderen häufig das Ergebnis einer Inszenierung ist, realisieren viele Betroffene nicht”, sagt Andreas. Das kann schließlich sogar zu Suizidgedanken führen. 13 Prozent der befragten Jugendlichen in Großbritannien, die Suizidgedanken haben, erklären diese mit der Nutzung von Instagram, so unser Netzreporter.
Facebook antwortet mit Blog-Post einer PR-Managerin. Der Konzern Facebook reagiert auf die Veröffentlichung durch das Wall Street Journal mit einem Blog-Post. Darin bestätigt eine PR-Managerin die Ergebnisse der Facebook-Forschung, so Andreas. “Zugleich merkt sie an, dass die Darstellung in der Zeitung einseitig negativ sei.” Die Verteidigung des Konzerns lautet zusammengefasst, dass man mit der internen Forschung bestätigte, was andere Studien bereits herausgefunden haben. Für die meisten sei Social Media durchaus positiv. In dem Blog wird zur Verteidigung auf eine Studie des Pew Research Center von 2018 hingewiesen. Darin bewerteten 81 Prozent der Jugendlichen Social Media positiv. Sie fühlten sich stärker mit ihren Freundinnen und Freunden verbunden. 26 Prozent fühlten sich durch Social Media schlechter. Das treffe auch auf Instagram zu, so Facebook. Im Schnitt profitierten viele von der Plattform. Zugleich verspricht der Konzern künftig mehr Transparenz und Öffentlichkeit im Hinblick auf die interne Forschung. Und bei der Plattform Instagram sollen Algorithmen angepasst werden.
via deutschlandfunknova: Soziale Medien – #Facebook wusste, dass #Instagram toxisch ist
