AUF1-Betreiber Stefan Magnet verbreitet zum 18. Todestag Jörg Haiders die Behauptung, der Mossad habe den früheren Kärntner Landeshauptmann ermordet. Als Kronzeugen präsentiert er einen Holocaustrevisionisten und einen wegen antisemitischer Verhetzung verurteilten Ex-FPÖ-Politiker. Der israelische Geheimdienst Mossad habe Jörg Haider „eliminiert“: Diese Geschichte verbreitete AUF1-Chef Stefan Magnet am 11. Oktober auf Facebook, Insta, Telegram und X. Er empfiehlt ein Interview mit dem selbst ernannten „Rabbiner“ Moshe Aryeh Friedman, das Karlheinz Klement, früher FPÖ-Nationalratsabgeordneter und BZÖ-Funktionär, geführt und im April 2020 auf YouTube veröffentlicht hat. Auf Telegram und X erreichte Magnet um die 30.000 Aufrufe. Der Anlass passt zur Inszenierung: Haider starb am 11. Oktober 2008. Wie Magnet arbeitet, zeigt, dass ein von ihm mit den Postings verbreiteter Videoausschnitt aus einer am 2. Oktober 2019 auf YouTube veröffentlichten Aufnahme stammt und nicht aus jenem Video, das Magnet mit „das ganze Interview“ verlinkt. Im Videoausschnitt behauptet Friedman, der Mossad verfüge über Spezialisten für Automanipulationen. Außerdem habe der Geheimdienst Haider erpresst, damit dieser seine eigene Security und Cobra-Beamte durch Mossad-Leute ersetze. So hätten sich israelische Agenten bei FPÖ-Veranstaltungen „mitten drinnen“ befunden. Belege? Fehlanzeige! Ein Unfall wird zum Mordkomplott Bei Haiders Unfall hatte die Justiz wenig Spielraum für solche Fantasien: Der Politiker lenkte seinen VW Phaeton mit mindestens 142 km/h durch eine 70er-Zone, hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut und verlor die Kontrolle über das Auto. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt stellte das Verfahren im April 2009 ein. Die technische Untersuchung ergab einen einwandfreien Zustand des Fahrzeugs und keinerlei Hinweise auf Manipulationen. Auch die gerichtsmedizinischen Befunde wurden unabhängig überprüft. Im verlinkten Interview von 2020 erklären Klement und Friedman diese Ergebnisse kurzerhand zur Vertuschung. Friedman beschuldigt die Staatsanwaltschaft Klagenfurt schwerer Amtsmissbräuche, spricht von vernichteten Blutproben und stellt Beamte als Mitwirkende des vermeintlichen Komplotts dar. Der Presserat hatte bereits im Dezember 2019 eine entsprechende skandalisierende Berichterstattung von oe24 beanstandet: Eine behauptete zehnjährige Aufbewahrungspflicht für Haiders Blutproben war unzureichend belegt. Das „verschwundene“ Interview liegt im Archiv Eines der angeblich stärksten Indizien führt ausgerechnet zu einem Gegenbeweis. Friedman behauptet, ein Al-Jazeera-Interview mit Haider aus dem Jahr 2002 sei gezielt aus dem Internet gelöscht worden. Darin hatte Haider zur Palästinafrage Stellung bezogen. Friedman deutet einen Hackerangriff der angeblichen Hintermänner des Mordes an. Ein Transkript des Gesprächs ist jedoch bis heute im Archiv von Al Jazeera inklusive Videoausschnitt nachzulesen.
via stoppt die rechten: AUF1-Chef Magnet wärmt antisemitische Haider-Mordlegende auf
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