Ein ehemaliger FPÖ-Ortschef leitet den deutschen Verein „Ur-Europa“, der die rassischen Ideen des SS-„Ahnenerbe“-Mitgründers Herman Wirth pflegt. Kürzlich tagte „Ur-Europa“ in Deutschland. 2024 hielt der Verein seine Jahrestagung im niederösterreichischen Zöbern ab. Mit einem früheren FPÖ-Landtagsabgeordneten und viel Pseudowissenschaft. Warum hat ein Verein, der im winzigen Ort Thallichtenberg (Rheinland-Pfalz) residiert, einen Obmann aus dem nicht viel größeren Kemeten im österreichischen Burgenland? Wieso ist der Freiheitliche Martin Bauer Obmann in einem Verein, der von den rassistischen und sozialdarwinistischen Vorstellungen seines Gründers Herman Wirth lebt? Und was war 2024 in Zöbern? „Ur-Europa“ heißt der Verein, in dem Martin Bauer seit 2020 Obmann ist. Bis 2022 war Bauer auch noch Ortsobmann der FPÖ in der burgenländischen Gemeinde Kemeten. Dann gab es einen Generationenwechsel in der Ortspartei, aber Bauer versicherte, seiner Partei auch weiterhin „mit Rat und Tat zur Seite stehen“ zu wollen. Zu lesen ist das in einer Recherche von Timo Büchner für Belltower.News (8.10.26), der journalistischen Plattform der deutschen Amadeu Antonio Stiftung. FPÖ-(Ex-)Funktionäre und Neonazis bei den Jahrestagungen Es geht um eine Jahrestagung des Vereins „Ur-Europa“ im Allgäu Ende Juli 2026, bei der auch FPÖ-Funktionäre wie Bauer und Thomas Schinnerl sowie ein mehrfach wegen NS-Wiederbetätigung verurteilter Neonazi mit den Vornamen Günther Adolf präsent war. Günther A. ist seit rund 30 Jahren in der Neonazi-Szene aktiv und war so etwas wie der Lehrmeister des Objekt 21-Chefs Jürgen Windhofer. A. ist aber nicht der einzige Neonazi, der bei Veranstaltungen des Vereins „Ur-Europa“ aufgetaucht ist. Vor ihm nahmen laut „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (16.7.22) schon Andreas Thierry, Roland Wuttke und Gerd Zikeli 2022 an einer Jahrestagung des Vereins teil. Noch früher wurden dort die mittlerweile verstorbenen Nazis Hans-Georg Haverbeck und der Holocaustleugner Rigolf Hennig als Referenten und der Nazi-Barde Frank Rennicke als Teilnehmer bei Jahrestagungen gesichtet. „Ur-Europa“ und sein Altnazi Wirth Der Verein „Ur-Europa“ mit seinem FPÖ-Mann Martin Bauer als Obmann hat eine Website, auf der zu lesen ist, dass der Verein 1928 gegründet wurde und aktuell 140 Mitglieder hat. Die Mitgliederzahl ist seit einigen Jahren konstant. (…) Der Verein „Ur-Europa“ definiert sich in der Tradition Wirths, übernimmt seine Fantasiekonstrukte von „nordischer Rasse“ und Kultur, spricht von einer „ungeheuren kulturellen Leistung der arktisch-atlantischen Menschheit“ und übernimmt auch dessen „Forschungsergebnisse“. Elisabeth Neumann-Gundrum, die dem Verein ihr Vermögen vermachte und die Umbenennung in „Ur-Europa“ veranlasst hatte, spricht von „geistig-seelischen, urwissend-tätigen“ Voraussetzungen, die man brauche, um in Felsformationen urzeitliche Felsbilder interpretieren zu können. Von Spital am Pyhrn nach Zöbern In den 1980er-Jahren kaufte die oberösterreichische Gemeinde Spital am Pyhrn den Nachlass von Herman Wirth an und präsentierte den in einem „Felsbildermuseum“ auch öffentlich. Nach Protesten wurde das Museum anscheinend still und heimlich geschlossen. Wohin man den Nachlass von Wirth verräumt hat, ist unklar. In vergangenen Jahren traten immer wieder Referenten aus Österreich bei Veranstaltungen des Vereins auf. Mehrmals fanden auch Tagungen des Vereins in Österreich statt – vorzugsweise in Spital am Pyhrn –, aber das ist bereits lange her. Umso überraschender ist es, dass der Verein 2024 seine Jahrestagung im niederösterreichischen Zöbern abhielt. Der Ort ist vielen nur durch seine Autobahnraststätte ein Begriff, beherbergt aber auch ein Seminarhotel, das sogar über einen hoteleigenen Steinkreis verfügt. War dort die Jahrestagung? Bekannt sind allerdings die Referent:innen dieser Jahrestagung, die dem Vermächtnis von Elisabeth Neumann-Gundrum, jener Frau mit den „geistig-seelischen, urwissend-tätigen Voraussetzungen“, gewidmet war. Ihre NSDAP-Mitgliedschaft dürfte vermutlich dabei ebenso wenig kritisch beleuchtet worden sein wie ihre Verbindung zum „Deutschen Kulturwerk Europäischen Geistes“ (DKEG) oder zur NPD, deren Politiker Wolfgang Gaewert sie mit einer hohen Spende für ihre Arbeit unterstützte.
via stopp die rechten: FPÖ-Männer, Neonazis & NS-Rassenmythen: Der deutsche Verein „Ur-Europa“
0 Comments