Der Bevölkerungsrückgang trifft Thüringen härter als jedes andere Bundesland. Fachleute warnen vor einem Teufelskreis: Fachkräfte fehlen, Zuwanderung bleibt aus, und rechtsextreme Parteien profitieren von den wachsenden Sorgen. 21.331 Menschen weniger: Thüringen erlebte im vergangenen Jahr den stärksten Bevölkerungsrückgang unter allen Bundesländern. Ende des Jahres lebten nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 1,0 Prozent weniger Menschen im Freistaat als ein Jahr zuvor. Danach folgten Sachsen-Anhalt mit minus 0,7 Prozent und das Saarland mit minus 0,5 Prozent. (…) Dass die ostdeutschen Flächenländer schwächer abschneiden, führen Fachleute auch das politische Klima zurück. Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen, dass Arbeitskräfte seltener in Regionen ziehen, in denen rassistische und migrationsfeindliche Einstellungen besonders verbreitet sind. Besonders stark reagieren demnach junge und gut qualifizierte Beschäftigte. In Thüringen ist die rechtsextreme AfD politisch stark. In der jüngsten Umfrage lag sie bei 39 Prozent. Für die Fachkräfteanwerbung ist das ein Problem: Wo Rassismus und Rechtsextremismus den Alltag prägen oder als Risiko wahrgenommen werden, überlegen sich Menschen mit Migrationserfahrung genauer, ob sie dort arbeiten, wohnen und ihre Familien aufbauen wollen. Fachleute beschreiben das als Teufelskreis: Die Wirtschaft braucht Zuwanderung, um Lücken zu schließen; bleibt sie aus, verschärfen sich Fachkräftemangel und wirtschaftliche Sorgen – und davon können wiederum Parteien profitieren, die Zuwanderung politisch bekämpfen.
via migazin: TEUFELSKREIS DES RECHTSEXTREMISMUS – Bevölkerungsschwund in Thüringen am größten
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