Er wurde für die AfD in den Bundestag gewählt – und tauchte dort monatelang nicht auf. Auch die AfD hat der Trochtelfinger Politiker Knodel verlassen. Was steckt dahinter? Einmal hat er bislang Schlagzeilen gemacht – Sieghard Knodel aus Trochtelfingen-Mägerkingen (Kreis Reutlingen). Das war, als der frisch gewählte AfD-Bundestagsabgeordnete am 5. Mai 2025 aus der Partei austrat. Der Grund: Der Verfassungsschutz hatte die AfD wenige Tage zuvor als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die Einstufung ist derzeit wegen einer Klage der Partei ausgesetzt. Doch inzwischen stellt sich die Frage: Nimmt Knodel, der jetzt fraktionslos im Bundestag sitzt, viel Geld mit, ohne die dafür vorgesehene Leistung zu erbringen? AfD-Aus aus betrieblichen Gründen Der Unternehmer Sieghard Knodel kehrte der AfD im vergangenen Jahr den Rücken: Er wollte nicht wegen inhaltlicher Gründe raus aus der Partei, sondern weil sowohl Kunden als auch seine Familie ihm signalisiert hätten, dass sie nichts zu tun haben wollten mit jemandem, der in einer als rechtsextremistisch eingestuften Partei ist. Es ging Knodel also darum, das Familienunternehmen zu schützen – eine in ganz Baden-Württemberg tätige Firma für Hubarbeitsbühnen. Knodel ist in Sachen AfD zwiegespalten Nach seinem Austritt sei er erstmal für zwei Wochen abgetaucht, erzählt er. Dazu habe das Landeskriminalamt ihm geraten. Man habe Übergriffe von AfD-Anhängern befürchtet. Das Landeskriminalamt bestätigt das mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz und polizeitaktische Gründe nicht. Sieghard Knodels Haltung zur AfD ist bis heute zwiespältig. Die Partei habe gute Ansätze, sagt er. Er halte es für richtig, eigene Werte zu haben, die “abendländische Kultur” zu verteidigen und nicht alles der “grünen, linken Woke” zu überlassen. Menschengemachten Klimawandel gibt es für Knodel nicht. Die CO2-Steuer gehöre abgeschafft. AfD Reutlingen für Knodel ein unorganisierter Haufen Doch je weiter er von der Partei weg sei, desto mehr merke er: In der AfD werde vor allem polarisiert. Angesprochen auf den Umgang mit Ausländern, distanziert er sich klar. Er selbst habe eine Türkin als Mitarbeiterin im Bundestag. Den AfD-Kreisverband Reutlingen beschreibt er rückblickend als “unorganisierten Haufen”, in dem keine Diskussionen möglich seien. Es gebe null Toleranz für andere Meinungen. Knodel tauchte nicht in Berlin auf Doch nun zu Sieghard Knodel selbst. Nachdem er bei der ersten Sitzung des Bundestags im März 2025 dabei war, tauchte er monatelang nicht mehr auf. Bis Ende Oktober. Das bestätigen die Plenarprotokolle des Deutschen Bundestags. Demnach ist er zunächst unentschuldigt abwesend. Ab Mai wird er als “entschuldigt” aufgeführt. Den Grund für sein Fernbleiben wollte er lange nicht öffentlich machen. Jetzt sagte er: Er hatte einen Burnout. Dem Bundestag habe er ein entsprechendes Attest vorgelegt. Knodel erzählt, dass er seit einem fast tödlichen Unfall 2013 immer wieder massive gesundheitliche Probleme habe. 2024 habe sich alles zugespitzt. Er habe eine große Operation in Reutlingen gehabt. Danach sei er Richtung Burnout geschliddert. Ein Attest werde er weder der Presse noch sonst jemandem vorlegen, sagte er dem SWR. Das gehe nur die Bundestagsverwaltung etwas an.
sieeh auch: AfD: Politiker fehlte monatelang im Bundestag – und kassiert trotzdem Er lässt sich selten blicken, hat kein Büro, aber kassiert knapp 17.000 Euro im Monat: Bundestagsabgeordneter Sieghard Knodel. Was steckt hinter dem Phantom-Mandat? Er wurde überraschend gewählt – und erschien dann nicht: Zunächst war Sieghard Knodel für die AfD in den Bundestag eingezogen, dann wurde er wochenlang nicht im Plenum gesehen. Mehr als ein halbes Jahr lang blieb der Bundestagsabgeordnete von der Bildfläche verschwunden. Laut einem aktuellen Bericht wurde Knodel nach seiner Wahl im Herbst 2024 zum Phantom im Parlament. Der Verdacht lag nahe: Kassiert hier ein Abgeordneter Diäten, ohne zu liefern? Fettes Gehalt trotz Fernbleiben: Ex-AfD-Politiker äußert sich Am 5. Mai 2025 trat Sieghard Knodel aus der AfD aus. Nur wenige Tage zuvor hatte der Verfassungsschutz die Partei als “gesichert rechtsextremistisch” eingestuft, derzeit wird die Entscheidung rechtlich angefochten. Für Knodel war das zu diesem Zeitpunkt offenbar zu viel: Einem aktuellen Bericht des SWR zufolge befürchtete er wirtschaftlichen Schaden für sein Familienunternehmen, eine in Baden-Württemberg aktive Firma für Hubarbeitsbühnen. (…) In den Protokollen des Bundestags taucht Knodel nach seiner ersten Sitzung im März 2025 monatelang nicht mehr auf. Erst im Oktober wird seine Abwesenheit dokumentiert. Zunächst unentschuldigt, später mit Attest. Der Grund: Burnout.