Die Haft sollte am 29. August beginnen, doch Marla Svenja Liebich kam nicht. Zuvor hatte der Rechtsextremist dem Justizministerium offenbar mitgeteilt, dass er nie vorhatte, seine Strafe anzutreten. Der gesuchte Rechtsextremist Marla Svenja Liebich soll das Justizministerium in Sachsen-Anhalt vor seinem geplanten Haftantritt darüber informiert haben, dass er die Haft nicht antreten werde. Über ein entsprechendes Schreiben berichtete Justizministerin Franziska Weidinger (CDU) offenbar im nicht-öffentlichen Teil des Rechtsausschusses, wie Landtagsabgeordnete gegenüber der Nachrichtenagentur dpa berichteten. Weidinger sprach demnach von einem »Gnadengesuch«. Das Ministerium erklärte auf Anfrage der dpa, die Sitzung unterliege der gesetzlichen Vertraulichkeit. Man werde sich in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Rechtsausschusses wenden. Weitere Auskünfte gebe es nicht. Nach Angaben von Abgeordneten traf das Schreiben erst Tage nach dem geplanten Haftantritt bei der Staatsanwaltschaft ein. Weidinger habe im Ausschuss von einem »Büroversehen« gesprochen. Diese Aussage führte zu Kritik. Ein Mitglied des Ausschusses berichtete, alle seien »wie vom Donner gerührt« gewesen. Ob das Schreiben tatsächlich von Liebich stammt, ist weiterhin offen. Liebich hätte am 29. August seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt in Chemnitz antreten müssen. Er erschien jedoch nicht und ist seitdem verschwunden. »Der Sachstand ist unverändert«, teilte Oberstaatsanwalt Dennis Cernota auf Anfrage der dpa mit. Er wird per Haftbefehl gesucht. Liebich war im Juli 2023, damals noch als Sven Liebich, vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Die Berufung dagegen scheiterte, ebenso wie später die Revision.
via spiegel: Justizministerium wusste wohl vorab von Marla Svenja Liebichs geplanter Flucht