Die Ankündigung aus NRW, künftig sämtliche Staatsangehörigkeiten von Verdächtigen und Opfern statistisch zu erfassen, ruft verschiedene Reaktionen hervor. Während die SPD Rassismus fürchtet, will die Polizei in Bayern nachziehen. In der nordrhein-westfälischen Kriminalstatistik sollen künftig Mehrfachstaatsangehörigkeiten von Verdächtigen wie Opfern erfasst werden und entsprechend in die Kriminalstatistik einfließen. Die Reaktionen auf dieses Vorhaben fallen unterschiedlich aus.  Harte Kritik an dem Vorstoß von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kommt aus der SPD-Bundestagsfraktion. “Dieses Vorgehen hilft kriminalpolitisch nicht, fördert aber Rassismus”, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD, Sebastian Fiedler dem Tagesspiegel. “Herr Reul liefert eine absolut unsinnige Begründung für sein Vorgehen. Diese Erfassung soll etwa wichtig sein, damit die Polizei bei den Ermittlungen Anhaltspunkte für Haftgründe wie Fluchtgefahr erkennen könne”, sagte Fiedler. Die statistische Erfassung erfolge jedoch erst nach Abschluss der Ermittlungen und spiele für Ermittlungen oder die Gefahrenabwehr nicht die geringste Rolle. Reul hatte am Donnerstag angekündigt, dass rückwirkend zum 1. Juli Mehrfachstaatsangehörigkeiten von Verdächtigen wie Opfern künftig in der Kriminalitätsstatistik ausgewiesen werden. “Wer die Realität sehen will, muss sie auch messen. Darum müssen wir Mehrfachstaatsangehörigkeiten künftig in der Kriminalstatistik berücksichtigen”, sagte er der Rheinischen Post. Zudem könnten mehrere Staatsangehörigkeiten im Hinblick auf Haftgründe Anhaltspunkte für eine eventuelle Fluchtgefahr und für Fluchtmöglichkeiten sein. Damit geht NRW einen Sonderweg. Bisher werden, so etwa auch in der bundesweiten Kriminalstatistik, deutsche Verdächtige mit einem weiteren Pass nur als deutsche Tatverdächtige geführt. Fiedler mahnte: “Letztlich wird allen Menschen mit Doppelpass bei uns signalisiert, dass sie mit einem zweiten Pass nur als Deutsche zweiter Klasse gelten, für die man andere Maßstäbe angelegt. Manche haben diesen Pass zum Beispiel, um weiter erbberechtigt zu sein.” Ein zweiter Pass sage nichts über eine Milieuzugehörigkeit aus.

via lto: NRW-Polizei erfasst Mehrfachstaatsangehörigkeiten “Dieses Vor­gehen för­dert Ras­sismus”

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