Einschlägige Verschwörungserzähler und Elon Musk versuchen, den Mord an einer demokratischen Abgeordneten und ihrem Mann der “Linken” umzuhängen. Wenn man sich online, insbesondere auf X (vormals Twitter), in den konservativen bis rechtsextremen Kreisen der US-Politik bewegt, dann könnte man einen sehr speziellen Eindruck vom Mord an der demokratischen Abgeordneten Melissa Hortman und ihrem Ehemann bekommen. “Der linke Rand ist mörderisch gewalttätig”, schrieb etwa Elon Musk, der Besitzer der Plattform. Dazu teilte er das Posting einer fanatischen Trump-Anhängerin, in dem die Tat “der Linken” umgehängt wird. Ähnliche Behauptungen gab es auch von anderen reichweitenstarken Accounts, die routinemäßig die “MAGA”-Gemeinde mit Erzählungen beliefern, die vor allem eines tun sollen: ihr Weltbild bestätigen. Noch während die Behörden nach dem Täter fahndeten, fahndeten Benny Johnson, Mike Cernovich und andere Influencer nach Zusammenhängen, um möglichst früh eine Verbindung des mutmaßlichen Täters Vance B. zur “anderen” Seite in den Köpfen ihrer Seher und Hörer zu verankern. Und schließlich fand man zwei Punkte, um eine solche zu konstruieren. Tim Walz, Gouverneur von Minnesota und Running Mate von Kamala Harris bei der vergangenen Präsidentschaftswahl, hatte den mutmaßlichen Attentäter 2019 gemeinsam mit einer Reihe anderer Personen als Mitglied des Workforce Development Board bestätigt – ein Routineakt. Und Hortman hatte kürzlich im Repräsentantenhaus des Bundesstaates gemeinsam mit den Republikanern gestimmt. Daraus erdichtete man die Verschwörungserzählung, Walz habe “seinen” Mitarbeiter angesetzt, um Hortman wegen ihres Abstimmungsverhaltens ermorden zu lassen. Ein Spin, den auch Donald Trump junior in einem Fernsehinterview bereitwillig weitertrug. Da war allerdings bereits bekannt, dass der Attentäter bei der letzten Wahl für Trump gestimmt haben dürfte. Ein Hinweis, den der Präsidentensohn lapidar mit “Das glaube ich erst, wenn ich es sehe” abtat. Mittlerweile ist recht klar, dass der Attentäter mit progressiver Politik wenig am Hut hat. B. war Teil einer evangelikalen Gemeinde, predigte gegen Abtreibung und verteufelte LGBTIQ-Personen. Ein langjähriger Freund von B. schloss aus, dass dieser der demokratischen Partei angehört habe. Ganz im Gegenteil, B. wäre wohl beleidigt, wenn man ihm eine solche Mitgliedschaft unterstellte, erklärte er in einem CS-Interview. B. habe sich über Trumps Wahlsieg gefreut und sei auch ein Hörer von Infowars, der Sendung des hauptberuflichen Verschwörungserzählers Alex Jones. Öffentlich einsehbare Daten aus dem Wählerverzeichnis zeigen weiters, dass B. sich schon 2004 in Oklahoma als Republikaner registrieren ließ. Doch die Faktenlage stoppte die Verschwörungserzählungen nicht, sondern änderte sie nur, wie Wired dokumentiert. Nachdem die frei erfundene Verbindung zum Gouverneur ihr Haltbarkeitsdatum flott überschritten hatte, wurde das Attentat schließlich zur “Psy-op” umgeframet. Der mutmaßliche Täter, so insinuiert man, sei gar nicht die Person gewesen, die Hortman und ihren Ehemann ermordet habe, sondern werde anstelle des eigentlich Schuldigen präsentiert, um die Tat dem rechten Milieu unterzuschieben und Trump zu schaden.
via standard: Rechtsextreme versuchen, vom Hintergrund des Minnesota-Attentäters abzulenken